Marien-Hospital wird zum "Vielgenerationen"-Haus

Foto: WP Michael Kleinrensing
Ab 2014 wird das Marien-Hospital leer stehen. Der Caritasverband liebäugelt mit dem mehrgeschossigen Bau und will hier ein "Vielgenerationen"-Haus verwirklichen. Der Wohlfahrtsverband wäre bereit, drei bis fünf Millionen Euro zu investieren.

Hagen. An die Pforte des zur Schließung anstehenden St.-Marien-Hospitals an der Bergstraße könnte schon 2015 das Türschild des Caritasverbandes geschraubt werden. Wolfgang Röspel, Vorstand des Wohlfahrtsverbandes, hat bereits ein breit gefächertes Nutzungskonzept entwickelt, das unter den Dächern des altehrwürdigen Krankenhauses Angebote für Behinderte, Kinder sowie Senioren-Bewohner vereint: „Mir schwebt ein "Vielgenerationen"-Haus vor, das Menschen zwischen 0 und 100 Jahren zusammenführt.“

Damit würde die Caritas, die mit ihrer Hauptverwaltung vor einem Jahr gerade erst das einstige Willi-Weyer-Bad an der Bergstraße wieder mit Leben gefüllt hat, sich per Erbpacht ein weiteres innenstadtnahes Standbein sichern. Den erforderlichen Investitionsaufwand schätzt der Caritas-Chef grob auf drei bis fünf Millionen Euro.

Tage des Hospitals sind gezählt

Die Tage des etablierten St.-Marien-Hospital-Standortes scheinen endgültig gezählt. Angesichts der Wirtschaftsdaten sowie des in Hagen bevorstehenden massiven Bettenabbaus wird das Haus – egal ob die Katholische Krankenhaus Gesellschaft Hagen (KKH) mit dem AKH oder in einer rein katholischen Partnerschaft ihre Zukunft gestaltet – zum Ende des Jahres 2014 schließen.

Ursprünglich sollten die Abteilungen auf das St.-Josefs- und das St.-Johannes-Hospital sowie auf den neuen Fusionskooperateur am Buschey verteilt werden. Scheitert durch die Paderborner Intervention jetzt jedoch das „Hagener Modell“ einer Krankenhausträger-Verschmelzung, würde die KKH kurzfristig am Boeler Standort noch einen Anbau schaffen müssen, um dort St.-Marien-Disziplinen unterzubringen.

Vielfältige Nutzungschancen

Derweil braucht die Innenstadt-Gemeinde sich keine Sorgen zu machen, dass der fünfgeschossige Komplex mit etwa 10 000 Quadratmetern Nutzfläche zu einem kostspieligen Dauer-Leerstand mutiert. Im Gegenteil: Für den Caritasverband eröffnen sich in der Immobilie dadurch vielfältige Chancen, seine Angebote zu erweitern und parallel die neuen gesetzlichen Rahmenvorgaben des Wohn- und Teilhabegesetzes umzusetzen.

„Nach heutigem Stand möchten wir das Emster Liborius-Haus mit seinen 24 Plätzen zur Rehabilitation psychisch Kranker über drei Etagen an der Ecke Berg-/Goldbergstraße unterbringen“, blickt Röspel auf die Grundrisse der einzelnen Geschosse.

Ebenso ließe sich das ambulant betreute Wohnen für psychisch und geistig behinderte Menschen aus der Knüwenstraße dort integrieren und mit einem Betreuungsbereich für externe Fälle, die eine Tagesstruktur suchen, kombinieren.

Weiteres zentrales Element des Caritas-Konzeptes: etwa 20 Seniorenwohnungen mit einer Fläche zwischen 50 und 60 Quadratmetern, angrenzendem Dachterrassen-Zugang und einer Rundum-sorglos-Versorgung à la Werner-Ruberg-Haus. „Stadtnahes Wohnen bleibt für die älteren Generationen attraktiv, unsere Warteliste an der Bergstraße wird immer länger“, erzählt Röspel.

Dazu passen Flächen für ein generationsübergreifendes Begegnungszentrum mit Mittagstischangeboten sowie ein Cafeteria-Konzept.

Zentralküche soll reaktiviert werden

Denn auch für die jüngsten Hagener möchte der Caritasverband im St.-Marien-Hospital zu einem zentralen Anlaufpunkt werden: „Über drei Etagen eröffnet sich der Platz für etwa 130 Mädchen und Jungen in sieben Gruppen aus dem klassischen Kindergarten-, aber auch aus dem U3-Bereich.“ Röspel möchte dort das St.-Engelbert-Familienzentrum aus der Rembergstraße sowie den St.-Marien-Kindergarten integrieren. Selbst ein Außenspielbereich gehört in einer neu entstehende Grünanlage im Schatten der St.-Marien-Kirche zum Konzept.

Die zuletzt eingemottete, aber noch voll ausgestattete Zentralküche des Krankenhauses – die Mahlzeiten wurden zuletzt komplett in Altenhagen aufbereitet – möchte die Caritas ebenfalls reaktivieren und aus der Bergstraße künftig weitere Häuser des Verbandes mitversorgen.

Platz bietet das stattliche Objekt zudem für die Caritas-Kleiderkammer, die heute noch im ehemaligen Italiener-Zentrum in Kabel an der Knüwenstraße untergebracht ist, sowie für die zu abseitig gelegene Sozialstation vom Finkenkamp, die sich über drei Etagen im KKH-Verwaltungstrakt ausbreiten könnte.

Erhalten bleiben soll derweil die onkologische Schwerpunktpraxis von Ernst-Ulrich Müller an der Mariengasse. Der bestehende Kita-Pavillon neben dem St.-Hedwig-Altenheim bietet sich als Sitz für den neuen Pastoralverbund unter der Regie von Pfarrer Norbert Bathen an. Abgerissen wird hingegen das einstige Schwesternwohnheim entlang der Goldbergstraße – hier sollen dringend erforderliche Parkflächen entstehen.

Bausubstanz ist gut in Schuss

„Das Nutzungskonzept ist so strukturiert, dass sich vitales Leben im Haus mit ruhigeren Ecken ausgeglichen mischt“, erläutert Caritas-Architektin Stefanie Brauckmann, „denn nur so kann es funktionieren.“ Insgesamt sei das St.-Marien-Hospital mit Blick auf die Bausubstanz gut in Schuss und die notwendigen Umbaumaßnahmen würden auch durch keinerlei Denkmalschutzauflagen verkompliziert. „Der Brandschutz ist naturgemäß schon heute optimal, Fluchttreppen sind allerorten ebenso vorhanden wie Aufzüge“, hält die Bauschaffende den erforderlichen Umgestaltungsaufwand für überschaubar.