Hoher Herzschlag bei „Beats“

Foto: Theater Hagen /Kühle

Hagen..  Bornierte Ballett-Bagage trifft auf schrägen Rock-Hip-Hop-Haufen? Klingt nach einer zwischenmenschlichen Kakophonie erster Güte. Manchmal allerdings braucht es nur eins, um trotzdem alles in den richtigen Rhythmus zu bringen: „Beats!“

Es ist ein Mammut-Projekt ohne Vergleich, das die fünf Hagener Berufskollegs da am Samstag als Musical auf die Bühne brachten: „Beats!“, dahinter steckt die monatelange Arbeit von mehr als 150 Schülern, die bei der Premiere im Theater Hagen in drei Stunden purer Lebensfreude mündete. Gemeinsam mit den Profis vom Theater hatte das junge Team sämtliche Produktionsschritte selbst in die Hand genommen, ein Marketingkonzept entwickelt, bei Tanzproben geschwitzt, am Bühnenbild geschraubt – neben Ausbildung und Schule, bis zu viermal in der Woche.

Auch das Textbuch von Johannes M. Schatz basiert auf Vorschlägen der Schüler: Das Jugendzentrum von Altrocker Gillan soll geschlossen werden. Ein spektakuläres Konzert mit den Austauschschülerinnen aus der Partnerstadt könnte die letzte Rettung sein, wenn es da nicht ein kleines Problem gäbe: Die chaotische Truppe aus dem Jugendzentrum und ihr Schickimicki-Besuch harmonieren weder musikalisch noch menschlich. Hier Breakdance, da Ballett. Hier E-Gitarre, da Oboe. „Das ist wie Frauentausch auf RTL2 hier“, singen die Gäste mit sichtlicher Abscheu. Als das ein oder andere Pärchen trotzdem Annäherungsversuche startet, macht das die Sache bloß noch komplizierter. Lara (Lisa Gonscherowsky) glaubt, dass Sänger TC (Luc Packlidat) sie nur für eine Wette um den Finger wickeln will, Gitarristin Floh (Wioleta Czebotorowicz) traut sich nicht, Alani (Carolin Vogel) ihre Liebe zu gestehen. Wie die junge Darstellerin diese Gefühle in die Ballade „Nicht anders als du“ packt, ist einer der gesanglichen Höhepunkte einer ohnehin nicht zu überschätzenden Gesamtleistung.

Der soziale Crossover auf der Bühne spiegelt sich auch in der von Axel Goldberg komponierten Musik wieder: Pop-Melodien und Orchester-Arrangements sind die Grundzutaten, dazwischen finden Rap und Latin-Grooves genauso Platz wie ein zeitloser Blues. Die Darsteller meistern ein Genre wie das andere - dass sie hier ihr erstes großes Projekt stemmen, ist kaum zu glauben. Die Choreographien sitzen, der Gesang ist auch in schwierigen Passagen druckvoll. Man merkt: Hier ist in den letzten Monaten eine Einheit zusammengewachsen, die für die insgesamt sieben Aufführungen Erstaunliches möglich macht. „Unsere Herzen schlagen höher“ schallt es am Ende von der Bühne, als das Jugendzentrum gerettet und die Premiere mehr als gelungen ist. Das Publikum lässt keinen Zweifel daran, dass es ihm genauso geht.

 
 

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