Hagener fällt auf böse Abzocke beim Autokauf herein

Der Hagener Jörg Schmitt ist auf ein Schneeball-System reingefallen, mit dem sein Auto finanziert wurde.
Der Hagener Jörg Schmitt ist auf ein Schneeball-System reingefallen, mit dem sein Auto finanziert wurde.
Foto: WR
Zu vertrauensselig war der Hagener Jörg Schmitt beim Leasing seines Autos. „Autokauf zum Nulltarif“ hatte ihm ein dubioses Unternehmen versprochen. Die Leasingraten sollten durch Werbeeinnahmen auf seinem Auto gedeckt werden. Das System kollabierte. Jetzt streitet er mit der Finanzierungsbank, um die horrenden Raten zu verringern.

Hagen.. Das Angebot klang verlockend: Autokauf zum Nulltarif. Zu verlockend, um seriös zu sein. Das hat Jörg Schmitt jetzt erkannt. „Ein etwas ungutes Gefühl hatte ich bei der Sache ja von Anfang an.“ Hätte der Hagener auf sein Bauchgefühl gehört, wäre ihm viel Ärger erspart geblieben. Jetzt muss er kämpfen, damit er aus einem miserablen Geschäft mit horrenden Verlusten wenigstens ein schlechtes Geschäft mit geringeren Verlusten wird.

Im Oktober 2008 lag im Briefkasten von Jörg Schmitt ein Werbeschreiben der Firma Nycron. Die Firma bot ihm das Leasing eines Kleinwagens an. Die Raten, so das unlautere Versprechen, würden mit monatlichen Einnahmen aus Werbeaufdrucken auf dem Wagen finanziert. Daher störte es den Hagener nicht, dass sein Fiat Punto mit 16.000 Euro deutlich über dem üblichen Kaufpreis lag.

Denn die Leasingraten von 360 Euro sollte er durch die Werbevergütung in gleicher Höhe jeden Monat zurück bekommen. Dieses Geschäftsmodell funktionierte, solange jeden Monat Autokäufer akquiriert werden konnten. Denn die versprochenen Prämien von mehreren hundert Euro pro Monat für die Kunden mit ihren Werbeautos konnten nur aus dem Gewinn aus neuen Autoverkäufen finanziert werden: eine Art Schneeball-System.

Gesamtschaden von mehreren Millionen Euro

Das Modell der Firma Nycron kollabierte Anfang 2010. „Eineinhalb Jahre habe ich meine Raten bekommen“, erzählt Schmitt, „dann blieben die Zahlungen aus.“ Die Bank freilich beharrt weiter auf ihr Geld. Schließlich machte Schmitt sich im Internet schlau. Dort stieß er auf Foren, in denen sich andere über die Firma Nycron austauschten. Hunderte Geschädigte gibt es, ein Gesamtschaden von mehreren Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat Anklage gegen vier Tatverdächtige wegen bandenmäßigen Betrugs erhoben.

Jörg Schmitt wird jetzt wie 20 weitere Geschädigte von dem Hagener Rechtsanwalt Ralf Buerger vertreten. Mit einigen Finanzinstituten konnte Buerger bereits Vergleiche erzielen. Die Verträge wurden geändert. Der Kaufpreis wurde reduziert und der Zinssatz auf 4,9 Prozent statt dem ursprünglich vereinbarten zweistelligen Zinssatz festgesetzt.

Im Rechtsstreit sträubt sich die Commerz Finanz GmbH, eine Tochter der Commerz Bank, bislang gegen eine Einigung und strebt einen Musterprozess an, den Buerger vermeiden will. „Das würde eine unzumutbare und endlose Angelegenheit.“ Der Hagener Jörg Schmitt hatte seinerzeit seinen Vertrag mit der Dresdner Cetelem geschlossen. Nachdem die Dresdner Bank von der Commerz Bank übernommen wurde ist die Commerz Finanz Rechtsnachfolgerin der Dresdner Cetelem.

Dem Institut meint Buerger, habe das anrüchige Geschäftsmodell der Firma Nycron bekannt sein müssen. „Die damals zuständige Sachbearbeiterin hat mir bestätigt, dass die Firma Nycron Kunde der Bank war“, sagt er. Die Kaufverträge hätten dem Institut vorgelegen, die Fahrzeugbriefe seien bei der Banktochter als Sicherheit hinterlegt worden. Für den Rechtsanwalt Indizien, dass die Firma Nycron und ihr Geschäftsmodell bankintern bekannt waren.

Commerz Finanz mahnt Menschenverstand an

Die Commerz Finanz stellt den Sachverhalt anders dar. Die Kunden hätten „reine Bankkredite zu ihrer freien Verfügung erhalten“, teilte eine Sprecherin auf Nachfrage mit. Die Firma Nycron sei im Hause unbekannt gewesen, eine Kooperation mit dem Unternehmen habe nie bestanden. Einen Seitenhieb Richtung der Geschädigten teilt das Institut überdies aus: Ein Kreditinstitut könne „lediglich darauf hoffen, dass seine Kunden sich nicht zu Geschäftsmodellen verleiten lassen, die nach allgemeiner Lebenserfahrung und bei ausreichender Überlegung nicht funktionieren können.“

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