Hagener Politiker kritisieren Hilchenbach und Ludwig

Rund um das Stadttheater Hagen kehrt keine Ruhe ein: Im Chaos um die Absage von Dominique Caron kritisieren führende Politiker Intendant Norbert Hilchenbach und Generalmusikdirektor Florian Ludwig.
Rund um das Stadttheater Hagen kehrt keine Ruhe ein: Im Chaos um die Absage von Dominique Caron kritisieren führende Politiker Intendant Norbert Hilchenbach und Generalmusikdirektor Florian Ludwig.
Foto: Archiv
  • Röspel (CDU) spricht von „würdeloser“ Kampagne
  • FDP stellt scheidenden Intendanten in Frage
  • Grüne halten Aufsichtsrat für überfordert

Hagen..  Nachdem die Liberalen bereits am Mittwoch Konsequenzen aus dem Debakel bei der Intendanten-Suche forderten, meldeten sich am Donnerstag die übrigen Ratsfraktionen zu Wort. Dabei rücken zunehmend Intendant Norbert Hilchenbach und Generalmusikdirektor Florian Ludwig in den Fokus der Kritik. Für CDU, FDP und SPD scheiden beide für eine Interimslösung aus.

Die Grünen hingegen kritisieren den Aufsichtsrat: Der sei „überfordert“. Bei der Planung der Spielzeit 2017/18 setzt die Politik auf die jetzige Belegschaft, für die Grünen könnte Werner Hahn eine zentrale Rolle spielen.

Das sagt die CDU

CDU-Fraktionschef Wolfgang Röspel, gleichzeitig Mitglied im Theater-Aufsichtsrat, bedauert den plötzlichen Rückzug von Dominique Caron: „Es ist im höchsten Maße bedenklich, dass an diesem Rückzug verschiedene Dunkelmänner mitgewirkt haben.“ So sei mit „boshaften Briefen“ des Mannheimer Ex-Intendanten Ulrich Schwab die persönliche Integrität der Bewerberin „gezielt schwerstens beschädigt“ worden. Nach der jüngsten E-Mail von Personal-Vertretern des Theater-Aufsichtsrates „mit einer Mischung aus Halbwahrheiten und Behauptungen“ sei es nicht überraschend, dass das Engagement geplatzt sei. „Kein Mensch würde nach einer solchen Schmutzkampagne noch in diesem Hause arbeiten wollen. Das war im höchsten Maße würdelos.“

Röspel appelliert, jetzt den Fokus auf eine Interims-Intendanz zu richten, um die Spielzeit 2017/18 seriös planen zu können. Und er skizziert den Weg bei einer erneuten Intendanten-Auswahl: „Wir sollten zunächst noch einmal die internen Bewerbungen durchgehen, die es ja durchaus gab. Das kann auch den hausinternen Glaubenskampf beizulegen helfen. Denn eines braucht das Theater jetzt: Ein Klima der Kooperation und kein Klima von Verunsicherung und Angst, wie es von einigen Beteiligten in den vergangenen Monaten bewusst herbeigeführt wurde. Deshalb müssen wir jetzt auch klären, ob es sinnvoll ist, Norbert Hilchenbach und Florian Ludwig weiter an der Suche zu beteiligen.“

Das sagt die FDP

Organisatorische Konsequenzen fordert auch FDP-Fraktionschef Claus Thielmann, der von einer „beispiellosen Schlammschlacht“ spricht, die von einer an einem geordneten Übergang desinteressierten Führungsriege des Theaters zusätzlich befeuert worden sei. „Ich wundere mich auch über die Leidensfähigkeit des Oberbürgermeisters“, blickt der Liberale auf den obersten Repräsentanten des Theater-Gesellschafters Stadt Hagen. „Was er sich von der Theater-Führung hat bieten lassen, das war schon heftig. Ich habe zwar Verständnis dafür, dass der OB kein weiteres Öl ins Feuer gießen wollte.

Aber jetzt ist die Situation eskaliert.“ Thielmann äußert „erhebliche Bedenken“, ob Noch-Intendant Norbert Hilchenbach und Noch-GMD Florian Ludwig bis zum Ende ihrer Vertragslaufzeiten noch in verantwortlicher Position zu halten seien. Solange sie dort für Stimmung sorgten, werde sich an der Atmosphäre im Theater wenig ändern.

Das sagen die Grünen

Nach Wahrnehmung der Grünen ist die Intendantensuche zu einem Trauerspiel geworden. „Alle Beteiligten müssen jetzt dafür sorgen, dass sich ein solch beschämender Vorgang nicht wiederholt“, meint Fraktionssprecherin Nicole Pfefferer. „Dazu gehört zunächst, dass Aufsichtsrat und Findungskommission ihre Arbeit kritisch aufarbeiten.

Dazu gehört auch, dass jeder anerkennt, dass sich die finanziellen Rahmenbedingen des Theaters nicht ändern.“ Da die Einsparung der geforderten 1,5 Millionen Euro bereits erarbeitet sei, könne dieses Thema bei einer Neuausschreibung der Intendanz ausgeklammert werden. Dies, so Pfefferer, solle auf der Ebene des Gesellschafters Stadt Hagen erfolgen: „Hier müssen OB und Rat dem offenkundig überforderten Aufsichtsrat bei der Intendantensuche helfend unter die Arme greifen.“ Außerdem, so die Grünen, sollte Werner Hahn angesichts seiner Kompetenz angetragen werden, die Spielzeit 2017/18 zu konzipieren.

Das sagt die SPD

„Der Aufsichtsrat des Theaters muss so schnell wie möglich einberufen werden, um mit einem geordneten Verfahren erneut auf die Suche nach einer Führungskraft für unser Theater zu gehen“, drückt SPD-Fraktionschef Claus Rudel aufs Tempo. „Aber der Aufsichtsrat muss auch die jetzt entstandene Situation aufarbeiten.“ Den Ruf nach personellen Konsequenzen kritisiert er als schlichte Effekthascherei, wenn nicht Ross und Reiter genannt würden. „Vielleicht lässt sich gemeinsam mit dem neuen GMD zunächst ein Interimsteam zusammenstellen, das die Planung der Spielzeit 2017/18 übernimmt. Eine Verlängerung des Hilchenbach-Vertrages schließe ich dabei aus.“

Das sagt Hagen Aktiv

Hagen-Aktiv-Fraktionschef Josef Bücker rät zu Handeln mit kühlem Kopf: „Die Sorge gilt dabei dem Theater Hagen in seiner Gesamtheit, das seinem Anspruch und seinem Bildungsauftrag nur gerecht werden kann, wenn es als Ganzes in seinen Abläufen funktioniert. Wir erwarten von allen Beteiligten, dass sie hierzu ihren Beitrag leisten, auch von den Arbeitnehmervertretern. Danach kann die Suche nach Schuldigen für das Desaster beginnen.“

>> Hintergrund

Die Theaterleitung hat auf die Kritik von FDP-Fraktionschef Claus Thielmann an der Führungsriege des Hauses reagiert. Der Liberale hatte in einem am Mittwoch verbreiteten Statement deutlich gemacht: „Es ist offensichtlich, dass die Führungsriege des Theaters von Anfang an kein Interesse daran hatte, einen geordneten Übergang zu ermöglichen. Diese war nie bereit, Frau Caron überhaupt eine Chance zu geben und hat die Schmutzkampagne noch zusätzlich befeuert.“ Eine These, der Norbert Hilchenbach (Intendant), Florian Ludwig (GMD), Michael Fuchs (Geschäftsführer) und Alexander Schwalb (Betriebsratsvorsitzender) entgegenhalten: „Uns war es von Anfang an ein wichtiges Anliegen, eine erfolgreiche Fortsetzung der Arbeit des Theaters Hagen unter einer neuen künstlerischen Leitung zu ermöglichen. Die Behauptung einer fehlenden Bereitschaft, Frau Caron eine Chance zu geben und die Schmutzkampagne noch zusätzlich befeuert zu haben, ist eine Unterstellung, die in keiner Weise zutrifft.

Auch die Thielmann-Aussage, das Theater habe gegen die von der Bezirksregierung auferlegten Sparvorgaben gekämpft, stoßen dem Theater-Quartett auf: „Der Versuch, einen Zusammenhang zwischen der Rücknahme der Bewerbung von Frau Caron und einer Art von Verschwörung innerhalb des Theaters herzustellen, ist angesichts der bisherigen und der laufenden Bemühungen, die Kürzungsvorgaben des Rates umzusetzen, geradezu absurd. Allerdings sind solche Behauptungen sehr wohl geeignet, nicht nur die Führungsriege sowie die gesamte Belegschaft, sondern auch die jahrelange erfolgreiche Arbeit des Theater Hagen wissentlich zu beschädigen.“

 
 

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