Kampf aus Elsey gegen Delfinarium in Duisburg geht weiter

Elsey/Duisburg..  Es ist eine Auseinandersetzung über 75 Kilometer hinweg. Denn von Elsey aus kritisiert Jürgen Ortmüller, selbstständiger Steuerberater und Geschäftsführer des Wal- und Delfinschutz-Forums (WDSF), einmal mehr die Zucht von Delfinen im Duisburger Zoo. Und von dort kommt einmal mehr die Replik von Dr. Kerstin Ternes, Leitende Tierärztin des Zoos und Kuratorin des Delfinariums. Man hat sich sogar schon persönlich getroffen, miteinander gesprochen. Doch inzwischen läuft die Auseinandersetzung auf Distanz. „Die Fronten sind dermaßen verhärtet. Das Gespräch macht keinen Sinn mehr“, sagt die Tierärztin.

Aktueller Anlass ist der Tod eines Delfinbabys im Duisburger Zoo Anfang des Jahres. Es werde auf Teufel komm raus gezüchtet, so der Vorwurf von Ortmüller. Sobald die Weibchen geschlechtsreif seien, würden sie häufig in andere Delfinarien transportiert. Außerdem: „In Duisburg liegt die Sterberate der Nachzuchten bei circa 75 Prozent“, schätzt Ortmüller. „Da kann man nicht von nachhaltiger Zucht sprechen.“

Tierärztin Dr. Kerstin Ternes widerspricht: In 50 Jahren habe der Duisburger Zoo genau zwei Delfin-Weibchen in den Nürnberger Zoo abgegeben. Es werde auch nicht ständig gezüchtet. Vielmehr seien die Delfin-Weibchen drei Jahre nicht gedeckt worden, nachdem es im Jahr 2011 drei Jungtiere gegeben habe.

Und die Sterberate bei den Nachzuchten? „In der freien Natur liegt die Sterbrate beim Nachwuchs bei 50 Prozent. In dieser Statistik sind aber die häufigen Fehlgeburten bei Delfinen nicht aufgeführt“, so Dr. Kerstin Ternes. „Wir hingegen müssen darüber genau Buch führen. So entsteht die hohe Quote.“

Zuletzt war im August 2015 ein Delfinbaby im Duisburger Zoo gestorben. Ortmüller hat recherchiert, dass der Zoo dem Muttertier Pepina an 13 Tagen der Schwangerschaft Antibiotika wegen eines Hustens verabreicht habe. „Das halte ich für sehr bedenklich.“ Für die Duisburger Tierärztin hingegen ein notwendiger Schritt: „Das Tier hatte eine erhöhte Zahl von weißen Blutkörperchen. Das deutet auf eine Entzündung hin. Natürlich behandeln wir in so einem Fall auch ein trächtiges Tier, um die Mutter nicht zu gefährden.“ Und noch eine Konfliktlinie gibt es: Im Oktober 2014 hatte das WDSF ein Urteil gegen den Duisburger Zoo erwirkt, dass dieser verpflichtet sei, fortlaufend die tiermedizinischen Berichte der Delfine zu veröffentlichen. Jürgen Ortmüller kritisiert, dass der Pflicht entweder nur unzureichend nachgekommen werde oder aber die Tiere vernachlässigt worden seien. Denn Ultraschalluntersuchungen bei Delfin-Dame Daisy, deren Junges zum Jahresbeginn gestorben war, seien nicht vermerkt gewesen. Und auch hier wieder der Konter aus Duisburg: Das Urteil verpflichte nur dazu, die Behandlungen zu veröffentlichen, nicht aber die Untersuchungen. Dr. Kerstin Ternes: „Wir veröffentlichen bereits mehr als wir eigentlich müssten, zum Beispiel Futtermengen. Eigentlich nur für Herrn Ortmüller, weil sich das sonst keiner anschaut.“

Nachzuchtverbot gefordert

Auch das Dach des Delfinariums ist für Jürgen Ortmüller ein Problem. „Das lässt sich nicht öffnen, das ist ein Verstoß gegen die Haltungsrichtlinien.“ Die Leitende Tierärztin entgegnet: „Die Bauarbeiten laufen noch, sie haben sich ein wenig verzögert. Aber das Dach wird in Kürze zu öffnen sein.“

Und so folgt noch weiter Rede und Gegenrede. Eigentlich, so Dr Kerstin Ternes, freue man sich ja über konstruktive Kritik: „So entwickeln sich unsere Zoos ja weiter.“ Doch hier wird es wohl ein Streit auf Distanz bleiben. Denn der Elseyer Jürgen Ortmüller bleibt dabei: „Ich möchte, dass die Delfinarien geschlossen werden.“ Und wenn es dazu nicht komme, müsse es zumindest ein Nachzuchtverbot geben.

 
 

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