Hospital-Pläne ärgern die Anwohner

Hagen.. Die Beschlussvorlage der Verwaltung sah auf den ersten Blick aus, als ob sie mal eben so durchgewinkt würde: „Dem Rückbau des Grünbeetes und der anschließenden Wiederherstellung der Straßenoberfläche wird zugestimmt.“ Doch besagtes Grünbeet vor dem St.-Josefs-Hospital sorgte in der gestrigen Sitzung der Bezirksvertretung Mitte für jede Menge hitzige Diskussionen. Und entwickelte sich laut Bezirksbürgermeister Jürgen Glaeser letztlich gar zu einem „historischen Moment“: „Erstmals in 15 Jahren haben wir eine Verwaltungsvorlage zurückgewiesen.“

Das Altenhagener Hospital hatte beantragt, das seit Anfang der 80er-Jahre vorhandene Beet auf der Friedensstraße zurückbauen und die dortige Straßenoberfläche wiederherstellen zu dürfen. Auf eigene Kosten. Anschließend sollte auf dieser Straße dann der Anlieferverkehr für die Josef-Betriebsstätten sowie der geplanten Verteilerküche erfolgen. So weit, so gut.

Nur auf den ersten Blick eine Lapalie

Doch was auf den ersten Blick fast wie eine Lapalie erscheint, werten die Nachbarn des Hospitals vollkommen anders. Bernd Schmidt, Sprecher der Anwohner, bezeichnete die geplante Verteilerküche als „größte Ernährungsverteilungsfabrik“: „Meiner Rechnung nach sollen von dort monatlich 120 000 Essen im Monat rausgehen.“ Und das bringe einen ungemeinen Zuwachs an Lastwagen und Lärmbelästigung mit sich. Zudem seien die Container des Hospitals bereits umgestellt worden – schon jetzt sorge diese Veränderung für jede Menge mehr Lärm und Müll.

Unterstützung erhielt Schmidt von so vielen Altenhagenern, dass gestern die Stühle im Zuschauerraum im Rathaus nicht ausreichten. Schon heute könne ihre Familie aufgrund des Krachs an den Containern auch an Wochenenden höchstens bis sieben Uhr morgens schlafen, berichtete eine Bürgerin; ihre Nachbarin erzählte von zahlreichen Lkw und Kränen, die bereits rund um das Hospital stünden: „Ich habe Angst meine Kinder rauszulassen.“ Ein Hausbesitzer hatte eigens einen Vertreter aus Wiesbaden geschickt, der nachfragte, wer denn den finanziellen Ausfall übernehmen würde, wenn die Mieter aufgrund der zu erwartenden Lärmbelästigung auszögen.

Politiker wollen jetzt korrekte Informationen

Zustimmung aller Parteien erhielt Schmidt für seinen Vorwurf, dass weder die Bürger noch die Politiker korrekt über die Pläne des Krankenhauses bezüglich der Verteilerküche informiert worden seien. „Über diese Verwaltungsvorlage bin ich wirklich verärgert“, kritisierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus-Dieter Wetzel: „Es geht hier offenbar nicht um den Rückbau des Beetes, sondern um die Öffnung für den Durchgangsverkehr.“

„Erschrocken“ zeigte sich Tycho Oberste-Berghaus (FDP) – zumal das St.-Josef-Hospital offensichtlich schon mit Umbaumaßnahmen auf dem Gelände begonnen habe. Lautstarken Beifall erhielt Hildegund Kingreen (Grüne) für ihre Forderung, dass vor Ort zunächst keine weiteren Umbauten erfolgen dürften: „Ich bin schockiert, was sich hinter diesen zwei so harmlos erscheinenden Seiten verbirgt.“ Noch etwas schärfer formulierte es Jacques Kempkens, Fraktionsvorsitzender von Hagen Aktiv: „Hier muss man bald von einer arglistigen Täuschung des Krankenhauses ausgehen.“ Und selbst Stadtplaner Hans-Dieter Schumacher gestand Fehler der Verwaltung ein: „Wir sind wohl etwas leichtfertig mit dieser Anfrage umgegangen.“

Der Vorschlag Jürgen Glaesers wurde deshalb auch einstimmig angenommen: Es soll einen runden Tisch geben, an dem Vertreter der Anwohner, der Stadt- und der Krankenhaus-Verwaltung sowie aller Parteien der BV teilnehmen. Und zunächst sollen an der Friedensstraße die Bagger ruhen.

 
 

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