Hoeschianer fürchten „Salami“-Taktik

Hohenlimburg..  Im ThyssenKrupp-Konzern herrscht Unruhe, denn die bereits vor Jahr und Tag angedachten Verkaufsaktivitäten zu den Werken in Brasilien und in Nordamerika lassen sich nicht realisieren. Offenkundig möchte kein Erwerber das sich in Südamerika aufgetane Millionen-Euro-Grab zuschaufeln.

Das hat Folgen, denn die Bilanzen des einstigen Vorzeigekonzerns sind nicht die erfreulich. Die Konsequenz: Die Konzernspitze um Dr. Heinrich Hiesinger möchte sich von einigen (Steel-)Aktivitäten trennen, die zwar viele Jahre zum Kerngeschäft zählten, nun aber in die Rolle einer eher ungeliebten Tochter gedrängt werden.

Deshalb rumort es bei ThyssenKrupp-Steel seit Monaten gewaltig. Und davon betroffen ist auch die Hoesch Hohenlimburg GmbH. Im Klartext: die Mittelbandstraße.

Geld in Schubkarre abtransportiert

Diese zählte seit einem halben Jahrhundert eigentlich zur Perle des Konzerns. In guten wie auch in schwierigen Zeiten. „In Oege“, so ließ die Galerie der Betriebsräte seit Jahrzehnten wissen, werde das Geld in Massen verdient und in Schubkarren zur Konzernspitze gefahren. Einst zu Hoesch nach Dortmund, nach der feindlichen Übernahme nach Essen und jetzt zu ThyssenKrupp nach Düsseldorf / Essen. „Millionen“, behaupten Insider. Denn das Mittelband, das in Oege gewalzt wird, zeichnete sich in all den Jahren stets durch eine herausragende Qualität aus. Diese Qualität fand und findet nicht nur in der heimischen Kaltwalzindustrie, bei den Branchengrößen wie C.D. Wälzholz, dankbare, zuverlässige und somit treue Abnehmer.

So konnte die Tonnenzahl kontinuierlich gesteigert werden. Auf mehr als eine Million. Das war möglich, weil der Konzern mit Weitsicht in die Walzstraße investierte und diese somit kontinuierlich modernisiert. Aber auch, weil die Mitarbeiter stets eine besondere Motivation an den Tag legten.

Doch jetzt ziehen dunkle Wolken auf. Nach Information dieser Zeitung sollen bis zum Herbst des kommenden Jahres 49 Arbeitsplätze (O-Ton: Mitarbeiterkapazitäten) abgebaut und gleichzeitig die Tonnenzahl auf 1,3 Millionen gesteigert werden. Denn die Auftragslage ist gut. Der Personalabbau soll dadurch geschehen, dass verdiente Mitarbeiter ab 57 Jahren nach Zahlung einer Abfindung „in die Wüste“ geschickt und befristete Verträge nicht verlängert werden. Gleichzeitig wird in der Konzernspitze mehr oder minder laut darüber nachgedacht, dass Teilbereiche nach Essen oder Duisburg verlagert werden. Soll die Hoesch Hohenlimburg GmbH mit einer Salami-Taktik fein säuberlich „zerlegt“ werden? Die Befürchtung: Gehaltsabrechnungen werden zukünftig in Osteuropa geschrieben und auch im IT-Bereich könnte eingespart werden. „Der Standort wird dadurch immer kleiner“, mahnen Insider. Damit gehe auch die direkte Nähe zur Produktion und damit auch die Nähe zu den Kunden verloren.

Klares Bekenntnis fehlt

Was den Hoeschianern fehlt, ist ein klares Bekenntnis zum Standort. Das gebe es weder von der Konzernspitze noch von der Geschäftsleitung in Oege. „Die hat mit Blick nach Essen die Hände an der Hosennaht“, mahnen Kritiker.

Für den heutigen Mittwoch ist ein „Werkgespräch“ mit Konzernchef Dr. Hans Fischer angesagt. Ob dieses Klarheit bringt? Die Betriebsräte setzen darauf. Sie wollten gestern jene Informationen nicht dementieren, die unserer Zeitung vorliegen.

 
 

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