Krankenpfleger wird freigesprochen

„Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses“, lautete der seltene Anklagevorwurf, dem sich ein Krankenpfleger aus dem Allgemeinen Krankenhaus am Montag ausgesetzt sah. Er wurde freigesprochen.

Hagen.. <p>Was geschah in der Nacht zum 18. Juli 2011 im Allgemeinen Krankenhaus (AKH)? „Ein sexueller Übergriff eines Pflegers auf eine Patientin“, glaubte die Staatsanwältin. „Gar nichts“, urteilte hingegen das Erweiterte Schöffengericht und sprach den Angeklagten frei.

Für den 42-jährigen Familienvater stand gestern die berufliche Existenz auf dem Spiel: Seit 20 Jahren ist er im AKH als Pfleger tätig. Jetzt war er einem schweren Vorwurf ausgesetzt: Gegen drei Uhr morgens habe er das Zimmer einer frisch am Blinddarm operierten Patientin (27) betreten, sich ans Bett der schlafenden Frau gestellt und ihre Hand an sein entblößtes Geschlechtsteil geführt.

"Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses“, lautete der seltene Anklagevorwurf, den der AKH-Krankenpfleger vor Gericht gestern ganz entschieden bestritt: „Ich möchte dazu sagen, dass ich unschuldig bin.“

Er sei in der fraglichen Nacht regelmäßig bei der jungen Frau im Zimmer gewesen, habe ihr ein Schmerzmittel über den Tropf gegeben oder sich erkundigt, ob sie noch Schmerzen hätte.

In eine andere Abteilung versetzt

Beim Kontrollgang frühmorgens, als er mit seiner Taschenlampe ins dunkle Zimmer leuchtete, musste der Pfleger feststellen, dass der Arm der Patientin „in unbequem aussehender Lage aus dem Bett hing“. Er trat deshalb leise an das Bett der Frau, von der er annahm, dass sie schlief und ergriff ihren Arm.

„Meine Erinnerung setzt ein“, sagte die Patientin und Nebenklägerin, „als ich plötzlich wach wurde.“ Da habe sie an ihrem rechten Handrücken „etwas Weiches gefühlt“ und ihre Hand abrupt weggezogen.

Als am nächsten Morgen die Mutter (54) der jungen Frau zu Besuch kam, hatte sie im Gesicht ihrer Tochter sofort erkannt, „dass hier etwas nicht stimmt“. Es folgten Gespräche mit der Stationsleiterin und der Pflegedirektorin. Das Allgemeine Krankenhaus zeigte den Fall bei der Staatsanwaltschaft an und versetzte den Pfleger in eine andere Abteilung.

"Wir haben kein Interesse daran, dass dieser Vorfall unter den Teppich gekehrt wird“, erklärte AKH-Pflegedirektorin Margarete Juergensen im Zeugenstand, „wir wollen, dass es hier zu einer Aufklärung kommt.“

Staatsanwältin Claudia Kersebaum beantragte ein Jahr Haft, ausgesetzt zur Bewährung, sowie 2000 Euro Buße. Verteidiger Wolfgang Zwiehoff hingegen zerpflückte die Zeugin: Sie habe „irgendwas wahrgenommen und in ihrem Dämmerzustand falsch bewertet“. Am Ende seines sehr scharfen Plädoyers forderte er einen Freispruch.

Das Gericht (Vorsitz: Richter Michael Brass) schloss sich an. Man glaube nicht, dass die Patientin die Geschichte erfunden habe: „Es bleiben allerdings gebotene Zweifel an dem geschilderten Geschehen.“

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