Invasion der Marienkäfer

Die Marienkäfer haben durch ihr massenhaftes Auftreten für Aufmerksamkeit gesorgt.
Die Marienkäfer haben durch ihr massenhaftes Auftreten für Aufmerksamkeit gesorgt.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Oktobersonne lockt Marienkäfer massenhaft aus Winterquartieren hervor
  • Asiatische Art ist für das Phänomen verantwortlich
  • Tiere gelten wegen ihres Appetits auf Blattläuse als nützlich

Hagen..  So mancher Hagener mag an den vergangenen zwei Tagen das Gefühl gehabt haben, es regne Marienkäfer von Bäumen und Dächern: Die gepunkteten Krabbeltiere haben sich von der Oktobersonne massenhaft aus ihren Winterquartieren hervorlocken lassen und Hauswände, Balkongeländer und Fensterbretter bevölkert. „Die Tierchen haben sich noch einmal aufwärmen können, und jetzt geht hier die Post ab“, schilderte Ralf Blauscheck, Leiter der Biologischen Station Hagen, die Käfer-Invasion.

Zwar haben angesichts der gestiegenen Temperaturen auch andere Insekten ihre Winterruhe unterbrochen, doch die Marienkäfer übertreffen alle durch ihre schiere Anzahl. Dabei handelt es sich nicht einmal um eine heimische Art, denn für das scharenweise Auftreten sind fast ausschließlich asiatische Marienkäfer verantwortlich. Sie wurden zur biologischen Schädlingsbekämpfung nach Mitteleuropa gebracht, um in Gewächshäusern Jagd auf Blattläuse, ihre bevorzugte Nahrung, zu machen. „Bald darauf sind sie ausgebüxt und haben sich in der Natur verteilt“, so Blauscheck.

Von den heimischen Arten, unter den besonders der Siebenpunkt-Marienkäfer bekannt ist, unterscheiden sich die Neuankömmlinge durch Appetit und Fortpflanzungsfreudigkeit. Nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) schafft der Siebenpunkt gut 50 Blattläuse am Tag und zeugt einmal pro Jahr Nachwuchs, während der asiatische Verwandte das Fünffache vertilgt und bis zu vier neuen Generationen das Leben schenkt. Die Bestände alteingesessener Käfer sind durch die Konkurrenz hierzulande bereits deutlich zurückgegangen. „Das ist ja das Erschreckende an der Globalisierung, dass heimische Arten zurückgedrängt werden“, bestätigt Blauscheck.

Hoffen auf den Frühling

Und anders als die europäischen Arten, die frostsicher im Erdboden überwintern, sind die asiatischen Käfer Fels- und Fassadenbewohner, in die bei warmem Wetter schnell wieder Leben kommt. Häufig dringen sie dabei in Wohnungen ein, weswegen sie in den Vereinigten Saaten „Halloween-Ladybirds“ genannt werden. Auch einige Hagener machten jetzt mit diesem Phänomen Bekanntschaft: „Bei mir in der Wohnung waren mindestens 50 Käfer“, so Hasan Polat. Und Katrin Adamiok fügte hinzu: „Ich hatte in der Wohnung sechs Käfer, habe sie aber gleich wieder raus gelassen.“

Schädlich oder gar gefährlich sind die Käfer nicht. Wenn sie lästig sind, kann man sie mit dem Handkehrer einsammeln und draußen aussetzen. Sobald es wieder kälter wird, erledigt sich das Problem von allein, dann suchen die Käfer ganz schnell ein neues Winterquartier – in der Hoffnung, dass sie den kommenden Frühling erleben dürfen.

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