Marina Weisband äußerte sich in Hagen zum Thema Datenschutz

Marina Weisband von der Piratenpartei war beim Hagener Hochschulgespräch zu Gast.
Marina Weisband von der Piratenpartei war beim Hagener Hochschulgespräch zu Gast.
Foto: Funke Foto Services
Hagener Hochschulgespräch: Marina Weisband hält offene Kommunikation für zu wichtig, um sich dabei durch mangelhaften Datenschutz bremsen zu lassen.

Hagen.. „Wer hält die Vision vom gläsernen Bürger für eine große Gefahr?“ Die Mehrheit im Hagener Audimax der Fachhochschule Südwestfalen zeigt auf. Kein Wunder, waren doch Datenschutz und die vollständige Durchleuchtung des Menschen am Donnerstag das Thema beim ersten Hagener Hochschulgespräch dieses Wintersemesters. Doch dann stellt Marina Weisband ihre zweite Frage: „Wer verschlüsselt seine E-Mails?“ Da heben sich ganze drei Hände. Die Referentin ist nicht überrascht: „Ja. Die Materie ist langweilig, schwer zu emotionalisieren.“ Ihr gelingt es trotzdem.

Als die gebürtige Ukrainerin, die in Münster Psychologie studiert hat, 2011 Geschäftsführerein der Piratenpartei war, rauschte die neue politische Bewegung von Erfolg zu Erfolg. Nach ihrem Rückzug von der Spitze ging es bald abwärts. Für beides ist die heute 28-Jährige nicht allein verantwortlich. Aber was sie für die Öffentlichkeit so attraktiv machte, zeigte sie auch in Hagen eindrucksvoll: Intelligenz, Engagement, Charme und Witz.

„Es gibt keine unschuldigen Daten.“

Marina Weisband erzählt von den Chancen, die Big Data bietet und vom Vater, der durch die Werbung eines US-Supermarktes erfuhr, dass seine 16-jährige Tochter schwanger war. Und sie mahnt: „Es gibt keine unschuldigen Daten.“ Beispiel Volkszählung von 1928. Da wurde nach Absurditäten gefragt wie der Religion der Großeltern. „1935 wurde das brisant, wenn es Juden waren.“

Doch was heißt das für uns heute? Weisband arbeitet auch mit Schülern. Denen sagt sie: „Stellt nichts ins Netz, das ihr nicht auch auf ein T-Shirt drucken würdet.“ Sie meint aber, dass man eine ganze Menge auf T-Shirts drucken könnte. Sie glaubt daran, dass offene Kommunikation zu einer offeneren, toleranteren Gesellschaft führt. Sie kann sich nicht vorstellen, dass Homosexualität oder eine psychische Erkrankung in der Jugend die Chancen auf einen Job schmälern: „Die Unternehmen können es sich doch nicht leisten, auf gute Leute zu verzichten.“

Selbstzensur hält Marina Weisband für schlimmer als mangelhaften Datenschutz: „Wir müssen zwischen Nutzen und Gefahr abwägen. Das ist eine Wertediskussion.“ Sie setzt auf freie Kommunikation: „Manche fühlen sich sicherer, wenn sie Spezielles nur auf Waldspaziergängen besprechen. Darin sehe ich kein Modell für unsere Gesellschaft.“

Digitale Grundrechte

Stattdessen müsse man dafür kämpfen, den Konzernen Grenzen zu setzten und dafür, die Geheimdienste demokratisch zu kontrollieren. Man könne nicht jeden Bürger dafür verantwortlich machen, seine Daten komplett zu schützen: „Das ist auf politischer Ebene zu lösen.“ Stichwort: digitale Grundrechte. Dennoch ihr Plädoyer: „Verschlüsselt eure Mails. Wenn das alle tun, macht man sich damit nicht mehr verdächtig.“

 
 

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