Hauptschulen dürfen nicht Modell stehen

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Hagen.. Die Hauptschulen Remberg und Vorhalle dürfen im nächsten Schuljahr nicht am Modellversuch Gemeinschaftsschule teilnehmen. Ihre Anträge wurden im Schulausschuss abgelehnt. Damit wird es in Hagen zunächst keine Gemeinschaftsschule geben.

Grund für das ablehnende Votum der Hagener Schulpolitiker ist keine prinzipielle Ablehnung der neuen Schulform Gemeinschaftsschule. Vielmehr will man in der Volmestadt zunächst abwarten, welche Ergebnisse und Empfehlungen das mit Spannung erwartete Gutachten zur Schulentwicklungsplanung liefert, mit dem der Stadtrat das Büro Bildung & Region aus Bonn beauftragt hat. Wahrscheinlich ist, dass das Papier erneut die Schließung von Schulstandorten, über die bereits im letzten Jahrzehnt erbittert gefochten wurde, befürworten wird.

Bis das Gutachten vorliegt, will man sich im Rathaus auf keine Schul-Diskussion einlassen. Doch die Schulen selbst bringen sich bereits in Stellung. Vor diesem Hintergrund muss man auch die Bewerbungen der Hauptschulen Remberg und Vorhalle betrachten, deren Schulkonferenzen sich für die Weiterentwicklung zur Gemeinschaftsschule ausgesprochen haben. Sie wollen sich auf diesem Weg nicht nur für die Zukunft rüsten, sondern auch einem Dilemma entkommen: dem Dilemma, eine Hauptschule zu sein.

Eltern wenden sich von der hauptschule ab

„Wir führen einen verlorenen Krieg“, bringt es Christian Pfefferer, Rektor der Hauptschule am Remberg, auf den Punkt. Trotz zahlreicher Initiativen und Ideen, mit denen seine Schule ihr Profil zu stärken versuche, würden sich immer mehr Eltern abwenden. In den oberen Jahrgängen fährt die Rembergschule (insgesamt 480 Schüler, davon 80 Prozent mit Migrationshintergrund) noch vierzügig, doch 2010 konnten gerade noch zwei fünfte Klassen gebildet werden. Und im kommenden Sommer, befürchtet Pfefferer, reichen die Anmeldungszahlen vielleicht nicht einmal mehr für die Bildung auch nur einer Eingangsklasse.

Neben den Eltern würden sich auch die Arbeitgeber zunehmend von den Hauptschulen distanzieren, so Pfefferer: „Das Wort Hauptschule im Kopf eines Bewerbungszeugnisses ist für viele Personalchefs ein sofortiges Ausschlusskriterium.“ Eine Chance auf einen Ausbildungsplatz hätten Hauptschüler nur dann, wenn sie im Rahmen eines Praktikums auf sich aufmerksam machten: „Und dass das so ist, ist doch eine Bestätigung dafür, dass der Bildungsweg Hauptschule entwertet ist“, meint der Schulleiter.

In der Gemeinschaftsschule sieht Pfefferer dagegen die Möglichkeit, den Schulstandort Remberg/Eickertstraße nachhaltig weiterzuentwickeln. Auch Susanne Ruhkamp, Leiterin der Hauptschule Vorhalle (300 Schüler), möchte diesen Weg einschlagen: „Es wäre wichtig für Vorhalle, dass eine weiterführende Schule erhalten bleibt.“ In Sachen Kooperation habe es bereits Gespräche mit der Grundschule Freiherr vom Stein gegeben: „Und die Reaktionen waren keineswegs negativ. Wir arbeiten ja ohnehin eng mit den Vorhaller Grundschulen zusammen.“

Doch die Hauptschulen Remberg und Vorhalle haben schlechte Karten. Frank Kortmann, Chef des Schulamtes, moniert nicht nur die fehlende Raumausstattung für eine Gemeinschaftsschule. Es gebe an beiden Standorten auch keine Realschule, die mit einer der Hauptschulen zusammengeführt werden könne - vom notwendigen Angebot einer Sekundarstufe II ganz zu schweigen.

 
 

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