Kapitulation

Dieses „Guten Morgen“ müsste eigentlich „Schlechten Morgen“ heißen. Dieser Morgen ist einer, an dem man als Journalist eine tiefe innere Leere verspürt.

Jahrelang hat uns das verlustreiche Zinswetten-Desaster der Stadt beschäftigt. Wir haben aufgeklärt. Wir haben komplexe Derivatgeschäfte zu erläutern versucht. Wir haben – ohne Wirkung – die Frage nach den Verantwortlichen gestellt. Und wir haben eine teure und erfolglose Juristerei begleitet.

Jetzt kapitulieren wir. Auch vor jenen Politikern aus Reihen der großen Parteien, die lange Jahre ein ernsthaftes Interesse an Aufarbeitung vermissen ließen und sich letztlich durchgesetzt haben.

Der Rat hat sich jüngst dagegen ausgesprochen, einen angesehenen Juristen damit zu beauftragen, nach einem letzten Strohhalm zu greifen. Zu groß schien das Kostenrisiko. Und jetzt hat auch die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass keine Anhaltspunkte für Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank wegen einer abgesprochenen Falschaussage im Prozess gegen die Stadt vorliegen.

Aktendeckel zu. Die Verlierer sind eine völlig überschuldete Kommune und ihre Bürger. Der Gewinner: die Deutsche Bank, die Land auf Land ab in Zinswetten-Prozessen unterliegt. Nur nicht gegen Hagen.

 
 

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