Infraschall ignoriert Hindernisse

Infoveranstaltung zur Windenergie im Werkhof mit Prof. Dr. Detlef Krahé.
Infoveranstaltung zur Windenergie im Werkhof mit Prof. Dr. Detlef Krahé.
Foto: WP

Hohenlimburg..  Es war eine Veranstaltung von hoher wissenschaftlicher Qualität, die deutlich gemacht hat, wie komplex das Thema Windenergie und insbesondere das Thema Infraschall ist. Macht saubere Windenergie krank? Diese Frage wird von Prof. Dr. Detlef Krahé eindeutig beantwortet. „Ja.“ Aber wie sieht es um die Beweisbarkeit dieser These aus. „Tiefenfrequenzen sind nicht so einfach zu messen“, versicherte Prof. Krahé am Donnerstagabend im Kulturzentrum Werkhof (diese Zeitung berichtete bereits).

Die Werte in Gutachten zur Erteilung von Genehmigungen werden errechnet und nicht gemessen. Dieses Verfahren sei, insbesondere bei den neuen Anlagen, sehr fraglich. Denn die Gutachter gingen mit ihren Berechnungsprogrammen von bodennahen Quellen und von einem ebenen Gelände aus. Die neuen Anlagen seien aber 200 Meter hoch und das Gelände, wie in Hohenlimburg, häufig hügelig oder bergig. Die im Werkhof präsentierte Simulation, wie tiefenfrequenter Schall in Häuser eindringt und alle „Hindernisse“ ignoriert (Krahé: „Auch Doppelfenster sind keine Dämmung bei tiefenfrequentem Schall“), stimmte die Besucher nachdenklich.

Neue Berechnungsmodelle

Aber der Wuppertaler Professor zeigte bei der Berechnung von WEA-Immissionen auch Fortschritte auf: „Es gibt jetzt international neue Berechnungsmodelle, die auch neue Ergebnisse liefern.“

Eines machte er aber, wie berichtet, auch deutlich. „Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Wahrnehmung von Lärm. Deshalb haben unterschiedliche Personen auch unterschiedliche Toleranzgrenzen.“ So fühlen sich fünf Prozent der Bevölkerung nach seinen Erkenntnissen sehr stark durch Infraschall belastet. „Diese Bürger zählen wohl nicht“, sagte der Referent mit einer gewissen Portion Sarkasmus. Ein Seitenhieb auch in Richtung Hagener Verwaltung, die bei der Bürger-Info in der Ricarda-Huch-Schule das Auftreten von Infraschall in Abrede gestellt hatte.

Gerhard Artinger, von der Bürgerinitiative „Gegenwind-bargteheide“ aus Schleswig-Holstein angereist, bescheinigte Prof. Krahé eine außerordentliche Kompetenz. „Dieses Thema Infraschall ist äußerst schwierig. Es ist auch schwierig, die Leute dafür sensibel zu machen. Diese muss man jedoch im Vorfeld mobilisieren, bevor 200-Meter-Anlagen gebaut werden. Dann ist es zu spät.“

Neues Gutachten Ende Oktober

Ende Oktober erwartet der heimische Naturschutzexperte Ralf Blauscheck für Hagen die Ergebnisse der Artenschutzprüfung II. „Diese müssen wir kritisch hinterfragen“, warnte er davor, das neue Gutachten zu unkritisch zu übernehmen. „Diese wird sicherlich viele neue Erkenntnisse über die Standorte der verschiedenen Tierarten liefern.“ Eines machte er zum Abschluss seines Vortrages nachhaltig deutlich: „Der Naturschutzbund Deutschland (NaBu) ist gegen jede neue Anlage.“

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