Mehr Arbeit, gleicher Lohn

Von wegen besinnliche Weihnachtszeit: Die rund 400 Hagener Beschäftigten der Berendsen GmbH fühlen sich derzeit enormem Druck ausgesetzt. Ginge es nach der Geschäftsführung des Wäschereiunternehmens, dann sollten sie allesamt noch in diesem Jahr eine Änderung zum Arbeitsvertrag unterzeichnen. „Das sollten sie unterlassen“, warnt Gisela Mielke von der IG Metall. „Damit stellen sie sich definitiv schlechter.“

Altenhagen.. Die Änderung des Arbeitsvertrages regelt eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden. „Das vereinbarte Entgelt bleibt davon unberührt, d.h. es ändert sich nicht (kein Entgeltausgleich)“, heißt es in dem Vertrag. Bisher beträgt die Arbeitszeit gemäß des Anerkennungstarifvertrages aus dem Jahr 2010 38,5 Stunden. Der Manteltarifvertrag von 2002 sieht eine Wochenarbeitszeit von 37 Stunden vor. Mit der Änderung entfällt zudem das Urlaubsgeld. Das macht laut IG Metall zwischen 549 und 632 Euro aus.

Die Berendsen GmbH hat den Anerkennungstarifvertrag mit der Sparte „Textile Dienste“, zu denen die Wäschereien gehören, zum 31. Dezember dieses Jahres gekündigt. Ursprünglich sollte er noch zwei Jahre laufen.

Nachwirkung nutzen

Hier sieht Gisela Mielke die Chance für die Beschäftigten. „Wer nichts unterschreibt, profitiert von der sogenannten Nachwirkung.“ Die ist im Tarifvertragsgesetz festgeschrieben. „Prinzipiell ist niemand verpflichtet, irgendeinen Vertrag zu unterzeichnen. Die Vertragsautonomie ist im Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschrieben“, sagt Martin Kühtz, Jurist des DGB-Rechtsschutzes. „Nachwirkung nach §4, Abs. 5 des Tarifvertragsgesetzes heißt, dass nach Ablauf eines Tarifvertrages die Rechtsnormen weiter gelten, bis eine andere Abmachung geschlossen wird.“

„Verramschung der Arbeit“

Diese Nachwirkung garantiert den Berendsen-Beschäftigten bessere Arbeitsvertragsbedingungen als die nun vorgelegten Arbeitsvertragsveränderungen (siehe Infobox). „Die Mitarbeiter arbeiten jetzt schon eineinhalb Stunden pro Woche unentgeltlich, dann wären es drei. Auf das Jahr gesehen, wäre das ein Monat“, rechnet Mielke vor. Die meisten Mitarbeiter sind laut IG Metall in die Entgeltgruppe II eingeordnet und kommen auf ein monatliches Brutto von 1709 Euro. „Was die Firma nun mit viel Druck auf ihre Mitarbeiter durchsetzen möchte, ist eine Verramschung von Arbeit“, echauffiert sich Gisela Mielke. Die Belegschaft sei verunsichert.

Das Unternehmen selbst wollte sich gestern gegenüber der Westfälischen Rundschau nicht äußern. Geschäftsführer Carsten Best hatte allerdings Mitte November gegenüber der WR betont, dass Berendsen eine der wenigen Firmen in dieser Branche sei, die Tariflohn zahle und damit weit mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Der Preisdruck in der Branche sein jedoch enorm, Berendsen müsse daher reagieren.

 
 

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