Immer mehr Rentner in Hagen Mini-Jobber

Mit der Rente wird das Leben nicht immer leichter. Zwar ist das Arbeitsleben vorrüber, doch oft reicht die Rente nicht aus, den erworbenen Lebensstandard abzusichern.
Mit der Rente wird das Leben nicht immer leichter. Zwar ist das Arbeitsleben vorrüber, doch oft reicht die Rente nicht aus, den erworbenen Lebensstandard abzusichern.
Foto: WAZ FotoPool

Hagen.. In den vergangenen zehn Jahren hat sich in Hagen der Anteil der Menschen über 65 Jahre, die sich mit einem 400-Euro-Job ihre Rente aufbessern, deutlich erhöht. „Statt eines wohlverdienten Rentenabends droht immer mehr Senioren die Altersarmut“, kritisiert Jochen Marquardt, Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaft Bundes (DGB).

Vor zehn Jahren besserte nur rund jeder 23. Hagener zwischen 65 und 74 Jahren seine Rente durch einen Minijob auf. Ende des Jahres 2010 weist die Statistik aus, dass bereits jeder 14. Hagener Rentner zwischen 65 und 74 Jahren in einem 400-Euro-Job arbeitete. Während sich die Zahl der 65- bis 74-jährigen Einwohner zwischen dem 1. März 2000 und dem 1. März 2010 nur geringfügig von 22.076 auf 22.894 änderte, stieg die Zahl der Mini-Jobber in dieser Altersgruppe im selben Zeitraum um 67 Prozent von 972 auf 1625. Ähnlich verlief die Kurve bei 400-Euro-Jobbern, die bereits älter als 75 Jahre sind. Vor zehn Jahren gab es in Hagen 111 Rentner in dieser Altersgruppe, die einer geringfügig entlohnten Beschäftigung nachgingen. Im Jahr 2010 waren es bereits 242. Hagen ist freilich kein Sonderfall. Eine ähnliche Entwicklung gibt es im Ennepe-Ruhr-Kreis, wo binnen drei Jahren die Zahl der minijobbenden Rentner um 20 Prozent anwuchs.

DGB: Keine gute Entwicklung

„Diese Zuwächse sind erheblich. Das ist keine gute Entwicklung“, sorgt sich DGB-Chef Marquardt, der vermutet, dass der weitaus größte Teil dieser Menschen notgedrungen ihre Rente aufbessern und nur wenige dieser Senioren nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben eine willkommene Abwechselung in einem 400-Euro-Job suchen. Es seien auch immer mehr ältere Frauen, die ihre karge Rente aufbessern würden. „Für viele dieser Menschen“, sagt Marquardt, „ist das mit einem Schamgefühl behaftet.“ Das direkte Umfeld – zum Teil selbst nicht die Kinder – wüssten häufig nicht, von dem 400-Euro-Job. „Diese Arbeit findet oft auch im Geheimen statt.“

Für die Zukunft fürchtet der DGB-Chef einen weiteren Anstieg solcher Beschäftigungsverhältnisse im höheren Alter. „Es wird immer mehr Rentner geben, die arbeiten müssen.“ Daran, so Marquardt, ändere auch nichts, dass in den vergangenen Jahren ältere Arbeitnehmer wieder bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Während in Hagen die Zahl der 55- bis 65-jährigen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 2000 bis 2010 von 7747 auf 10.684 anstieg, sank parallel in dieser Altersgruppe der Bestand an Arbeitslosen von 2342 auf 1454. Für Marquardt ist das kein Grund durchzuatmen: „Viele dieser Arbeitsverhältnisse sind schlecht bezahlt, andere sind Teilzeitbeschäftigungen. Die Zahl der Senioren, die ihre Rente aufbessern müssen, wird weiterhin anwachsen“, prognostiziert er.

 
 

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