Langer Winter stellt Handel und Bauern in Südwestfalen vor Probleme

Joachim Karpa
Schnee zu Ostern ist kein Problem für die Pflanzen.
Schnee zu Ostern ist kein Problem für die Pflanzen.
Foto: dpa
Der lange Winter setzt dem Einzelhandel zu. Die neuste Frühjahrsmode oder schicke Gartenmöbel sind nicht gefragt. Während die andauernde Kälte den Pflanzen kaum Probleme bereitet, stecken die Landwirte in den Startlöchern, denn ihnen fehlt bei einer zu kurzen Saison der Umsatz.

Hagen/Olpe/Gevelsberg. Wie hieß es früher, in einer anderen Zeit? „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt. Er setzt seine Felder und Wiesen in Stand. Er pflüget den Boden, er egget und sät. Und rührt seine Hände früh morgens und spät.“

Fleißig sind die Landwirte wie früher, und Trecker haben die Pferde abgelöst. Aber das Wetter Ende März? Vielfach liegt im Sauerland Schnee, der Boden ist gefroren. „Für Wintergetreide, Weizen und Gerste, ist der Schnee kein Problem. Die Winterruhe wird bei wärmerem Wetter schnell aufgeholt“, sagt Barbara Kruse vom Kreisverband Olpe des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands. Probleme bereiten vereinzelt Wasserleitungen, die in offenen Ställen zufrieren. Den Kühen macht die Kälte nichts aus: „Sie empfinden generell 10 bis 15 Grad mehr als der Mensch.“

Für Spargel ist der lange Winter gut

Angst um den Spargel muss niemand haben. „Den Pflanzen macht es nichts“, sagt Willy Kreienbaum, Vorsitzender der Vereinigung der Spargelbauern Westfalen-Lippe: „Sie warten nur auf die Wärme. Voriges Jahr haben wir am 28. März den ersten Spargel gestochen.“ Für die Pflanze sei der lange Winter von Vorteil, so sei sie am Ende der Saison nicht ausgelaugt. Nachteile haben die Spargelbauern. Kreienbaum: „Die Saison ist kürzer, und es fehlt der Umsatz.“

Umsatz fehlt im Handel auch bei Textilien und Schuhen. „Der endlose Winter hat zu einem Rückgang geführt. Die Leute haben keine Lust auf Frühjahrsmode“, weiß Karina Brühmann, Sprecherin vom Einzelhandelsverband Südwestfalen. Auch hätte die Kundschaft ihr Budget für Kleidung spürbar gekürzt. „Es muss mehr Geld für Energie ausgegeben werden, da bleibt neue Kleidung auf der Strecke. Die Folge: „Es ist ausgesprochen ruhig in den Innenstädten.“

Für einen Lichtblick sorgen aus ihrer Sicht allein, traditionell zum Osterfest, die Lebensmittelbranche, die Parfümerien und Geschäfte mit Kinderspielwaren. Auf jeden Fall nicht mit Gartenmöbeln. „Absolut tote Hose, der blanke Horror“, stöhnt Friedrich Wilhelm Goebel, Geschäftsführer vom Bauzentrum Klein in Gevelsberg. „Aber, wir stehen Gewehr bei Fuß, wenn die Natur explodiert.“

Katastrophe für den Straßenbau

Von einer „katastrophalen Lage“ spricht Hans-Joachim Künzel, Obermeister der Straßenbau-Innung Südwestfalen. „Wir konnten in diesem Jahr noch nicht tätig werden. Das habe ich in 50 Jahren nicht erlebt“, sagt der 75-Jährige. Der Winter habe bei vielen Firmen die Ersparnisse aufgebraucht. „Bei einer Gewinnmarge von drei bis vier Prozent wird das eng.“

Die Frostschäden seien außergewöhnlich. „Da hilft es nicht, ein Schild mit 10 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit aufzustellen. Straßen und Flächen müssen erneuert werden.“ Die Auftragslage für dieses Jahr beschreibt Künzel mit „nicht hoffnungslos“, obgleich es fatal sei, dass die Landesregierung die Ausgaben für den Straßenbau gekürzt habe.