Hauptschulen feiern ein Comeback

In Vorhalle ist derzeit die Hauptschule Altenhagen untergebracht.
In Vorhalle ist derzeit die Hauptschule Altenhagen untergebracht.
Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Das Schulgebäude Vorhalle soll Teilstandort der Hauptschule Boelerheide werden
  • Die vor Jahren schon totgesagten Hauptschulen feiern in Hagen derzeit ein Comeback
  • Schulausschuss stützt mit breiter Mehrheit Vorschlag der Verwaltung

Hagen.. Die Hauptschule feiert fröhliche Urständ in der Stadt. Eigentlich sollte die Schulform, die in der öffentlichen Meinung immer mehr an Kredit verlor und der die Schüler davonliefen, gänzlich aus der Hagener Schullandschaft verschwinden und in Sekundar­schulen aufgehen.

Doch weil davon auch die Realschulen betroffen wären und sich in deren Elternreihen massiver Widerstand auftat, blieb die Reform auf halbem Wege stecken. Zunächst konnte die Hauptschule Ernst Eversbusch in Haspe ihr Überleben sichern, dann durfte die Geschwister-Scholl-Hauptschule in Boelerheide am Netz bleiben. Und sie wird demnächst sogar vergrößert: Das Hauptschulgebäude in Vorhalle, dessen zukünftige Nutzung bislang unklar war, wird 2017 zum Teilstandort der Boelerheider Schule.

Einen entsprechenden Beschluss fasste der Schulausschuss mit großer Mehrheit auf Vorschlag des Fachbereichs Bildung. Die erweiterte Hauptschule Boelerheide soll insgesamt vier Klasen pro Jahrgang bilden, also vierzügig sein. Grund für den Kurswechsel von Politik und Verwaltung ist der erhöhte Hauptschulbedarf, der durch Flüchtlings- und Zuwandererstrom entstanden ist. „Zwar lässt sich nicht präzise prognostizieren, ob die Einwanderung im bisherigen Maße anhalten wird, doch hat das Kommunale Integrationszentrum allein in den letzten zwei Jahren im Bereich der Sekundarstufe I etwa 1000 neue Schüler registriert“, fasste Jochen Becker, Leiter des Fachbereichs Bildung, die Situation zusammen.

35 Schulformwechsler

Zudem wurden bei den diesjährigen Versetzungskonferenzen von den Hagener Gymnasien und Realschulen 35 Schulformwechsler gemeldet. Dabei handelt es sich um Schüler, die drei Jahre in der Erprobungsstufe hinter sich gebracht oder trotz rechtlich möglicher Wiederholung der sechsten Klasse keine Perspektive mehr haben. Für sie wurden in den Hauptschulen bereits zwei zusätzliche siebte Klassen eingerichtet sowie – als „einmalig mögliche Zusatzmaßnahme“, wie Becker betont – eine Mehrklasse an der Sekundarschule Altenhagen gebildet. Und schließlich kehrten von den Hagener Schülern, die vor zwei Jahren an die Realschulen der Nachbarstädte Herdecke und Gevelsberg gewechselt waren, mehrere zurück und mussten daraufhin an Hagener Hauptschulen aufgenommen werden.

Eigentlich seien vier Hauptschulzüge in Hagen ausreichend, um alle Anmeldungen für die Klasse 5 berücksichtigen zu können, ab der siebten Jahrgangsstufe würden jedoch deutlich höhere Kapazitäten benötigt, so Becker unmissverständlich.

4,8 Kilometer entfernt

Das Schulgebäude in Vorhalle soll diesen Bedarf decken. Es gilt als baulich hervorragend für die Sekundarstufe I geeignet, wurde es doch für eine zweizügige Hauptschule mit gebundenem Ganztag konzipiert. Zwar gibt es die Hauptschule Vorhalle nicht mehr, sie musste wegen Schülermangels geschlossen werden. Und auch die Hauptschule Altenhagen, die das Gebäude derzeit belegt, besteht nur noch aus den Jahrgängen 9 und 10 (hinzu kommen vier Seiteneinsteigerklassen) und wird 2018 auslaufen. Doch da es wegen der geografischen Lage von Vorhalle nicht mehr genügend Schüler für eine selbstständige Hauptschule im Stadtteil geben wird, kommt nur noch die Anbindung an die Hauptschule Boelerheide in Betracht, auch wenn die mit dem Auto 4,8 Kilometer entfernt liegt.

Schon 2017 soll der sukzessive Aufbau des Standortes Vorhalle beginnen. Ob dann später an beiden Schulorten alle Jahrgänge angeboten werden oder die Unterbringung jahrgangsweise erfolgt (z.B. Klassen 5 bis 7 in Boelerheide und 8 bis 10 in Vorhalle), soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

 
 

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