Kurze Rückkehr zu den Hagener Wurzeln

Lesung: Der gebürtige Hagener Eddy Kante liest in der Thalia-Buchandlung Hagen aus seiner Autobiografie "In meinem Herzen kocht das Blut". Er war 33 Jahre Lang Bodyguard von Sänger Udo Lindenberg. FOTO: VALENTIN DORNIS
Lesung: Der gebürtige Hagener Eddy Kante liest in der Thalia-Buchandlung Hagen aus seiner Autobiografie "In meinem Herzen kocht das Blut". Er war 33 Jahre Lang Bodyguard von Sänger Udo Lindenberg. FOTO: VALENTIN DORNIS
Foto: Valentin Dornis
Der ehemalige Bodyguard von Udo Lindenberg, Eddy Kante, ist in seine Geburtsstadt Hagen gekommen, um in der Thalia-Buchhandlung aus seiner Autobiographie zu lesen.

Hagen.. Da sitzt er. Ein großer, breiter Mann in einem kleinen, engen Büro. Die Leute übertreiben nicht, wenn sie sagen, dass bei Eddy Kante der Name Programm ist. Der ehemalige Bodyguard von Udo Lindenberg ist in seine Geburtsstadt Hagen gekommen, um in der Thalia-Buchhandlung aus seiner Autobiographie zu lesen.

„In meinem Herzen kocht das Blut“ heißt die. Doch der Mann, der da eine halbe Stunde vor der Lesung in dem kleinen Büro sitzt, wirkt kühl und gelassen. Er erzählt, dass er vor einigen Tagen seinen Personalausweis bekommen hat. Er ist jetzt Staatsbürger von Malta, dort will er leben. Die deutsche Staatsbürgerschaft will er irgendwann aufgeben.

Veranstaltung ist ausverkauft

Ein Mann, der dabei ist, mit seinen Wurzeln zu brechen, kommt ausgerechnet dorthin, wo sie am tiefsten verankert sind: nach Hagen. Wie passt das zusammen? Das Buch, das er in den Händen hält, führt ihn hierher. Darin steht sein Leben, Geschichten über die Kindheit in Hagen, die ersten Erfahrungen im Hagener Chapter des Rockerclubs Freeway Riders – und über die Zeit mit Udo Lindenberg. Über 33 Jahre war der für ihn Idol, Ersatz-Vater und Arbeitgeber in einer Person. Aber das Buch, das Eddy Kante geschrieben hat, sorgte für den Bruch zwischen den beiden Gefährten.

Kurz bevor die Lesung losgeht, kommt er aus dem Büroraum und schaut sich um. Dann stützt er sich auf die Schulter des Reporters und sagt: „Jetzt werde ich gerade ziemlich alt.“ - „Hast du Angst?“ - „Ja.“ Denn in der Buchhandlung sitzen über 100 Leute, die Veranstaltung ist ausverkauft. Und der Mann, der so viel gesehen und erlebt hat, ist nervös. Am Anfang stolpert er ein bisschen über die Sätze. Manchmal muss er auch kurz Pause machen, etwa wenn er von den Misshandlungen in seiner Kindheit erzählt. Als es später um seine Jugend geht und damit um die Anfänge bei den Freeway Riders, wird er lockerer. Aus dem Publikum kommen immer wieder Scherze. Denn die Rocker sind auch da, gemeinschaftlich in Kutte aufmarschiert – schließlich hat Eddy heute auch noch Geburtstag.

Wilde Zeiten sind vorbei

Vor allem in der Hagener Zeit ist Eddy nicht immer ein braver Bürger gewesen. Es ist ein schräges Bild: Vorne im Café sitzt der kräftige Mann und erzählt von einer schlimmen Kindheit, Gewalt und Polizei. Hinten in der letzten Reihe hängen Kalender mit Bildern von süßen Erdmännchen und Loriots Möpsen. Wobei, die sind gewissermaßen ein Stichwort: Auch im Hagener Rotlichtmilieu war Eddy Kante aktiv, im Dunstkreis des legendären Clubbesitzers Jürgen „Mede“ Medenbach. Darüber steht auch etwas in seinem Buch, aber das will er an diesem Abend nicht vorlesen. „Damit habe ich nichts mehr zu tun“, sagt Eddy. Es war viel los in letzter Zeit. Jetzt will er nur noch seine Ruhe.

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