Künstlersohn erklimmt Motorradolymp

Hagen..  Der Name Thorn Prikker hat in Hagen einen guten Klang. Noch heute erinnern das Stirnfenster im Hauptbahnhof, die Thorn-Prikker-Straße und das nach ihm benannte Haus an den niederländischen Künstler, der 1910 an die Volme kam. Was viele aber nicht wissen: Auch Johan Thorn Prikkers in Hagen geborener Sohn Hein war international bekannt. Allerdings nicht dank bedeutender Glasmalereien, sondern aufgrund seines Faibles für schnelle Zweiräder, auf denen er zu zwei Deutschen Meistertiteln raste. Heute wäre die Motorradlegende Hein Thorn Prikker 100 Jahre alt geworden.

Hein Thorn Prikker wird Fahrradmechaniker

Rückblende: Seine ersten Lebensjahre verbringt der junge Hein in Hagen, ehe er wegen einer Asthmaerkrankung in die Schweiz zieht und sich später in Bad Godesberg niederlässt. Nach der Schule steht schnell fest, dass „der lange Hein“ beruflich nicht in die Fußstapfen des Vaters tritt: Der technisch interessierte junge Mann nimmt vielmehr eine Stelle als Fahrradmechaniker bei den Imperia-Werken an. Eine Tätigkeit von kurzer Dauer, denn die Motorrad-Kenntnisse Thorn Prikkers erregen alsbald die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten.

Zunächst wird er deshalb in die Motorrad- und schließlich in die Renn- und Versuchsabteilung versetzt. Dort sammelt er Erfahrungen, die sich beim späteren Schrauben an den eigenen Maschinen als ungemein wertvoll erweisen sollen – nicht umsonst wird Thorn Prikker der „Oberbauer“ genannt. Der Grundstein für eine Rennfahrer-Karriere ist gelegt.

Hatte der gebürtige Hagener erste Kontakte zum Rennsport noch als Monteur gesammelt, so startet er bereits 1935 selbst mit einer geliehenen 250er-Imperia auf dem Hockenheimring. Obwohl das Motorrad der Konkurrenz weit unterlegen ist, erreicht Thorn Prikker als Fünfter das Ziel. Ein Achtungserfolg, den er wenig später als Klassensieger des Hohensyburg-Rennens bestätigt. 1936 wechselt der „lange Hein“ schließlich ins Profilager. Für einen Privatfahrer ein denkbar harter Job.

Nichtsdestotrotz sorgt er rasch für Furore, anfangs auf einer 350er Imperia, später auf verschiedenen Boliden der Marke Velocette. Sein fahrerisches und technisches Können krönt er 1939 mit dem Titel als bester Privatfahrer Deutschlands und erhält den mit 1000 Reichsmark dotierten Dorpmüller-Preis. Eine stattliche Summe in diesen Zeiten.

Der Krieg unterbricht die Karriere zwar jäh, doch schon in den ersten Nachkriegsjahren steigt der „Oberbauer“ wieder auf seine Maschine. Er fährt zwar weiterhin vorne mit, muss aber einige Male auch unfreiwillig absteigen.

Laufbahn endet 1954 nach einem Unfall

Als ihn seine Mutter auf die Stürze anspricht, erklärt der Sohn, das liege an seinem zu langsamen Motorrad und dem damit erhöhten Risiko, das er stets eingehen müsse. Die besorgte Mutter reagiert prompt und kauft dem Filius eine stärkere Moto Guzzi, mit der Thorn Prikker die Deutsche Meisterschaft 1950 nur knapp verpasst. 1951 und 1952 ist er aber nicht mehr zu schlagen und setzt sich zweimal hintereinander die Krone in der 250er-Klasse auf. Ein Privatfahrer zeigt der Werks-Konkurrenz die Hacken.

Noch heute kann sich Sohn Jan gut erinnern, wie er als kleiner Junge die Sonntage verbrachte: „Ich saß vorm Radio und hörte, was mein Vater machte.“ Als Jan Thorn Prikker später selbst Rennen fahren will, sorgt der Papa aber dafür, dass daraus nichts wird. Er weiß schließlich nur zu gut, welche Gefahren dieser Sport in sich birgt.

Nach einem Unfall im Jahre 1954 lässt Hein Thorn Prikker seine Laufbahn ausklingen und setzt sich fortan nicht mehr auf ein Motorrad. Bis er in den 70er-Jahren erstmals an einem Veteranenrennen teilnimmt, wieder Gefallen an den heißen Öfen findet und seinem schnellen Hobby fast bis zum 80. Geburtstag frönt. Auch beruflich bleibt der zweifache Vater, der inzwischen mit seiner Frau im Oberbergische Land lebt, seinem Sport in gewisser Sicht verbunden: Als Handelsvertreter bringt er Motorenöle an den Mann.

1998 stirbt Hein Thorn Prikker im Alter von 87 Jahren. Noch kurz vor seinem Tod beantwortet er die Frage seines Sohnes, was denn das Schönste in seinem Leben gewesen sei, mit: „Die Rennfahrerei.“

 
 

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