Ist Angeklagter ein möglicher Serientäter?

Hagen.. Er ist als der Prostituierten-Mörder von Hagen angeklagt. Doch vor Gericht wirkte Abbas Kassem F. stets so, als glaubte er sich dem Freispruch näher als der Verurteilung zu lebenslanger Haft. Jetzt wendete sich das Blatt.

Der Libanese bekam einen knallroten Kopf, sein Blick wanderte nervös und ziellos hin und her, als der Vorsitzende Richter Dr. Frank Schreiber überraschend verkündete: Der Angeklagte könne auch für eine weitere, ganz ähnliche Tat in Dortmund verantwortlich sein. Dort war eine schwarzafrikanische Prostituierte überfallen, gewürgt und ausgeraubt worden – Beute: 800 Euro. Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer hob gestern hervor: „Es gibt eklatante Übereinstimmungen zwischen den beiden Fällen.“

Ein DNA-Abgleich wieß auf Abbas Kassem F. hin

Rückblende: Am 24. Januar wurde die hübsche Nigerianerin Eunice Okojie (24) getötet in einem Bordellzimmer an der Düppenbecker Straße 7 gefunden. „Lisa“, wie sie sich als Prostituierte nannte, lag bäuchlings auf ihrem Bett, lediglich mit einem Büstenhalter und einem Schlüpfer bekleidet. Ihre Hände waren auf dem Rücken mit einem Stoffschal zusammengeknotet, um den Hals baumelte ein stramm gezogener Ledergürtel, mit dem ihr die Luft abgeschnitten worden war.

Auf die Spur von Abbas Kassem F. sind die Ermittler wenig später über einen DNA-Abgleich gekommen. Der in Lüdenscheid lebende Mann hatte vor Jahren eine Spielhalle überfallen und war deshalb in die Bundeskartei mit den genetischen Fingerabdrücken aufgenommen worden. Die verräterischen DNA-Partikelchen des Angeklagten klebten an den Fesselungs- und Mordwerkzeugen des Opfers - am Schal und am Ledergürtel.

Ein möglicher Serientäter?

Doch der Libanese bestreitet die Tat. Zwar sei er bei der Hagener Dirne im Zimmer gewesen, habe sich mit ihr nur gestritten und sie geschlagen, doch getötet habe er sie nicht.

Seit gestern liegen offiziell neue Erkenntnisse vor: Auch im Dortmunder Bordell an der Linienstraße war es zu einem Angriff auf eine schwarzafrikanische Prostituierte gekommen - am 3. Oktober letzten Jahres, um 7.10 Uhr morgens. Die 26-Jährige war von einem zunächst unbekannten Freier gewürgt worden. Er warf sie auf den Boden, versuchte sie noch zu fesseln. Die Prostituierte stellte sich tot - und überlebte wohl nur deshalb.

Das Kondom, das der Täter in Dortmund hinterließ, wurde jetzt untersucht. Die Überraschung: Auch hierin die DNA von Abbas Kassem F. - ein möglicher Serientäter?

„Wir prüfen das jetzt mit Hochdruck“, sagt Rahmer, „um eine mögliche tickende Zeitbombe rechtzeitig für immer zu entschärfen.“

 
 

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