Kehrmaschinen zu schwer für Brücken-Bürgersteige

Martin Weiske
Alltag an der Fuhrparkbrücke: Streckenwärter Dennis Wiebusch muss die Kehrmaschine verlassen und den Bürgersteig per Hand fegen.
Alltag an der Fuhrparkbrücke: Streckenwärter Dennis Wiebusch muss die Kehrmaschine verlassen und den Bürgersteig per Hand fegen.
Foto: Michael Kleinrensing
  • 160 Brücken in Hagen müssen per Hand gefegt werden
  • Moderne Kehrmaschinen sind zu schwer
  • Zwei Mitarbeiter für Aufgabe extra eingestellt

Hagen. Die Situation mutet schon ein wenig kurios an: Gemächlich rollt der City-Ranger, eine Kleinstkehrmaschine des Hagener Entsorgungsbetriebes (HEB), vom Betriebshof in Eckesey die Fuhrparkstraße hinauf und sorgt mit seinen rotierenden Bürsten für Sauberkeit auf dem Bürgersteig. Bis er die Kante der gleichnamigen Brücke erreicht, die mit ihren mächtigen Stahlbögen die Bahnanlagen überspannt. Hier muss HEB-Streckenwärter Dennis Wiebusch aus seinem Fahrzeug aussteigen, zum Besen greifen und nach alter Väter Sitte den Gehweg bis hinüber zur Alexanderstraße per Hand fegen. Denn für die marode Brücke ist das Fahrzeug mit einem Leergewicht von gerade einmal 950 Kilo (beladen maximal 1,5 Tonnen) zu schwer – Einsturzgefahr!

160 Objekte betroffen

Ist die Brücke gereinigt, kehrt der HEB-Mitarbeiter zu seinem Fahrzeug zurück, steuert vom Trottoir herunter, überquert auf der Fahrbahn, die auch vom fließenden Verkehr genutzt wird, die Gleisanlagen und setzt am anderen Brückenende seinen Job mit dem Gerät auf dem Bürgersteig fort. Ein im 21. Jahrhundert eher absurd anmutendes Procedere, doch in Hagen angesichts der kritischen Qualität der Brückenbauwerke bittere Realität.

Und alles andere als ein Einzelfall: Im gesamten Hagener Stadtgebiet darf der HEB die Brückenbauwerke inzwischen nicht mehr mit seinen maschinellen Helferlein säubern. In der Summe sind dies immerhin 160 Objekte, darunter 60 in geschlossener Ortslage, die in den regelmäßigen Reinigungszyklus eingebunden sind: ein- bis zweimal im Monat kehren und bei Schneefall sofort räumen.

Es war vor allem eine Frage der Effizienz, als Detlef Liedke seinerzeit entschied, für die Reinigung der Hagener Bürgersteige so genannte Kleinstkehrmaschinen anzuschaffen. „Unter dem allgemeinen Konsolidierungsdruck waren auch wir gezwungen, Personal abzubauen und haben uns im Gegenzug für diese Investition entschieden, um unseren Reinigungsauftrag adäquat erledigen zu können“, erläutert der Bereichsleiter technische Dienst beim Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) diese Investition in die Zukunft.

Doch dann kam die Ernüchterung: Vor knapp zwei Jahren wurden seine Mitarbeiter von Kollegen des Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH) dabei beobachtet, wie sie sich mit einer Kleinstkehrmaschine über den Bürgersteig die Fuhrparkbrücke bewegten. Für die Brückenprofis ein nicht mehr zu tolerierendes Risiko. Die seitlich herauskragenden Gehwege bringen offenkundig nicht mehr die notwendige Tragfähigkeit für die orangefarbenen Fahrzeuge mit. Bei manchen Konstruktionen ist die Statik auch gar nicht darauf ausgelegt, sie mit schweren Kehrmaschinen zu befahren.

Für Fußgängerlasten ausgelegt

„Als diese Brücken konstruiert wurden, gab es diese Maschinen noch nicht“, erläutert Matthias Hegerding, beim Wirtschaftsbetrieb Hagen Leiter des Fachbereichs Bauen. Sie sind für normale Fußgängerlasten ausgelegt, also 250 bis 500 Kilo pro Quadratmeter. „Bei den Kehrmaschinen mit ihrem kurzen Radstand entstehen auf kleinstem Raum ganz andere Punktlasten“, verweist er darauf, dass durch die aktuelle Brückenproblematik sich lediglich verschärft habe. „Wir müssen hier noch für jedes Objekt eine Einzelfallbetrachtung vornehmen.“

„Für uns bedeutet das, dass wir wieder zwei Extra-Mitarbeiter einstellen mussten, um die Aufgaben erledigen zu können“, beschreibt Liedke die Konsequenzen für den HEB. Jeder Bürger könne sich sicherlich vorstellen, dass es jetzt wieder deutlich länger dauere, beispielsweise am Autobahnzubringer (oberhalb vom Landgericht) wieder alle Fußgänger- und Straßenbrücken per Hand zu fegen, als mal eben mit einer Kleinstkehrmaschine darüber zu fahren. Die damit einher gehenden Mehrkosten werden für diese Service-Leistung dem WBH in Rechnung gestellt.

Zumindest konnte Liedke es organisieren, dass der angeschaffte Kehr-Fuhrpark jetzt nicht unausgelastet auf dem Betriebshof stehen bleibt: „Die Fahrzeuge kommen jetzt bei Gewerbekunden zum Einsatz. Davon haben wir inzwischen mehr als vorher.“