Investoren küssen Haus der Ruhrkohle wach

Das Haus der Ruhrkohle steht seit zehn Jahren leer. Jetzt hat es eine Perspektive.
Das Haus der Ruhrkohle steht seit zehn Jahren leer. Jetzt hat es eine Perspektive.
Foto: WP
Investoren wecken das denkmalgeschützte Haus der Ruhrkohle aus dem Dornröschenschlaf. In dem expressionistischen Gebäude soll ein Dienstleistungszentrum entstehen.

Hagen-Mitte. Bei jedem Baustellenbesuch schreitet Andreas Lohmeyer über die imposante Treppe ins Obergeschoss. Dann stellt er sich an einen der Türrahmen und streichelt mit der Hand über die Wölbungen. Es ist seine Art, eine Gefühl für den Bau zu bekommen, ihm „mit Respekt“ zu begegnen, wie er es nennt.

Es ist das Haus der Ruhrkohle im Gerichtsviertel, das der Rechtsanwalt und Notar als einer von mehreren Investoren gemeinsam aus dem Dornröschenschlaf weckt. Thomas Schmidt-Hansen, ein auf die Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden spezialisierter Unternehmer, und die Wirtschaftsprüfungskanzlei Bergefelder und Hösterey sind noch mit im Boot.

100 Jahre hat der Schlaf allerdings nicht gedauert. Zehn aber mindestens. Und eigentlich noch länger. Denn zu Zeiten, als Teile der Stadtverwaltung noch in dem expressionistischen Bau des Hagener Architekten Ernst Kohlhage residierte, schlummerte so vieles, was das Haus zu einem wahren Gesamtkunstwerk macht, hinter Rigips und unter Linoleum. „Bei so einem Bau ist man immer wieder überrascht, was man noch entdeckt“, sagt Lohmeyer, der sich selbst als wahren Ruhrgebietsenthusiasten beschreibt.

Symbol für Strukturwandel

Warum wahrscheinlich gerade dieses Gebäude besonders gut zu ihm passt. Hier hatte einst die Kohlehandelsgesellschaft Mark ihren Sitz. „Ein Zusammenschluss kleinerer Händler aus Hagen“, wie Denkmalpflegerin Ina Hanemann erklärt.

Damit wird das Haus für Lohmeyer zu einem Symbol für den Strukturwandel. „Früher Kohle, heute Dienstleistungszentrum“, sagt Lohmeyer über das Gebäude, in dem Generationen von Hagenern Mopeds und Autos zugelassen haben, als es noch Straßenverkehrsamt war. „Für mich ist das Haus ein Kleinod, an das man glauben muss. Eines, in das man Energie stecken muss, um die Stärken zu zeigen und nicht, um seine Schwächen zu kaschieren.“

Optimaler Ansatz

Die Investoren wollen vieles so lassen, wie es ist. „Und das sind uns Denkmalschützern die liebsten. Der Ansatz ist optimal“, sagt Hanemann, die um die immer wiederkehrende Diskrepanz zwischen Schutzwürdigkeit und Funktionalität weiß. „Das bedeutet auch in diesem Fall manchmal lange Diskussionen. Aber es sind gute Gespräche, an deren Ende Lösungen herauskommen, mit denen beide Seiten leben können.“ Oder: „Es gibt einen natürlichen Interessenkonflikt“, wie Lohmeyer sagt, „aber ein gemeinsames Ziel. Es macht mich stolz, dass ich als Investor dabei mitgestalten kann.“

Im Dezember dieses Jahres soll das Haus der Ruhrkohle bezugsfertig sein. Übrigens auch die Räume in den Obergeschossen, die über ein separates Treppenhaus mit Fahrstuhl zu erreichen sind. Hier sollen sich nach dem Willen der Investoren junge Unternehmer ansiedeln und austauschen.

 
 

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