Kulturzentren fürchten neue Einschnitte

Das Gebäude des freien Kulturzentrum Pelmke an der Pelmkestraße.
Das Gebäude des freien Kulturzentrum Pelmke an der Pelmkestraße.
Foto: WP Michael Kleinrensing

Hagen.. „Ob der Kooperationsvertrag im Vorfeld von der Stadt aufgekündigt oder unsere Verträge nach 2016 nicht verlängert werden, wir wissen es nicht. Der für uns momentan hohe Unsicherheitsfaktor belastet schon sehr“, sagt Dirk Klauke. Womit der Kulturmanager des Hasper Hammers seinen drei Kollegen aus der Seele spricht.

Neue Sparvorschläge

Der Stärkungspakt Stadtfinanzen fordert von beteiligten Kommunen strukturelles Sparen ein. Für Hagen bedeutet das, dass zusätzlich zum „normalen Sparpaket“ weitere 10 bis 15 Millionen Euro ausgeschwitzt werden müssen. Jeder Bereich kommt daher noch einmal auf den Prüfstand. Ob Jugend, Soziales, Sport oder Kultur – davon, dass eine Sparte ungeschoren davon kommt, ist nicht auszugehen. Die neuen Sparvorschläge, die in jüngster Zeit seitens der Verwaltung erarbeitet wurden, werden am Donnerstag im Rat vorgestellt. Nach extrem kurzer Beratungszeit von zwei Monaten müssen die Beschlüsse gefasst werden.

Der Kooperationsvertrag, der zwischen der Stadt und den vier Kulturzentren Hasper Hammer, Pelmke, Allerwelthaus und Werkhof im letzten Sommer geschlossen wurde und – ursprünglich vereinbart – bis Ende 2016 laufen soll, regelt die Zuschüsse.

Sparschraube angezogen

„Während das jährliche Gesamtvolumen von 2008 bis ‘11 bei 275.000 Euro lag, wurde es für 2012 bis ‘16 auf 247.000 Euro gekürzt“, so Klauke. Demnach erhalten Hammer und Werkhof je 67.000 Euro Zuschuss pro Jahr, Pelmke und Allerwelthaus etwas weniger. „Seit 2008 wurde die Sparschraube angezogen, von Inflationsausgleich gar nicht zu sprechen“, so der Kulturmanager.

Auch Jürgen Breuer, Geschäftsführer der Pelmke, die in 2011 24.000 Besucher zählte, fürchtet um die Zukunft seines Zen­trums, in dem sich, „vom Punk bis zum Oberstudienrat“ alles trifft. Die Eigenerwirtschaftung (Eintritte, Gastronomie, Spenden) liegt bei 80 Prozent. Natürlich gehe man in der ­Pelmke auch neue Wege, die Einnahmen brächten. So veranstalte man Discos, die 300 Gäste locken (Breuer: „Junge Leute, also das ,normale’ Pelmke-Publikum von morgen“), Lesungen und Poetry Slams.

Pro-Kopf-Zuschuss

„Wir fangen jetzt an, das Hammer-Programm für 2014 zu planen und müssen wissen, ob bis dahin seitens der Stadt überhaupt nichts mehr drin ist“, sagt Klauke und hofft, bei Spar-Diskussionen zumindest mit ins Boot geholt zu werden. „Unter jedem Stuhl kleben bei uns 25 Euro“, so Klauke und umschreibt so den Pro-Kopf-Zuschuss. „Früher lagen wir bei 28 Euro. Aber wenn man die Zahl mit dem Pro-Kopf-Zuschuss im Theater – der liegt bei rund 80 Euro – vergleicht, stehen wir ganz gut da.“ Beweis für Klauke, dass kommerzielle Veranstaltungen „full house“ garantieren und Kooperationen (z. B. mit der Volksbühne) fruchten.

Eine Neidkampagne wollen Klauke und Breuer nicht initiieren, „doch es fällt schon auf, dass die große Kultur unterstützt wird, während die freie Kultur beinahe verhungert“.

 
 

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