Hagener Polizist klärt Raubserie auf

Von Hubertus Heuel
Kriminalhauptkommissar Bernd Kühlmorgen mit einigen der aus der Havel gefischten Schmuckhalter.
Kriminalhauptkommissar Bernd Kühlmorgen mit einigen der aus der Havel gefischten Schmuckhalter.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Die Kombinationsgabe eines Hagener Ermittlers, die Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst ...“ sowie Kommissar Zufall halfen dabei, eine Raubserie auf Juweliergeschäfte aufzuklären. Eine der Täter ist gefasst, den anderen ist die Polizei auf den Fersen.

Hagen. Als Kriminalhauptkommissar Bernd Kühlmorgen (58) am 15. Februar in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst . . .“ von einer Räuberbande aus Berlin hörte, die Blitzeinbrüche auf Juweliere im Ruhrgebiet verübte, konnte er nicht ahnen, schon am nächsten Morgen selbst in den Fall verwickelt zu werden. Und dass er es sein würde, der die Täter zur Strecke brächte. Seine Kombinationsgabe und Kommissar Zufall halfen ihm dabei.

Am Tag nach der Sendung landete der Bericht über einen Einbruch beim Hagener Juwelier Ercosman auf Kühlmorgens Schreibtisch. Vier Täter hatten in der Nacht die Schaufensterscheibe mit einem Gullideckel zertrümmert und Schmuck und Uhren aus den Auslagen in der Mittelstraße geklaut.

Dann verschwanden sie in der Dunkelheit. Doch ein Busfahrer hatte sich das Nummernschild des Fluchtfahrzeugs notiert. Es gehörte einem Monteur aus Hannover und war kurz zuvor in der Pillauer Straße in Boele, wo der Mann beruflich zu tun hatte, gestohlen worden. Und auch die Herkunft des Gullideckels konnte Kühlmorgen anhand von dessen Individualnummer ermitteln: Der schwere Eisendeckel war in den zurückliegenden Stunden in Gevelsberg ausgehoben worden.

Drei Räuber aus Berlin

Kühlmorgen hatte einen Einfall, vielleicht war es Inspiration, ein Gedankenfunke: Er wusste, dass sich auf der Kölner Straße in Haspe ein Starenkasten befindet und bat die Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes, bei der Auswertung der Fotos auf Fahrzeuge mit Berliner oder Hannoveraner Kennzeichen zu achten.

Und tatsächlich war eindreiviertel Stunde vor dem Einbruch bei Ercosman ein Mercedes mit Berliner Zulassung von der Anlage erfasst worden, weil er mit 74 statt der erlaubten 50 km/h unterwegs war. Auf dem Foto deutlich zu erkennen: die Gesichter von drei Räubern aus Berlin, der Polizei wegen zahlreicher Delikte wohlbekannt.

Doch bevor die Fotos und alle weiteren Spuren ausgewertet waren, geschah ein zweiter Einbruch in Hagen – nach bewährtem Muster: Am 24. Juli raubten vier Männer das Juweliergeschäft Balik am Friedrich-Ebert-Platz aus, nur dass sie statt eines Gullydeckels diesmal einen Vorschlaghammer benutzten.

Komplizen sind abgetaucht 

Noch am selben Tag fischten Beamte des Berliner Landeskriminalamtes eine unter der Wasseroberfläche treibende Reisetasche aus der Havel, in der sich mehrere Schmuckhalter aus dem erst wenige Stunden zurückliegenden Einbruch in Hagen befanden. Zudem konnten DNA-Spuren in dem Juweliergeschäft eindeutig vier Männern aus Berlin – zwei Irakern, einem Türken und einem Deutschen im Alter von 27 bis 30 Jahren – zugeordnet werden.

Jetzt setzten sich die vielen Spuren und Hinweise aus der Raubserie wie ein Puzzle zusammen. Der Haupttäter sitzt inzwischen im Gefängnis, seine Komplizen sind abgetaucht. Doch die Polizei ist ihnen, nicht zuletzt dank der Ermittlungsarbeit von Kriminalhauptkommissar Kühlmorgen, auf den Fersen.

Der Hagener Beamte, seit 41 Jahren im Dienst, mag die XY-Sendung: „Weil sie es ermöglicht, Straftaten aufzuklären und Zusammenhänge herzustellen.“ Deshalb wird er weiterhin im Fernsehsessel Platz nehmen, wenn Rudi Cerne Jagd auf Verbrecher macht.