Hagener Offizier erhofft sich positive Effekte durch von der Leyens Amtsantritt

Soldat Johannes Weimar hofft, dass Bundeswehr familienfreundlicher wird.
Soldat Johannes Weimar hofft, dass Bundeswehr familienfreundlicher wird.
Der junge Hagener Johannes Weimer hat sich für 13 Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet und folgt ab sofort den Befehlen der siebenfachen Mutter von der Leyen. Er erhofft sich positive Effekte durch von der Leyens Amtsantritt. Dass die Ministerin nicht gedient hat, ist dem Soldaten nicht wichtig.

Hagen-Helfe.. Stillgestanden für die neue Chefin. Die Nachricht von der Neubesetzung des Chefsessels im Bundesverteidigungsministerium hat das ganze Land schwer überrascht. Die bisherige Familienministerin Ursula von der Leyen ist nun oberste Befehlshaberin der Streitkräfte. Eine Frau. Nie gedient – der Blätterwald rauschte gewaltig und spielte viele überholte Klischees aus. Zu Unrecht, wie Johannes Weimer (19) findet. Der junge Hagener hat sich für 13 Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet und folgt ab sofort den Befehlen der siebenfachen Mutter von der Leyen. Er erhofft sich positive Effekte durch von der Leyens Antritt.

In Hammelburg stationiert

Johannes Weimer gehört dem Heer an. Aktuell ist der junge Soldat in Hammelburg stationiert. Nicht so schlimm, wenn man nicht gleich weiß, wo das ist.

Das Örtchen liegt im Nordwesten Bayerns. Den Offiziersanwärterlehrgang hat er abgeschlossen. Bald geht es für zweieinhalb Monate nach Schwarzenborn, dann drei Monate nach Dresden. Anschließend will er vier Jahre lang an der Bundeswehruniversität in Hamburg Betriebswirtschaftslehre studieren. Weimer ist Jäger im Heer. Bis zu einem möglichen Auslandseinsatz können noch sieben bis acht Jahre vergehen.

Nun also eine Frau als oberste Befehlshaberin der Streitkräfte. Noch dazu eine, die das Bild der Karriere machenden Übermutter in Deutschland geprägt hat wie keine andere. Passt das zusammen? Von der Leyen und die Bundeswehr? Der Aufbruch einer Männerdomäne? „Für uns ist es prinzipiell egal, ob eine Frau oder ein Mann Befehlshaber ist. Wir folgen dem Primat der zivilen Politik“, sagt Johannes Weimer, „sie wird es bei den Hartgesottenen vielleicht zunächst ein bisschen schwer haben, aber grundsätzlich begrüße ich es sehr, dass ausgerechnet diese Frau Verteidigungsministerin ist.“

Weimer wünscht sich familienfreundlichere Bundeswehr

Weimer selbst hat vier Geschwister. Er weiß, welche Stärke und Durchsetzungsfähigkeit in einer Mutter ruhen, die so eine große Familie organisieren kann. „Es wäre wünschenswert, wenn von der Leyen die Bundeswehr familienfreundlicher machen könnte. Zum Beispiel, indem Soldaten heimatnäher eingesetzt werden“, sagt Weimer. Die Bundeswehr ist in gewisser Hinsicht immer noch ein Beziehungskiller. 70 Prozent der Soldaten pendeln zwischen Kaserne und Wohnort. Daran hat auch die Bundeswehr-Reform nichts geändert. Die Scheidungsrate betrug 2012 rund 80 Prozent.

„Außerdem kann von der Leyens Antritt auch dafür sorgen, dass die Hemmschwelle für Frauen, in die Bundeswehr einzutreten, noch geringer wird“, sagt Weimer. In seinem rund 50-köpfigen Zug sind fünf Frauen vertreten. Derzeit macht der Anteil der Berufs- und Zeitsoldatinnen in der Bundeswehr knapp 10 Prozent aus.

Treffen vielleicht bei Vereidigung

Dass die neue Ministerin nie gedient hat, ist für Weimer nicht ausschlaggebend. „Sie ist ja in einer strategischen Position. Und außerdem hatte sie damals ja gar nicht die Möglichkeit, sich für die Bundeswehr zu entscheiden.“

Wann er der neuen Chefin das erste Mal begegnen wird, wollen wir zum Abschluss noch wissen. „Wahrscheinlich, wenn ich zum Leutnant ernannt werde.“ Ihren Vorgänger Thomas de Maizière traf er bei seiner Vereidigung.

 
 

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