Hagener fährt auf dem Fahrrad rund um Deutschland

Oliver Trelenberg im Emscher Landschaftspark.
Oliver Trelenberg im Emscher Landschaftspark.
Foto: WP
  • Krebskranker Oliver Trelenberg fährt 3115 Kilometer mit dem Fahrrad
  • Tour des Hageners führt von Basel rund um Deutschland bis Dresden
  • 51-Jähriger will anderen Menschen mit seiner Fahrt Mut zusprechen

Hagen.. Jede Mahlzeit, die Oliver Trelenberg (51) zu sich nimmt, schmeckt ein bisschen nach Russischem Roulette. Nachdem ihm bei einer Operation ein Teil des Kehlkopfes entfernt wurde, blieb in der Luftröhre ein Loch zurück, durch das nun ständig Nahrungsbröckchen oder auch nur Speichel in die Lunge zu geraten drohen. Im schlimmsten Fall kann das lebensgefährliche Folgen haben. „Beim Essen hoffe ich immer, dass alles gut geht“, sagt Trelenberg kurz und bündig.

Er jammert nicht wegen seiner Krebserkrankung. Er jammert nicht darüber, dass er durch sie berufsunfähig geworden und in Armut gefallen ist. Er jammert nicht darüber, dass er nicht mehr schwer heben kann und sein Körper bei jeder leichten Anstrengung versagt. Stattdessen hat sich Oli Trelenberg aufs Fahrrad gesetzt und Deutschland umrundet – auf 3115 Kilometern von Basel bis Dresden. 50 Städte und Gemeinden haben ihm auf seiner Mutmacher-Reise Kost und Logis zur Verfügung gestellt, fünf Oberbürgermeister, 19 Bürgermeister, ein Landrat und etliche weitere lokale Honoratioren haben ihn empfangen, zahlreiche Zeitungen über ihn berichtet – der Hagener mit der desolaten Kindheit und schweren Krankheitsgeschichte ist inzwischen in weiten teilen der Republik als Botschafter und Beispielgeber bekannt: „Mir geht es nicht darum, sportliche Höchstleistungen zu erbringen“, sagt Oli Trelenberg: „Ich will mit den Menschen ins Gespräch kommen, ihnen von meiner Krankheit erzählen und um Unterstützung bitten.“

Geld geht an Verein "Engel mit Herz"

Gestern kehrte Trelenberg ins Hagener Rathaus zurück und präsentierte Oberbürgermeister Erik O. Schulz, der ihn im April auf seine große Tour verabschiedet hatte, einen Scheck über 11.432 Euro. Das Geld, das Krebspatient Oli unterwegs gesammelt hat, soll dem Verein „Engel mit Herz“, der durch eine Krebserkrankung arm gewordenen Menschen einen einwöchigen Urlaub an der Nordsee ermöglicht, zugute kommen. „Oliver Trelenberg ist ein wunderbares Beispiel für den selbstlosen Dienst an den Menschen und dafür, dass es sich lohnt, sein Schicksal nicht klaglos hinzunehmen, sondern dagegen anzugehen“, merkte der beeindruckte Schulz an.

Trelenbergs 56-tägige Deutschland-Umrundung führte von Basel aus über den Rheinradweg ins niederrheinische Rees, weiter nach Rheine und über den Emsradweg nach Emden, über den Nordseeküstenradweg in Richtung Hamburg und von dort aus weiter nach Stralsund sowie über Ahlbeck und Görlitz bis nach Dresden. Die durchweg ebene Strecke hatte er selbst ausgetüftelt, sie war auf seine geschwächte Physis zugeschnitten, rund 50 Kilometer pro Tage konnte er auf diese Weise unter die Reifen bringen. Stellte sich doch einmal ein Hügel in die Quere, musste Oli sein Rad schieben. An sich sei das, was er vollbracht habe, ja keine Leistung, ordnet Trelenberg seine Tour bescheiden ein: „Aber mit der Zeit kommt halt was zusammen. Und die Leute verstehen mich und worum es mir geht.“ Einmal habe ihm eine Bäckersfrau das kleine Faltblatt, das ihm ein Sponsor finanziert hat und mit dem er für die gute Sache wirbt, zurückgegeben. Später fand er 100 Euro darin versteckt.

Oliver Trelenberg ist authentisch, womöglich erntet er deshalb so viel Anteilnahme und Verständnis für sein Anliegen, den Zusammenhang von Krebs und Armut aufzuzeigen. „Denn ich habe Krebs und bin von dieser Armut betroffen“, sagt er: „Aber ich möchte ein Beispiel geben, dass man trotzdem etwas erreichen kann.“ Natürlich sei er psychisch angeschlagen, die Krankheit habe sein Leben durcheinander gewirbelt, aber das Fahrradfahren habe ihm geholfen: „Es geht mir relativ gut. Für mich ist es wichtig, dass der Tag schön ist.“ Auch zu Hause setzt er sich morgens häufig aufs Rad und fährt, bis es dunkel ist. „Wenn es meine Gesundheit zulässt, dann bin ich unterwegs.“

Oliver Trelenberg hat nicht nur viel Geld für den Verein erradelt, sondern auch mehrere Hoteliers dazu gebracht, krebskranken Menschen einen kostenlosen Erholungsurlaub zu gewähren. Christoph Hambrügge, Vorsitzender des Vereins „Engel mit Herz“, für den Trelenberg Rad fährt, machte auf die paradoxen Folgen erfolgreicher, medizinischer Behandlungen aufmerksam: „Immer mehr Menschen bezwingen den Krebs dank besserer Therapien, verlieren durch die Krankheit aber ihren Job und fallen durchs soziale Netz.“

 
 

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