Hier verzocken nur Frauen ihr Geld

Frank Goebel mit Angestellten in der Spielothek „Lady“.
Frank Goebel mit Angestellten in der Spielothek „Lady“.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Automatenaufsteller Frank Göbel aus Hohenlimburg hat in der Bergstraße die erste Hagener Spielothek eröffnet, zu der nur Frauen Zutritt haben.
  • Erste Spielothek nur für Frauen eröffnet.
  • Frauen wollen beim Spielen lieber unter sich sein, glaubt der Besitzer.
  • Suchtexperten warnen vor den Gefahren des Glücksspiels.

Hagen-Mitte. Acht Geldspielgeräte stehen in dem nahezu quadratischen Raum. Ihre Monitore glitzern, ihre Namen kommen allzu gekünstelt daher: Pantherstar, Superstar, Löwenstar, Blazing Star. Die schwarzen Sessel vor den Automaten sind dreh- und rollbar, sie erlauben es den Spielern, sich beim Zocken gemütlich zurückzulehnen, während sie die rotierenden und blinkenden Zahlen und Symbole betrachten. Eigentlich ist die Spielothek „Lady“ in der Bergstraße 125 eine Spielothek wie jede andere.

Ist sie aber nicht. Denn hier ist der Name Programm, es haben nur Frauen Eintritt. Nun kann man nachvollziehen, dass sich Frauen mitunter, etwa in der Sauna oder im Fitness-Studio, wohler fühlen, wenn sie unter sich sind, aber beim Geld verdaddeln in einem Spielsalon? „Ja, ich finde es durchaus angenehmer, beim Spielen nur Frauen um mich zu haben“, bestätigt Meral Aytan.

Frauen spielen lieber ungestört

Die Idee, eine Spielothek nur für Frauen zu eröffnen, hatte Frank Göbel (55). Dem Automatenaufsteller aus Hohenlimburg gehören sechs Spielhallen in Hagen und Umgebung, bei der Neueröffnung in der Bergstraße hat er sich von seiner Kenntnis der weiblichen Psychologie leiten lassen: „Ich glaube, Frauen sind beim Spieler lieber ungestört. Sie werden ja sonst erstmal angeguckt, wenn sie eine Spielothek betreten. Hier können sie dagegen abschalten.“

Man glaube es nicht, so Göbel, aber immer mehr Frauen besuchten heutzutage eine Spielhalle. Unter seiner Kundschaft machten sie bis zu 30 Prozent aus, sagt er: „Frauen haben eben genauso wie Männer das Bedürfnis, ein bisschen zu spielen und zu unterhalten.“ Und in der „Lady“ seien sie ungestört, müssten sich keinen neugierigen Blicken aussetzen: „Deshalb habe ich hinter dem Haus einen kleinen Raucherhof eingerichtet. So müssen die Damen in der Zigarettenpause nicht wie auf dem Präsentierteller vor dem Haupteingang stehen.“

Suchtexperten warnen

Dass die neue Spielothek die Hemmschwelle zum Zocken herabsetze und Frauen den Weg in die Spielsucht ebne, hält Göbel für abwegig: „Die schlimmen Zeiten mit den Süchtigen sind vorbei. Die Leute spielen heutzutage, um Spaß zu haben, sie wissen, dass sie hier kein Vermögen gewinnen können.“ Zur Spielbank Hohensyburg fahre schließlich auch niemand mehr in der Hoffnung, den großen Gewinn abzusahnen.

Suchtexperten haben da eine ganz andere Meinung. Verglichen mit anderen Großstädten, gebe es in Hagen überproportional viele Spielstätten und ein großes Problem mit Spielsüchtigen, beschreibt Friedrich Schmidt vom sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt die Lage: „Ich fürchte, das Lady wird die Situation nur verschlimmern.“ Als er erstmals von der Spielothek für Frauen gehört habe, habe er geglaubt, es handele sich um einen dummen Scherz, so der Spielsuchtfachmann. Glücksspielsucht sei sonst überwiegend ein männliches Problem, wenn Frauen betroffen seien, dann handele es sich zumeist um ältere Damen, die der Einsamkeit entfliehen wollten. „Nun soll offenbar ein neuer Markt aufgetan werden“, sorgt sich Schmidt, dass vermehrt junge Frauen in den Sog der Automaten geraten könnten.

Spielsalon-Besitzer Göbel mag diese Bedenken nicht nachvollziehen. Er hat bereits die Aufstellung weiterer Geldspielgeräte im „Lady“ beantragt und hofft auf die Genehmigung seitens der Stadt. Zudem soll im ersten Stock ein Billardzimmer eingerichtet werden – Zutritt ausschließlich für Frauen.

 
 

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