Kostenexplosion im Kanal auf Haßley

Über solche riesigen Schächte wurde der Bohrer eine Tiefe von 20 Metern hinabgelassen.
Über solche riesigen Schächte wurde der Bohrer eine Tiefe von 20 Metern hinabgelassen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
2,9 Millionen sollte der neue Kanal, über den das Sonneborn-Areal auf Haßley entwässert werden soll, ursprünglich kosten. Nach zwei dicken Pannen unter der Erde sind daraus jetzt mehr als fünf Millionen geworden.

Hagen.. Hamburg hat seine Elbphilharmonie, Berlin hat seinen Flughafen, Stuttgart seinen unterirdischen Bahnhof. Und Hagen?

Hagen hat zumindest aktuell kein repräsentatives Bauwerk, bei dem die Kosten völlig aus dem Ruder laufen. Dafür hat Hagen einen unterirdischen Kanal. Und von dem haben die Hagener die Nase voll. Denn auf Haßley werden vom Wirtschaftsbetrieb Hagen Gebührengelder verbuddelt – und zwar reichlich.

Vergleich hinkt

Der Vergleich mit den Metropolen mag ungerecht sein. Schon weil die Summen, die in Hamburg, Berlin und Stuttgart verschleudert werden, ganz andere sind. Aber: Unter dem Strich belaufen sich die Mehrkosten am Kanal mittlerweile auf 2,26 Millionen Euro.

260 000 Euro waren zuletzt noch einmal hinzugekommen, weil der Bohrer ein zweites Mal feststeckte und beschädigt wurde (unsere Zeitung berichtete). Rund zwei Millionen waren bereits bis zum Herbst 2013 offiziell im Erdreich geblieben.

Verantwortliche kannten Hexenteich nicht

Der neuerliche Aufschlag liegt am unterirdischen, einst zugeschütteten Hexenteich, von dem kein Verantwortlicher etwas wusste. Erstmals waren die kalkulierten Kosten aus dem Ruder gelaufen, als sich ein Felsmassiv so auf die Kanalröhre gesenkt hatte, dass der Bohrer über Wochen in 20 Meter Tiefe feststeckte.

2,9 Millionen Euro sollte der umstrittene Kanal, durch den das ­Gelände des neuen Möbelhauses Sonneborn entwässert werden soll, eigentlich kosten. Nach den beiden unterirdischen Pannen sind daraus mehr als 5 Millionen Euro geworden.

Grüne auf dem Baum

„Das ist ein Skandal“, sagt Hildegund Kingreen, Grünen-Ratsfrau und Vorsitzende des Umweltausschusses, „da gibt eine städtische Tochter so viel Geld aus und der Investor hat noch nicht einmal einen Bauantrag gestellt. Für mich bleibt die Frage: Wer kon­trolliert eigentlich den Wirtschaftsbetrieb? Von außen offenbar niemand mehr.“

Worauf die Grünen-Politikerin auch anspielt, ist, dass im Sommer des letzten Jahres von den erneuten Mehrkosten keine Rede war. Denn als der Bohrer am Ende des 640 Meter langen Tunnels Licht erblickte, war von einem erneuten Feststecken kein Wort zu vernehmen. Zu weiteren Pannen sei es nicht gekommen, hatte der Wirtschaftsbetrieb Anfang Juli 2013 mitgeteilt. Jetzt die Kehrtwende.

Der Bund der Steuerzahler, der sonst Hagen und seine Projekte so gerne in seinem Schwarzbuch der Steuerverschwendung ins Visier nimmt, reagiert auf die Kostensteigerung zurückhaltend und schließt sich weitestgehend der Argumentation des Wirtschaftsbetriebs an: „Wenn man wirklich alle Voruntersuchungen korrekt durchgeführt hat, dann bleibt am Ende eben ein Restrisiko“, sagt Sprecherin Bärbel Hildebrand, „das scheint nun eingetreten zu sein“.

 
 

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