In der Donnerkuhle soll es in die Tiefe gehen

Der Steinbruch in der Donnerkuhle kann nach Einschätzung der Verwaltung erweitert werden. Entscheiden muss der Rat.
Der Steinbruch in der Donnerkuhle kann nach Einschätzung der Verwaltung erweitert werden. Entscheiden muss der Rat.
Foto: Hans Blossey

Hagen.. Als vor fast zehn Jahren die Umweltverwaltung geschaut hat, wie genau ein Planfeststellungsverfahren abzulaufen hat, haben viele der Mandatsträger noch nicht daran gedacht, dass sie einmal gewählte Mitglieder im Rat der Stadt Hagen sein werden. Jetzt müssen sie sich mit der Zukunft des Steinbruchs der Firma Rheinkalk in der Donnerkuhle beschäftigen. Zu erwarten ist, dass sich eine Mehrheit dafür ausspricht, eine Entscheidung bis zur nächsten Ratssitzung im Oktober aufzuschieben.

Zu umfangreich sind die Unterlagen, die die Verwaltung dieser Tage präsentiert. Und zu komplex die Thematik. Deshalb wollen sich auch Fachpolitiker wie Hildegund Kingreen (Grüne), die Vorsitzende des Umweltausschusses, in der Sommerpause intensiv mit der Vorlage beschäftigen. Aber: „Ich fürchte, viele Mandatsträger wollen blind zustimmen. Ich wundere mich über die Sorglosigkeit.“

Dabei hat die geplante Steinbrucherweiterung in den vergangenen Jahren für Sprengstoff gesorgt. Stand bei den zum Teil heftigen Diskussion zunächst durch die Ausdehnung des Steinbruchs in die Fläche hinein die Gefährdung eines Kalkbuchenwaldes im Fokus, so rückte Rheinkalk im Jahr 2008 von diesen Plänen ab. Stattdessen will das Unternehmen auf dem bestehenden Areal tiefer graben. Und zwar bis 42 Meter über normal Null, was rund 70 Meter unterhalb des Lenneniveaus bedeutet. Damit steht bei Skeptikern nun die Sorge um das Grundwasser im Mittelpunkt. „Ein strenges Monitoring ist auf jeden Fall erforderlich“, spricht sich Kingreen mit Blick auf regelmäßige Kontrollen der Brunnen aus.

2,5 Millionnen Tonnen pro Jahr

Immerhin 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr darf Rheinkalk pro Jahr abbauen, wenn der Beschluss durchgeht. Enden dürften die Grabungen frühestens im Jahr 2028.

Dafür wollte Rheinkalk 6 Millionen Kubikmeter Wasser im Maximum aus dem Steinbruch im Jahr abpumpen. Ein Ergebnis der Planfeststellung: Diese Menge wird auf 4,7 Millionen Kubikmeter begrenzt und darf nur unter bestimmten Umständen überschritten werden. „Damit“, so sagt Dr. Ralf-Rainer Braun, Leiter des Umweltamtes, „pumpt Rheinkalk nicht mehr ab als derzeit auch schon.“

Grundwasser-Monitoring

Das Unternehmen erhält die Auflage, durch Gutachter ein sogenanntes Grundwasser-Monitoring zu betreiben. An elf Messstellen (zahlreiche im Lennetal aber auch am Hohenhof und im Wasserlosen Tal) wird der Pegel kontrolliert. „Unregelmäßigkeiten würden sofort festgestellt“, sagt Braun. Und hätten Konsequenzen bis hin zum Stopp des Abbaus.

Dabei geht es auch um die Frage, ob Grundwasser aus dem Bereich der Lenne in Richtung Steinbruch läuft. „Geologen glauben nicht, dass dieser Fall eintritt“, sagt Ralf-Rainer Braun, „aber wir reden hier über Wahrscheinlichkeiten.“

Chance für FFH-Gebiet

Eine Chance sieht die Umweltverwaltung auch für den ausgetrockneten Barmer Teich. Warum das Gewässer im geschützten FFH-Gebiet (Fauna, Flora, Habitat) brach liegt, ist umstritten. Klimatische Faktoren mögen eine Rolle spielen. Allerdings sehen Skeptiker wie Professor Hinrich Rahmann, Mitglied des Landschaftsbeirats, die Tiefengrabungen im nahen Steinbruch als Ursache. Im Planfeststellungsbeschluss ist nun festgehalten, dass der Teich an der Bundesstraße 7 über eine Pumpe bis zu einem bestimmten Pegel mit Karstwasser gespeist wird. Die Entwicklung des Hangschluchtwaldes mit dem seltenen Hirschzungenfarn wird überwacht. In den ersten drei Jahren jährlich, danach alle drei Jahre einmal. „Durch diese Verpflichtung kann es gelingen, den Barmer Teich aus allen Konflikten herauszubekommen“, hofft Dr. Ralf-Rainer Braun.

Nach der Entscheidung des Rates wird der Beschluss der Firma Rheinkalk zugestellt und öffentlich ausgelegt. Erst danach kann Rheinkalk mit der Maßnahme beginnen. Völlig offen ist, ob Betroffene wie Umweltverbände oder auch Anwohner gegen den Beschluss vor Gericht klagen.

 
 

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