Ist Pandora Modeschmuck? Juwelier streitet gegen Ansiedlung

Die Schaufenster künden schon von der neuen Pandora-Filiale in der Volme-Galerie.
Die Schaufenster künden schon von der neuen Pandora-Filiale in der Volme-Galerie.
Foto: WP Michael Kleinrensing
In Hagen muss die Justiz entscheiden, ob die Armbänder hochwertiger Schmuck sind. Ein ansässiger Händler wehrt sich gegen eine Pandora-Filiale.

Hagen.. Hunderttausende Menschen dürften sie an ihren Handgelenken tragen: Armbänder der Marke Pandora, die mit Schmuck-Elementen, so genannten Charms, selbst zusammengestellt werden können. Jetzt könnte sich ausgerechnet in Hagen entscheiden, wie dieses Erfolgsprodukt einzuschätzen ist: Handelt es sich um hochwertigen Schmuck oder lediglich um Modeschmuck?

Die Frage könnte vor Gericht landen, weil sich ein Hagener Schmuckhandel gegen die Ansiedlung von Pandora in der Volme-Galerie wehrt. Nader Tanha, Geschäftsführer der Imtex-Warenhandels GmbH, die das Geschäft „Juwelier Goldrichtig“ im Erdgeschoss des Einkaufszentrums betreibt, sieht darin einen Verstoß gegen seinen Mietvertrag. In dem wird ihm ein Konkurrenz- und Sortimentsschutz garantiert.

Gutachten: Kein Modeschmuck

Und zwar Schutz vor weiteren Anbietern von hochwertigem Schmuck und Uhren. Als solchen betrachtet Tanha die Produkte von Pandora aber. Denn er schätzt durchaus die Arbeit des Unternehmens, mit dem er sich jetzt strittig auseinandersetzen muss. „Ich hatte die Pandora-Armbänder ja selbst im Programm“, sagt Tanha.

Und nie war es für ihn reiner Modeschmuck, auch wenn die Armbänder äußerst populär sind. „Man muss ja nur auf die Preise schauen. Je nachdem, wie viele Charms in welcher Qualität man kauft, gibt man mehrere Hundert Euro aus.“

Unter Modeschmuck versteht er „Beiware“, wie sie auch in anderen Geschäften in der Hagener Volme-Galerie verkauft wird. Für ihn ist das keine Konkurrenz, in Pandora, die in Kürze im früheren Modegeschäft Biba im Erdgeschoss eröffnen wollen, sieht er diese schon. Nicht aber so die Volme-Galerie. In dem Mietvertrag mit Pandora wird nach Informationen unserer Zeitung explizit Modeschmuck als Verkaufsgegenstand in der Filiale benannt.

Richter: Keine Aussicht auf Erfolg

Tanha hat versucht, sich dagegen juristisch zu wehren. Doch bislang noch nicht erfolgreich. Die einstweilige Verfügung, die er vor dem Hagener Landgericht erwirken wollte, hat er letztlich wieder zurückgezogen. Der Vorsitzende Richter hatte deutlich gemacht, dass diese keine Aussicht auf Erfolg gehabt hätte. Zum einen wegen eines Fristversäumnisses, zum anderen aber, weil das Gericht erst sehen will, was Pandora denn tatsächlich in Hagen anbieten wird.

Sollte es, wie Tahna erwartet, mehr als Modeschmuck sein, dann will die Imtex-Warenhandels GmbH erneut gegen die Betreiber der Volme-Galerie vor Gericht ziehen. Denn er fürchtet dann deutliche Umsatzeinbußen und den Verlust von Arbeitsplätzen. Das Unternehmen sieht sich für einen möglichen Prozess gewappnet, hat bei der Gelsenkirchener Gutachterin Susanne Pirsig eine Expertise in Auftrag gegeben. Das Fazit in dem zehnseitigen Gutachten: „Beim Produktsortiment der Firma Pandora handelt es sich nicht um Modeschmuck.“ Der Schmuck gehöre „zum höherwertigen Sortimentsbereich der Schmuckbranche, zur so genannten Juweliersware“.

Zum vollständigen Bild gehört auch die Vorgeschichte in der Beziehung zwischen der Imtex-Warenhandels GmbH und der Volme-Galerie. Die Firma betreibt weitere Geschäfte in Lüdenscheid, Langenfeld und Plettenberg, hatte bis vor kurzem auch noch zwei Ladenlokale in der Volme-Galerie mit einer preislich etwas unterschiedlichen Ausrichtung. Mit einem der Läden ist man umgezogen in die Rathaus-Galerie, dem großen neuen Konkurrenten der Hagener Volme-Galerie. Der Mietvertrag in der Volme-Galerie läuft noch bis 2019. Und Imtex will diesen auf jeden Fall auch einhalten, gerne auch noch einmal verlängern.

Mietminderung als Kompromiss

Geschäftsführer Tanha ist auch zu einem Kompromiss bereit: Wenn die Miete reduziert würde, um seine von ihm erwarteten Einnahmeeinbußen zumindest zu kompensieren, will er Pandora auch mit mehr als mit Modeschmuck akzeptieren.

Gegenüber unserer Zeitung wollte sich die Volme-Galerie nicht äußern: Zu „mietvertraglichen Angelegenheiten“ könne man keine Angaben machen. Und auch Pandora will keine Stellung nehmen.

EURE FAVORITEN