„Macht es“ - Betroffener ruft zur Darmkrebs-Vorsorge auf

Darmkrebspatient Thomas Nossel ruft zu Früherkennung auf.
Darmkrebspatient Thomas Nossel ruft zu Früherkennung auf.
Foto: WP
Thomas Nossel hat erfolgreich einen Tumor im Darm bekämpft. Der wurde bei dem Hagener nur durch Zufall bei einer Routine-Untersuchung entdeckt. Jetzt ruft er alle auf, keien Angst vor einer Darmspiegelung zu haben: „Macht es!“

Hagen-Mitte.. Thomas Nossel wird einen Satz in diesem Gespräch noch sehr häufig wiederholen. „Ich kann nur sagen: Macht es.“ Und wenn Thomas Nossel diesen Satz sagt, bekommen diese sechs Worte plötzlich einen logischen und dringlichen Gehalt. Nossel spricht von Darmspiegelungen, von etwas, wovor sich 80 Prozent jener Menschen, die eigentlich hin müssten, völlig zu Unrecht fürchten. Die Geschichte von Thomas Nossel räumt auf. Mit falschen Vorurteilen. Und falschen Ängsten. Und: sie hat ein Happy End.

Tabletten gegen zu hohen Blutdruck nimmt er regelmäßig ein. Damit ist er nicht allein. Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit und bei Arbeitsmenschen wie Thomas Nossel nichts Seltenes. Der selbstständige Garten- und Landschaftsbauer wollte für seine Tabletten eigentlich nur ein neues Rezept abholen. Nur diesmal bat der Hausarzt den 57-Jährigen um einen Bluttest. Einfach mal so. Routine. Auch, weil Thomas Nossel schon mit Magengeschwüren zu kämpfen hatte.

Tumor musste raus

Die Blutwerte waren auffällig. Nossel verlor Blut. Sein Hausarzt ordnete eine Magen- und Darmspiegelung an. Der Magen war in Ordnung, aber im Darm fand man ein Gewächs. Einen Tumor. Eine Probe davon ergab: bösartig. Der Tumor musste raus. „Ich war geschockt“, erinnert sich Nossel, „aber irgendwie war das auch seltsam. Man spürt ja nichts. Man hat keine Schmerzen oder Beschwerden.“ Viel richtiger aber ist: er hatte sie noch nicht.

„70 Prozent solcher Patienten wie Herrn Nossel, bei denen sich keine Metasthasen gebildet haben, können geheilt werden“, sagt der Mann, der neben ihm sitzt. Prof. Dr. Wolfgang Timmermann, ärztlicher Direktor im Allgemeinen Krankenhaus (AKH) und Facharzt für Viszeralchirurgie. Bis April 2018 werden für Thomas Nossel noch weitere routinemäßige Nachbehandlungen erforderlich sein. Die Ergebnisse werden in seinem Tumorpass vermerkt.

Tritt nichts Neues mehr auf, gilt Nossel nach fünf Jahren als geheilt. Nach drei Jahren muss sein Darm noch einmal gespiegelt werden. Wird nichts gefunden, dann wird eine weitere Spiegelung erst in zehn Jahren nötig sein. Bei positivem Befund nach fünf Jahren.

Angst vor dem Befund

„Ich hatte vor der Spiegelung große Bedenken“, spricht Nossel den Knackpunkt an, der für die meisten Menschen wohl eine scheinbar unüberwindbare Hürde bei der Darmkrebsvorsorge darstellt. Die Spiegelung des Darms wird als eklig empfunden, als zu schlimmer Eingriff in die Intimsphäre. „Entweder ist das der Grund, warum die meisten die Untersuchung scheuen oder die Angst vor einem möglichen Befund“, sagt Professor Timmermann. Dabei gibt es für beide Gründe sehr beruhigende Nachrichten.

Die Spiegelung, in der Fachwelt Koloskopie genannt, ist eine absolute Routineuntersuchung, von der der Patient nichts mitbekommt und keine Einschränkungen davon trägt. Nach Verabreichung eines sanften Mittels schläft der Patient während der Koloskopie, ohne dabei beatmet werden zu müssen. „Danach ist man sofort wieder fit für den Alltag“, sagt Timmermann. Und: Schon während der Koloskopie können mögliche Polypen, die Vorstufe von Tumoren schonend entfernt werden und das Krebsrisiko an diesen Stellen auf null reduziert werden. „Das ist unsere Wunschvorstellung: aber wenn das jeder bei Zeiten machen würde, dann würde Darmkrebs gar nicht mehr entstehen.“

Kein Gefühl im Darm

Im Darm hat der Mensch kein Gefühl. Veränderungen nimmt er dort auch nicht in Form von Schmerzen wahr. Und wenn, dann nur, wenn ein Tumor möglicherweise schon eine Größe erreicht hat, die für eine Engstelle im Dickdarm sorgt. Oder für Blutungen. Dann kann aber schon längst ein gefährliches Stadium erreicht sein.

„Im Grunde gehen drei Gefahren von einem Tumor aus“, sagt Timmermann. Zum einen kann ein örtliches Wachstum im Darm einen Verschluss herbeiführen. Darüber hinaus können gefährliche Zellen das Tumorgewebe verlassen und in die Lymphbahnen gelangen. Und drittens: Es kann zu einer gefährlichen Absiedelung der Krebszellen über das Blut kommen.

70 Prozent können geheilt werden

Bei Thomas Nossel musste es gar nicht erst so weit kommen. Bei ihm wurde der Darmkrebs rechtzeitig erkannt. Er gehört zu den 70 Prozent, die geheilt werden können. „Ich kann nur eins sagen“, erklärt er zum Abschluss unseres Gesprächs, „geht zur Darmspiegelung. Macht es, macht es, macht es.“

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