Kritik an Wohnungs-Monopoly

Hagen.. Der Mieterverein Hagen sieht die geplante Übernahme der Hagener Wohnungsgesellschaft HGW (ca. 5300 Wohnungen) durch die kleinere Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft GWG (ca. 4800 Wohnungen) sehr kritisch.

Der Vorsitzende des Mietervereins, Klaus H. Budde, nimmt denn auch kein Blatt vor den Mund: „Wohnungen sind für Monopoly gänzlich ungeeignet! Wir haben in Hohenlimburg beim Bauverein erlebt, was passieren kann, wenn man das rechte Maß verliert. Der Profilierung einzelner wäre fast der Hohenlimburger Bauverein zum Opfer gefallen! Er war auf dem Weg in die Pleite! Nur durch den Wechsel der Geschäftsführung ist ein Neuanfang gelungen.“

Der Mieterverein sieht mit der Übernahme auch das Entstehen eines für die Stadt den Wohnungsmarkt beherrschenden Unternehmens mit möglicherweise gravierenden Auswirkungen auf die Höhe der Mieten. Budde dazu: „Nach meiner Einschätzung wird es im freifinanzierten Wohnungsbau zu einer Mieterhöhungs-Welle kommen! Das kann der Bevölkerungs-Entwicklung und dem Wohnungsmarkt hier nicht gut tun.“ Nachteile sieht der Mieterverein Hagen auch direkt auf die Mieter der HGW und der GWG zukommen. Da die GWG zurzeit einige große Projekte stemme bzw. gestemmt habe, wie Höxterstraße, Eugen-Richter-Straße und Hasper Bunker, fehle möglicherweise das Geld für die Übernahme. Hinzu komme, dass die GWG das Mark-E-Gebäude in der Körnerstraße für die zukünftige gemeinsame Verwaltung von GWG und HGW erwerben wolle. Der gelernte Betriebswirt Budde findet auch hier klare Worte: „Wie ich der Bilanz der GWG entnehmen konnte, wird sie fast den gesamten Kaufpreis über Kredite finanzieren müssen! Ein angenommener Kaufpreis von 150 Millionen Euro bedeutet einen Zins- und Tilgungsaufwand von geschätzten 4,5 bis 6 Mio Euro. Die daraus folgende Belastung kann ein Wohnungsunternehmen nur über die Mieten erwirtschaften. Das bedeutet im Klartext steigende Mieten und erheblich reduzierte Instandhaltungs- und Modernisierungs-Maßnahmen.“

Der Mieterverein befürchtet weiterhin, dass diverse „Filet-Grundstücke“ der HGW – zum Beispiel auf Emst – früher oder später für die teilweise Finanzierung der Übernahme veräußert werden müssten und für zukünftige Wohnungsbau-Projekte nicht mehr zur Verfügung stünden. Die von der GWG-Führung in der Presse genannte Garantie für die Sicherheit der Arbeitsplätze sieht der Mieterverein als den bei Firmen-Übernahmen üblichen Versuch an, Bedenken der Betroffenen zu zerstreuen. Jahre später könne sich dann niemand mehr an derartige Zusagen erinnern.

Nach Auffassung des Mietervereins sind die in Hagen agierenden Wohnungsgesellschaften gut aufgestellt und erledigten insgesamt ihre Aufgaben recht gut. Es bedürfe daher keiner Veränderung! Der Vorsitzende Budde zieht als Fazit: „Wenn sich die Gesellschaften darauf beschränken, Wohnungen zu bauen, sie regelmäßig modernisieren und auf die Wünsche ihrer Mieter hören und diese nach Möglichkeit erfüllen – dann ist doch alles im grünen Bereich. Mir drängt sich allerdings manchmal der Verdacht auf, dass man sich in der Vorstandsetage des einen oder anderen Unternehmens langweilt und nicht ausgelastet fühlt. Es darf aber nicht sein, dass 10 000 Mieter in Hagen unter den Expansionsgelüsten weniger leiden müssen!“

Der Mieterverein erinnert außerdem an den noch gültigen Ratsbeschluss, nach dem die HGW nicht verkauft werden darf. Auch damals wollte u. a. die GWG die HGW erwerben. „Wir werden das Handeln der Ratsfraktionen und anderer politischer Entscheidungsträger im Auge behalten und sie an ihre früheren Aussagen erinnern!

Für die Stadt wird unterm Strich kaum
etwas übrig bleiben

Für eine Sanierung des städtischen Haushalts ist der HGW-Verkauf auch schon deshalb völlig ungeeignet, weil unterm Strich für die Stadt kaum etwas übrig bleiben dürfte. Ein Grund mehr, das Instrument der direkten Einflussnahme auf die Hagener Wohnungspolitik nicht aus der Hand zu geben. Denn gerade die HGW bietet auch durch besonders preiswerten Wohnraum die Garantie für eine soziale Wohnungspolitik in unserer Stadt, in der ca. 80 Prozent der Haushalte Mieter und auch Wähler sind“, so Klaus H. Budde. Der Mieterverein werde sich mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Übernahme wehren.

 
 

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