Inszenierung ohne Effekte

Es war 23.17 Uhr, als Oberbürgermeister Erik O. Schulz am Donnerstagabend die Ratssitzung schloss. Mehr als acht Stunden hatten sich die Fraktionen beharkt, belauert und bezichtigt. Nicht etwa, dass Brisantes auf der Tagesordnung gestanden hätte. Nicht etwa, dass die inhaltlichen Gräben unendlich tief erschienen wären. Meist reichte nur ein politischer Funke aus, dass moderate, vernunftbegabte Diskutanten von Scharfmachern, Ideologen und Demagogen – gerne abseits relevanter Sachargumente – sich verbal vorführen lassen mussten.


Politik zum Abgewöhnen für die Zuhörerschaft auf der Bürger-Tribüne. Während die Gäste flüchten konnten, tauchten die zum Verbleiben gezwungenen Hinterbänkler der Fraktionen mit ihren Tablet-Computern alternativ in die Live-Stream-Übertragungen der Schalke- und BVB-Euroleague-Partien oder auf Shopping-Kanälen ab. Allemal spannender als die inszenierten Scharmützel um Petitessen, bei denen der inhaltliche Dissens nur deshalb entstand, weil in Fachausschüssen längst einstimmig Geklärtes durch Blitzanträge plötzlich torpediert wurde. Eine Diskussionskultur wie in einer Bananenrepublik.


Effekthascherei auf Kosten fundierter Auseinandersetzung. Ein Parlament, bei dem zehn politische Schattierungen mit Priorität darauf bedacht sind, wahrgenommen zu werden, unterstreicht permanent seine Arbeitsunfähigkeit. Profilschärfung über Verhaltensauffälligkeit – der Hagener Rat verkommt zu einer niveaubefreiten Palaverbude. Traditionell hat der OB nach der Dezember-Sitzung zum adventlichen Miteinander eingeladen: Beim aktuellen Rhythmus wird es diesmal ein Frühstück zum Wundenlecken.

 
 

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