Kleiderkammer für extreme XXL-Größen entsteht in Hagen

Übergewichtige haben es oft schwer, passende Kleidung zu finden.
Übergewichtige haben es oft schwer, passende Kleidung zu finden.
Foto: dpa
Das Rote Kreuz in Hagen baut eine Kleiderkammer für extreme Größen auf. Dahinter steckt Christian Fricke. Er kämpfte selbst mit extremem Übergewicht.

Hagen.. Über beide haben wir berichtet, wie sie gegen ihr extremes Übergewicht gekämpft und gewonnen haben. Über diese Berichterstattungen haben sich Sonia Schmitz (33) und Christian Fricke (29) nun kennengelernt. Und deshalb unterstützt Sonia Schmitz die neue Idee des DRK Vorhalle: Dort wird eine „Kleiderkammer XXL“ eingerichtet.

Das Prinzip: Stark übergewichtige, adipöse Menschen sollen hier die Möglichkeit erhalten, Kleidung für ihren Körperumfang (bis zu zehnfach XL) zu bekommen. Gleichzeitig können sie hier aber auch ihre nicht mehr benötigte Kleidung abgeben. Das Ganze soll mehr eine Tauschbörse werden, hat also einen anderen Schwerpunkt als die „normale“ Kleiderkammer, die auf Bedürftige ausgerichtet ist.

Obwohl: Es gibt auch hier eine entscheidende finanzielle Komponente, wie Christian Fricke aus eigener Erfahrung weiß. 85 Kilo hat er bereits durch seine Magenverkleinerung abgenommen, früher wog er bis zu 220 Kilogramm: „Da ist es schwer, die passende Kleidung zu finden. Aber es ist ja nicht nur eine Frage der Größe, sondern oft auch ein finanzielles Problem. Viele mit extremem Übergewicht können sich das nicht leisten. Da kann eine kaputte Jeans oder eine zu kleine Jacke direkt zu einem Drama werden.“

Kleiderspenden gewünscht

Deshalb will sich der 29-Jährige, der selbst Rotkreuz-Leiter in Vorhalle ist, nun mit der speziellen XXL-Kleiderkammer dem Problem widmen: „Noch haben wir nur wenig Kleidung. Wir stehen am Beginn und rufen nun alle auf, die zu große oder zu kleine XXL-Kleidung zu Hause haben, diese bei uns abzugeben.“ Möglich ist das jeden Donnerstag in der Zeit von 15 bis 18 Uhr in der DRK-Geschäftsstelle in der Reichsbahnstraße 6. Größere Mengen, so Fricke, könnte nach Absprache auch abgeholt werden.

Die Kleidung wird dann nur persönlich an die jeweiligen übergewichtigen Menschen ausgegeben, wenn sie vor Ort anprobiert worden ist („Wir habe eine geräumige Umkleide“), um zu sehen, ob sie auch tatsächlich passt. Fricke: „Wir möchten möglichst vielen Betroffenen die Möglichkeit geben, sich bei uns einzukleiden.“ Und er hofft auf die Ehrlichkeit der Nutzer dieses Angebots: „Wenn die Kleidung etwa durch eine Diät zu groß geworden ist, dann hoffen wir, dass sie auch wieder zu uns zurück gebracht wird.“ Sonia Schmitz, die ihr Gewicht von 140 auf 56 Kilogramm hat reduzieren können, ist schon mit gutem Beispiel voran gegangen und hat schon einige alte Kleidungstücke gespendet.

Für Christian Fricke ist die Aktion ein weiterer Baustein in seinen Aktivitäten rund um das Thema Adipositas. Mit seiner Operation, der Gewichtsabnahme und seinem Gang in die Öffentlichkeit hat er sich voll der Mission verschrieben, anderen Übergewichtigen zu helfen. Und das Ganze sogar zu seinem Beruf gemacht. In der Adipositas-Abteilung des Evangelischen Krankenhauses Mops in Haspe ist er als Berater tätig.

Er hat zudem das Adipositas-Netzwerk Hagen gegründet, unter dessen Dach es nun sieben Selbsthilfegruppen (vier am Mops und je eine in Vorhalle, Lüdenscheid und Olpe) gibt. Und Fricke selbst ist zur Symbolfigur geworden: „Es holen sich immer mehr Betroffene Rat bei mir.“

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