Hagener Umweltamt lässt Müll im Wald liegen

Meldungen über Müll-Vandalismus wird das Umweltamt nicht mehr verfolgen.
Meldungen über Müll-Vandalismus wird das Umweltamt nicht mehr verfolgen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Das Umweltamt wird wilde Müllkippen und illegal entsorgten Abfall künftig nicht mehr beseitigen. Als Grund für diese beispiellose Anordnung nennt Dezernent Dr. Christian Schmidt die Personalknappheit in seiner Abteilung: „Ich habe einfach nicht mehr genügend Leute.“

Hagen.. Das Umweltamt wird wilde Müllkippen und illegal entsorgten Abfall künftig nicht mehr beseitigen. Als Grund für diese beispiellose Anordnung nennt Dezernent Dr. Christian Schmidt die Personalknappheit in seiner Abteilung: „Ich habe einfach nicht mehr genügend Leute.“

In der Praxis dürfte das die ohnehin mangelhafte Sauberkeit in der Stadt weiter verschärfen. Meldet sich ein Bürger im Umweltamt, um auf illegal entsorgte Abfallhaufen, Bauschutt oder zugemüllte Containerstandorte hinzuweisen, geschieht Folgendes: Ein Sachbearbeiter stempelt die Information ab, heftet sie in einem Aktenordner ab und stellt den Aktenordner in den Schrank zurück. Der Müll bleibt liegen, wo er liegt, niemand fährt hinaus, um ihn abtransportieren zu lassen oder gar auf giftige und umweltgefährdende Substanzen zu untersuchen. Schmidt, der seit Jahrzehnten im Umweltbereich arbeitet und dem gewiss kein leichtfertiger Umgang mit dieser Aufgabenstellung nachgesagt werden kann, glaubt seine Weisung verantworten zu können: „Ich habe einen regelrechten Hilferuf aus den Reihen der Mitarbeiter erhalten. Sie können nicht mehr.“

Krankheitsfälle in der Abfallbehörde

Drei Stellen seien derzeit nicht besetzt, mehrere hundert Urlaubstage aufgelaufen. Zudem gebe es zwei Krankheitsfälle in der Abfallbehörde. Die Mehrbelastung für die anderen Kollegen habe bereits zu drei Burn-Out-Syndromen in der Umweltverwaltung geführt, sagt der Dezernent: „Irgendwann ist eben das Ende der Fahnenstange erreicht.“

Deshalb hat er nun die Reißleine gezogen und Kontroll- und Ahndungsmaßnahmen für illegale Müllentsorgung zurückgestellt. Vorrang hätten wasserrechtliche und Emissionsschutzverfahren sowie die Bearbeitung von Anträgen aus dem Bereich der Bauordnung. Als Beispiel nannte er den Bau der Rathaus-Galerie, der für das Umweltamt enorm viel Arbeit mit sich bringe, die zudem fristgerecht erledigt werden müsse.

Erledigung von Mülldelikten in Zukunft dem HEB überlassen

Er wisse, dass ihm die Politiker in den zuständigen Ausschüssen demnächst vermutlich die Ohren lang ziehen würden, wenn er seine Verfügung vorstelle, so Schmidt. Andererseits wolle er mit Oberbürgermeister Dehm und den anderen Dezernenten im Verwaltungsvorstand über eine Umverteilung der Aufgaben sprechen. Im Hinterkopf hat er offenbar, die gesamte Erledigung von Mülldelikten dem Ordnungsamt und dem Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) zu überlassen: „Überall dort, wo das Umweltamt zuständig ist, liegt die Bearbeitung auf Eis.“

 
 

EURE FAVORITEN