Keine Kinder im Waldkindergarten

Hubertus Heuel
In einem ehemaligen Holzbau am Forsthaus Deerth soll ein Waldkindergarten entstehen.
In einem ehemaligen Holzbau am Forsthaus Deerth soll ein Waldkindergarten entstehen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Die Eröffnung des Waldkindergartens im Deerth oberhalb von Wehringhausen ist auf kommenden April verschoben worden. Grund: Den Johannitern lag lediglich eine Handvoll Anmeldungen vor.

Hagen. Die Eröffnung des Waldkindergartens im Deerth oberhalb von Wehringhausen ist auf kommenden April verschoben worden. Grund: Den Johannitern, die die Einrichtung betreiben wollen, lag lediglich eine Handvoll Anmeldungen vor. Mit so wenigen Kindern sei die Eröffnung des Kindergartens nicht zu rechtfertigen, sagte Benjamin Wobig, Regionalvorstand der Johanniter.

Dennoch sei die mangelnde Resonanz nicht auf mangelndes Interesse zurückzuführen, fuhr Wobig dort. Vielmehr sei bei der erstmaligen Bekanntmachung Anfang des Jahres nicht bedacht worden, dass der Anmeldungszeitraum für das kommende Kindergartenjahr abgelaufen war. Fast alle Hagener Kinder hatten bereits einen Platz in anderen Einrichtungen gefunden.

Unter freiem Himmel

Das soll nun anders werden. Statt wie geplant im August öffnet der Waldkindergarten nun erst am 1. April 2015 seine Pforten. Am Konzept jedoch ändert sich nichts. Die Kinder und ihre Erzieher werden den gesamten Tag unter freiem Himmel verbringen und den Wald im Deerth durchstreifen. „Kinder sind gerne draußen, Kälte und Regen stören sie nicht“, so Wobig. Nur wenn das Wetter Gesundheit und Sicherheit der Knirpse gefährdet, darf eine Unterkunft aufgesucht werden. Im Deerth ist das eine ehemalige Waldarbeiterhütte hinter dem alten Forsthaus, die von der Stadt hergerichtet wurde und über einen Wirtschaftsweg mit dem Auto zu erreichen ist. Nicht weit davon will die AWo ihre Suchtklinik um einen eingezäunten Bereich für Straftäter erweitern.

Vorgesehen ist, dass die Eltern ihren Nachwuchs um 7 oder 7.30 Uhr zu dieser Hütte bringen, und die Kinder dann mit den Erzieherinnen in den Wald aufbrechen (bei Schnee und Eis wird ein Treffpunkt nahe Wehringhausen gewählt). Auf handelsübliches Spielzeug wird verzichtet, die Kinder sollen sich mit den Materialien beschäftigen, die sie in der Natur finden. Das soll sich laut wissenschaftlichen Untersuchungen u.a. positiv auf die Sprachentwicklung auswirken, da die Kinder in einem Waldkindergarten häufiger und intensiver miteinander kommunizieren. Auch das Immunsystem der Kinder soll durch den stundenlangen Aufenthalt im Freien gestärkt werden, zudem sind sie weniger Stress und Lärm ausgesetzt. Auch das Mittagessen nehmen Kinder und Erwachsene im Wald ein.

Waldkindergärten finden seit den 90er Jahren in Deutschland großen Anklang und stoßen auf immer mehr Interesse bei den Eltern. Mittlerweile gibt es schätzungsweise 300 Waldkindergärten.