Lebensbedingungen für Bienen verschlechtert

Holger Petersein vom Imkerverein Hohenlimburg. hat auch Bienenvölker in seinem Garten.
Holger Petersein vom Imkerverein Hohenlimburg. hat auch Bienenvölker in seinem Garten.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Der Begriff „Bienensterben“ erregt seit Jahren weltweite mediale Aufmerksamkeit. Aktuell macht dieses auch in Hohenlimburg eine Supermarkt-Kette. Doch was hat es eigentlich mit diesem Begriff auf sich? Holger Petersein, beim Imkerverein Hohenlimburg für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, klärte auf.

„Es ist erkennbar, dass es hohe Verluste gibt“, weiß der Imker, dessen Honig in den vergangenen Jahren sogar zweimal prämiert wurde. In den USA passiert das „Bienensterben“ sogar in einem recht großen Stil, wobei in Übersee die Ursache weitestgehend unklar ist. „Colony Collapse Disorder“, kurz CCD, ist in den USA die Bezeichnung für „Bienensterben“.

Die häufigste Ursachen für Bienensterben in Deutschland ist die Varroamilbe – ein Anfang der 80-Jahre eingeschleppter Schädling. „Es gibt zuverlässige Methoden, den Schädling zu bekämpfen, zum Beispiel mit Ameisensäure. Aber da auch die äußeren Bedingungen, wie die Temperaturen, stimmen müssen, kann man dabei auch viel falsch machen“, erklärt Holger Petersein. 2015 hatte er selbst drei von fünf Bienenvölkern verloren. „Das hatte ich vorher nie. Ich vermute, dass es am sehr kalten August lag.“ Die Bekämpfung der Varroamilbe muss nämlich schon im Spätsommer erfolgen, um diese Winterverluste zu vermeiden.

„Allerdings haben sich allgemein die Bedingungen für Bienen verschlechtert“, so Holger Petersein. Die Landschaft hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert, die Korn- oder Mohnblumen, die man früher häufig auf Feldern gesehen hat, gibt es nicht mehr. Zudem wird vermehrt Mais angebaut, der für Bienen nicht hilfreich ist. Den Honigbienen und Wildbienen fehlt es an Nahrung. „Raps ist für Bienen interessant, aber der blüht nur ein paar Wochen. So muss der Imker anschließend die Bienen von dort wegholen, sonst verhungern sie.“

Ein weiteres Problem ist natürlich die Schädlingsbekämpfung. „Was einen Käfer vom Stängel haut, ist auch für Bienen nicht förderlich.“ Wenn ein Feld gemäht wird, sterben ebenfalls viele Bienen. „Es wäre wünschenswert, wenn die Landwirte ihre Felder außerhalb der Flugzeit mähen würden“, so Holger Petersein. „Jedoch mähen mittlerweile aus Kostengründen Lohnfirmen. Das verstehe ich zwar, ist aber für die Bienenvölker ein großes Problem.“ Gerade für wilde Bienen, denn wenn sie sterben, pflanzen sie sich natürlich auch nicht fort. Ein Honigbienenvolk, was aus bis zu 50 000 Tieren besteht, stirbt nicht so schnell aus, zumal der Imker sich kümmert und die Königin von äußeren Einflüssen nicht betroffen ist.

So sind landwirtschaftliche Nutzgebiete schlechter für Bienen. „In Städten haben die Bienen aber deutlich mehr Zulauf. Es scheint mehr Grünflächen zu geben, als man denkt“, so Holger Petersein – damit sind nicht unbedingt Blumen, sondern Bäume gemeint, die ja ebenfalls blühen und somit Nährböden für die Bienen sind. „In Hagen ist das auch nicht das Problem. Es gibt Täler und viele Beerensträucher, da verhungern Bienen nicht so schnell.“

NABU: Weniger Insekten

Der Naturschutzbund Deutschland hat festgestellt, dass es auch allgemein gesehen viel weniger Insekten gibt als noch vor 20 oder 30 Jahren. Insekten fehlt Nahrung oder sie werden im großen Maße bekämpft. Weniger Insekten bedeuten auch weniger Nahrung für Vögel – so ist die Nahrungskette bereits angegriffen. „Mir fällt auf, dass es auch deutlich weniger Schmetterlinge gibt. Mücken vermisst man nicht, Schmetterlinge schon“, so Holger Petersein.

Was kann der Ottonormalverbraucher tun? „Möglichst in seinem Garten auf Bio-Produkte umsteigen. Ich weiß, dass die Sachen teurer sind, aber es gibt genug Möglichkeiten, unerwünschte Pflanzen zu entfernen“, sagt Holger Petersein. Ebenfalls können Gartenbesitzer – Balkonpflanzen sind nicht ausgenommen – auch Lebensräume für Insekten schaffen. „Rosen sind schön, die darf auch jeder gerne haben. Für Bienen sind sie aber ungeeignet.“ Liguster ist derzeit sehr beliebt, wird insbesondere in Gärten zur Anlage von Hecken verwendet. „Da sollte man darauf achten, die Hecken nicht zu stutzen, bevor sie blühen.“ Honigbienen macht es nichts aus, einen Flug von fünf Kilometern auf sich zu nehmen. Wildbienen brauchen jedoch Nahrung innerhalb von 300 Metern – daher stehen sie auch auf der roten Liste.

Der Winter war mild. „Im Imkerverein Hohenlimburg hatten wir etwas Angst, dass wärmere Temperaturen die Entwicklung der Varroamilbe fördern könnten“, erklärt Holger Petersein. Das war allerdings nicht der Fall. „In Hohenlimburger verzeichnen wir insgesamt Verluste unter dem Durchschnitt.“

Sechs Bienenvölker

Die sechs Bienenvölker von Holger Petersein sind schon fleißig am arbeiten, Anfang Juni soll es den ersten Rapshonig geben. Den Honig, den die Bienen in seinem eigenen Garten produzieren, möchte er auch wieder zur Prämierung einschicken.

„Hier scheint eine gute Gegend zu sein“, sagt er mit einem Schmunzeln. Präsentieren wird sich Petersein mit dem Imkerverein Hohenlimburg auch auf dem Hohenlimburg-Tag am 5. Juni, wo heimischer Honig und Pflanzen angeboten werden. „Das Interesse an unserem Honig ist in der Bevölkerung sehr groß, und darüber freuen wir uns natürlich auch sehr.“

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