Meditation auf dem Fahrrad

Schwerte..  Das Fahrrad hat Oliver Trelenbergs Leben verändert. Auf vielfältige Weise. Es hat ihn gesünder und glücklicher gemacht. Und es hat einen besseren Menschen aus ihm gemacht.

Depressionen, Rückenschmerzen, Zwangsrituale und -gedanken prägten früher sein Leben. Daraus folgten die Sucht nach Zigaretten und Alkohol, aber auch Aggressionen.

Schwarzes Schaf

Der gebürtige Schwerter erinnert sich nicht gerne an seine Jugend zurück. „Es war nicht gerade meine Glanzzeit“, räumt Trelenberg ein. „Ja, ich war ein schwarzes Schaf in Schwerte, aber ich habe mich zum weißen gewandelt“, sagt der Geläuterte nicht ohne Stolz. Stück für Stück hat er sich in ein geordnetes und zufriedenes Leben zurückgekämpft – mit Konsequenz, dem festen Willen und dem Fahrrad.

„1995 habe ich Schwerte verlassen. Ich musste alles hinter mir lassen, auch langjährige Freunde“, erzählt der 48-Jährige, der jetzt in Hagen wohnt. Mit Therapien befreite er sich von der Sucht nach Alkohol und Zigaretten. Ein Freund hat ihm das Radfahren empfohlen. „Ich probierte es aus und fand es anfangs total blöd“, erinnert sich Trelenberg. Doch dann machte es klick. Das Radfahren wurde zu seiner Leidenschaft und zu seiner Rettung. „Es öffnete meinen Blick“, erinnert er sich. „Vorher trug ich Scheuklappen. Es ist wie Meditation.“ Täglich ist er seitdem mit dem Rad unterwegs. Er macht Tagestouren ins Ruhrgebiet und ins Münsterland.

Kraft und Halt

Am Wochenende begleitet ihn seine Lebensgefährtin. „Sie gibt mir ganz viel Halt und Kraft“, ist Trelenberg dankbar. Auch als er im vergangenen Jahr die Horror-Nachricht erhielt: Kehlkopfkrebs. Per Operation wurde ihm der Kehlkopfdeckel entfernt sowie die Lymphknoten. Das Schlucken musste Trelenberg neu lernen. Luft bekommt er seitdem weniger, denn ein Stimmband ist gelähmt. „Ich dachte, ich werde nie wieder Rad fahren können“, erinnert er sich an den Moment der Diagnose. Doch auch das hat er sich zurückgekämpft.

Er schwang sich wieder aufs Rad. Er lässt sich nicht kleinkriegen, nicht vom Krebs. Von Juli bis Oktober fuhr er 2200 Kilometer. In dieser Saison will er die 4000-Kilometer-Marke knacken. Er will anderen Mut machen. Mut machen für Sport, Mut machen fürs Leben.

Touren durch ganz Deutschland

Auf seiner Internetseite präsentiert er Touren durch ganz Deutschland, darunter seine Lieblingstour von Cuxhaven nach Dresden. Es sind Touren, die sportlich nicht zu anstrengend sind. Und er berichtet dort über sein Projekt für 2014: Ü 4000.

 
 

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