Hagener für Prix Pantheon nominiert

Außergewöhnlicher Auftritt im Hagener Stadtgarten: das „Daltons Orckestrar“ beim Muschelsalat.
Außergewöhnlicher Auftritt im Hagener Stadtgarten: das „Daltons Orckestrar“ beim Muschelsalat.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Die Hagener Formation „Daltons Orckestrar“ ist für den renommierten Prix Pantheon nominiert. Ab Sonntag entscheidet das Publikum in Internet.

Hagen.. „Wir lieben das Spiel mit dem Absurden“, sagen Christoph Holtermann und Andreas Edgar Busch. „Wir“ – das sind die vier Hagener Herren des "Daltons Orckestrar". Ihr Name extravagant, ihre Performance außergewöhnlich und das Quartett, zu dem neben Holtermann und Busch auch Fabrizio Torboli und Klaus Martin Wölk gehören, künstlerisch nicht in eine Schublade zu pressen.

Was sie unter „absurd“ verstehen, das demonstrieren sie regelmäßig auf der Bühne – zuletzt auch im Stadtgarten beim Hagener Muschelsalat im vergangenen Jahr. Nun ist das Quartett für den renommierten deutschen Kabarett- und Satirepreis nominiert – den Prix Pantheon 2013.

„Man fühlt sich auf jeden Fall sehr geehrt und wertgeschätzt“, sagt Christoph Holtermann. „Man hat es nicht geplant oder darauf hingearbeitet“, ergänzt Kollege Andreas Edgar Busch. Aber beide freuen sich selbstverständlich sehr.

Musik, Worte und Geräusche

Für ihre ungewöhnliche Performance, so könnte man sagen, gehen Musik, Worte, Geräusche und Theater eine zuweilen eigenwillige Symbiose ein, können dabei zu einem regelrechten Geräusch-Spektakel anschwellen, um dann unvermittelt in eine abrupte Stille umzuschlagen. „Verzweifelt versuchen wir eine passende Schublade zu finden. . .“, sagt Christoph Holtermann. „. . .weil wir in keine passen!“, beendet Andreas Edgar Busch im Interview den Satz.

Wer sich die Gigs der vier Musiker anschaut, weiß, wovon er spricht. Da schwebt ein Ghettoblaster über der Bühne – begleitet von Flugzeuglärm. Dann wieder sorgen durch den Raum tanzende Seifenblasen für poetische Momente voller Magie. Bei ihrer Show begeistern wohl vor allem jene Überraschungsmomente, mit denen die Multi-Instrumentalisten die Erwartungen ihres Publikums erst aufbauen, um sie im nächsten Moment jäh zu zerstören.

„Musikalische Operation“

„Wir nennen das, was wir machen, eine musikalische Operation“, erklären die Künstler selbst. „Wir haben zunächst die Musik, und davon ausgehend wird dann experimentiert. Es wird gewissermaßen etwas amputiert, dann wieder angenäht. Manchmal fangen wir mit einem bekannten Stück an, und es mutiert zu etwas völlig anderem.“ Oder aber es endet abrupt und unerwartet.

Mehr noch: Beim Song „La Paloma“ beispielsweise nutzen die vier Männer Requisiten aus einem Koffer, um gewissermaßen einen neuen Kontext für den Songtext zu schaffen, ihm so eine andere Bedeutung zu geben. Für solch außergewöhnliche Gegenstände, sagt Andreas Edgar Busch, habe er wohl einen besonderen Blick. Beim Stöbern auf Flohmärkten beispielsweise lassen diese sich finden. So werde dann etwa auch ein quietschender Teewagen Teil des Programms.

Die Ideen für ihre Performance entstehen oftmals aus der Situation heraus. Jeder noch so abwegige Gedanke, der einem der Ensemble-Mitglieder in den Sinn kommt, wird weitergesponnen. Dabei entwickeln sich mitunter irrwitzige Geschichten für die Show. Auf der Bühne wird dann zum Beispiel eine Gitarre von einem Luftballon gesprengt, der im Innern des Instruments langsam mit Luft gefüllt worden ist.

Schon in WG zusammengewohnt

Wenn beim Auftritt dann etwas Unerwartetes passiert – der Ballon vielleicht schon im Instrumenteninnern zerplatzt – transplantieren sie auch diese ungeplanten „Missgeschicke“ ins Programm, reagieren dabei mit gelassenen Mienen. Ganz so, als ob dies die natürlichste Sache der Welt sei. „Wir planen so gut es geht, aber improvisieren auch gern“, erklärt Andreas Edgar Busch.

Neben Gitarren oder Flöten bringen die Musiker auch skurril anmutende Instrumente mit auf die Bühne, etwa eine „singende Säge“ oder ein Kinderschlagzeug, die gewissermaßen zu Protagonisten ihrer Kunst werden. Die „Makematela-Mombesi-Maschine“, ein Holzbrett mit afrikanischem Buschklavier, hat etwa Christoph Holtermann selbst kreiert und ihr dann diesen kreativen Namen gegeben. Ihre Subkontrabassbalalaika wiederum, die auf den schönen Namen „Olga“ hört, haben sie, so die kreativen Köpfe, einer russischen Straßenkapelle nach der Wende abgekauft.

2008 umbenannt

Die vier Hagener Künstler selbst kennen sich schon seit langer Zeit. Drei von ihnen wohnten in Wehringhausen einst sogar in einer WG zusammen. Es gab eigene Musikprojekte, bei denen zunächst der Spaß an der Musik im Fokus stand. Im Laufe der Jahre kamen sie an einen Punkt, an dem sich die vier dazu entschlossen, gemeinsam konzentrierter Musik zu machen.

2008 nannte sich die bis dahin als „Daltons“ bekannte Band in „Daltons Orckestrar“ um und begann schließlich mit einem Bühnenprogramm. „In Wehringhausen kennen uns eigentlich alle nur unter dem Namen Daltons“, sagt Christoph Holtermann, der bis heute viele gute Erinnerungen und Erlebnisse mit dem Kulturzentrum Pelmke verbindet.

Der Weg zu ihrer aktuellen Nominierung begann mit ihrer Entdeckung durch die künstlerische Leiterin des Pantheon-Theaters in Bonn. Aufmerksam wurde sie auf die vierköpfige Combo durchs Internet. Sie fand die Performance interessant und lud die Hagener im vergangenen Jahr ins Pantheon-Casino ein. Dieses Jahr traten sie dort zunächst auf, dann folgte die Nachricht von der Nominierung.

Wer gern beim Publikumspreis für die Hagener ab dem 19. Mai voten oder mehr über den Prix Pantheon erfahren möchte, kann das unter http://www.prixpantheon.wdr.de oder unter www.pantheon.de/prix/prix.htm.

 
 

EURE FAVORITEN