In einem Jahr 1700 Ausländer in Hagen mehr

In speziellen Sprachklassen werden an der Erwin-Hegemann-Schule Flüchtlingskinder unterrichtet.
In speziellen Sprachklassen werden an der Erwin-Hegemann-Schule Flüchtlingskinder unterrichtet.
Foto: WP
Die Zahl der Ausländer in Hagen ist innerhalb eines Jahres um 6,5 Prozent gestiegen. Gründe sind der Zuzug aus Südosteuropa und Flüchtlinge aus Kriegsgebieten.

Hagen.. In Hagen leben immer mehr Ausländer. Allein im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Hagener, die keinen deutschen Pass besitzen, um fast 1700 Menschen gestiegen. Wohnten Ende 2013 noch 26.189 Ausländer in Hagen, so waren es ein Jahr später 27 883. Das geht aus einer Auflistung hervor, die das statistische Landesamt (Information und Technik Nordrhein-Westfalen) jetzt vorgelegt hat. Während landesweit die Zahl der Ausländer um 5,7 Prozent auf jetzt 2,074 Millionen gestiegen ist, liegt der Faktor in Hagen sogar bei 6,5 Prozent.

Die meisten Ausländer in Hagen haben nach wie vor einen türkischen Pass. 7601 Türken leben in Hagen. Das sind 108 weniger als vor einem Jahr. Was nicht zwangsläufig mit Abwanderung zu tun haben muss, sondern auch an Einbürgerungen liegen kann. Zugenommen hat im letzten Jahr vor allem die Zahl der Rumänen (+580), Polen (+251) und Bulgaren (+240), Italiener (+128) und Spanier (+65). „Grundsätzlich sehe ich Zuwanderung in unsere Stadt positiv“, so Margarita Kaufmann, Dezernentin für Soziales. „Menschen, die aus EU-Ländern zu uns kommen, sind häufig jung, haben hier Arbeit gefunden und wollen Familien gründen.“

Viele Probleme

Gleichwohl weiß Margarita Kaufmann auch um die Probleme, die zum Teil mit der Zuwanderung verbunden sind. „Man muss mit Pauschalisierungen sehr vorsichtig sein“, so die Dezernentin, „aber es gibt unter den Zuwanderern große Familien mit vielen Kindern, die sich mit unseren Gewohnheiten sehr schwer tun. Das beginnt schon beim Schulbesuch. Wenn Kinder auf ihre Geschwister aufpassen müssen anstatt zu lernen, ist das bedenklich.“

Sozialarbeiter seien an dieser Stelle gefordert. Und offenbar wesentlich mehr, als die Stadt und Wohlfahrtsverbände derzeit beschäftigen. „Am Ende bleibt die Frage, wer das bezahlen soll“, so Kaufmann mit Blick auf die eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten der Kommune. „Wir können nur immer wieder an das Land appellieren, Städte wie Hagen mit diesen Problemen nicht allein zu lassen.“

Immerhin: 311.000 Euro sind bereits nach Hagen geflossen. Geld aus dem Soforthilfe-Topf des Bundes, das bislang an der Stadt vorbei ins Ruhrgebiet nach Duisburg, Gelsenkirchen oder Dortmund geflossen ist. „Uns ist es erstmals gelungen, in der Statistik die zunehmende Zuwanderung aus den EU-Staaten nach Hagen deutlich zu machen“, so Rainer Goldbach, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales, der allerdings auch anmerkt: „Unsere Beratungssysteme sind auf die Menge an Zuwanderern, die Hagen erreicht, nicht ausgerichtet.“

Fehlender Impfschutz

Neben den zunehmenden Flüchtlingsströmen aus den Kriegs- und Krisengebieten bereitet dem Fachbereich vor allem die Zuwanderung aus Südosteuropa Arbeit: „Das beginnt schon mit dem Nachweis des Krankenversicherungsschutzes im Herkunftsland“, so Goldbach, „Unterlagen sind oft nicht oder nur unvollständig vorhanden. Die Sozialsysteme funktionieren in den neuen EU-Staaten nicht wie bei uns. Hinzu kommen Sprachprobleme. Bei notwendigen medizinischen Behandlungen ist die Kostenübernahme unklar.“ Hinzu kommt häufig ein fehlender Impfschutz bei den Kindern vor der Einschulung bzw. dem Besuch einer Kindertagesstätte. „Da fehlen auch ärztliche Kapazitäten.“

 
 

EURE FAVORITEN