Im Würgegriff der Banken

Na, wie oft mussten Sie in diesem Jahr schon über einen 30-Millionen-Euro-Deal entscheiden? Vermutlich eher selten bis gar nicht. Unsere Ratsvertreter, die den Job bekanntlich auch bloß ehrenamtlich machen, haben es jetzt getan. Zur Rettung der Enervie. Doch ob die Damen und Herren am Ende auch tatsächlich verstanden haben, was sie da taten, darf – ausdrücklich ganz ohne Häme – bezweifelt werden.


Seit Wochen und Monaten hocken in der AG-Zentrale auf Haßley von Berufs wegen kluge Unternehmensberater, Restrukturierungsasse, Zahlenhengste, Controlling-Päpste, Aufsichts- und Konsortialräte sowie Vorstände und Präsidien beieinander, um mit den Experten der um ihre Kredite bibbernden Banken die Enervie-Welt zu retten. Bis spät in die Nächte werden Zahlenkolonnen geprüft, Bilanzen gewälzt, Zukunftskonzepte kreiert, hinterfragt und oft schnell wieder verworfen.


Allein die Begleitung dieses Prozesses durch die externen Weisen verschlingt 100 000 Euro – pro Woche. Und auch die Banken lassen sich ihren Würgegriff durch Extra-Gebühren und Zusatz-Honorärchen versüßen. Am Ende wird der übersichtlich liquide Energieriese für Dienstleistungen gut neun Millionen Euro an seine Zuarbeiter überweisen. In der vagen Hoffnung, dass es sich lohnt.


Die gewählten Mandatsträger im Rat erfahren davon freilich offiziell nichts. Alles geheim, obwohl es am Ende irgendwie um Steuermillionen geht. Einzige Botschaft: Jetzt müssen 30 Millionen her, sonst droht der Gang zum Insolvenzgericht. Mit fundierten politischen Entscheidungen hat dies nichts mehr zu tun.

 
 

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