Hagener Edgar Marsh führt terre des hommes

Hubertus Heuel
Edgar Marsh mit Mitarbeitern von terre des hommes in Nepal.
Edgar Marsh mit Mitarbeitern von terre des hommes in Nepal.
Foto: WP
  • Edgar Marsh aus Hagen führt Hilfsorganisation terre des hommes
  • Ehemaliger Bankkaufmann wurde auf Mitgliederversammlung gewählt
  • Marsh ist einer der Gründungsväter von terre des hommes in Hagen

Hagen. Ein Hagener ist an die Spitze von terre des hommes getreten: Edgar Marsh (67) wurde auf der Mitgliederversammlung in Bad Honnef zum neuen Vorsitzenden des international tätigen Kinderhilfswerks gewählt. Marsh war zuvor ein Jahr lang stellvertretender Vorsitzender und davor drei Jahre lang Beisitzer im Präsidium von terre des hommes. „Wenn man sich ehrenamtlich engagiert, muss man auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen“, sagt er.

Edgar Marsh ist bereits seit 1970 bei terre des hommes aktiv und einer der Gründungsväter der Hagener Gruppe. „Kinder sind die Zukunft unseres Planeten“, begründet der Bankkaufmann, der 46 Jahre lang für die Sparkasse Hagen tätig war und seit 2014 Rentner ist, sein Engagement: „Kinder sind am verwundbarsten. Sie verstehen ja häufig nicht einmal, was ihnen passiert, wenn ihnen etwas passiert.“ Zudem führte er ein Zitat von Antoine Saint-Exupéry an: „Menschsein heißt Verantwortung fühlen und sich schämen beim Anblick einer Not, auch wenn man offenbar keine Mitschuld an ihr hat.“

Verantwortung für Kinder in Not zu übernehmen sei angesichts der Rekordzahlen an Flüchtlingen und dem millionenfachen Leid ausgebeuteter Kinder mehr denn je notwendig. „Kennzeichen von terre des hommes ist neben der direkten Unterstützung von Kindern die Einmischung in politische Verhältnisse“, so Marsh. „Wir informieren Konsumenten über die Ausbeutung arbeitender Kinder in der globalen Lieferkette bei Textilien und engagieren uns für eine Kultur des Willkommens gegenüber Flüchtlingen.“ Als Vorsitzender des Präsidiums wolle er diesen Ansatz fortführen. Die politische Arbeit stehe gleichberechtigt neben der unmittelbaren Hilfe.

Seit zwei Wochen Deutscher

Der Vater von zwei inzwischen erwachsenen Kindern hat eine interessante persönliche Biographie aufzuweisen. Marsh wurde in Hagen geboren, zog jedoch schon bald darauf mit seinem britischen Vater und der deutschen Mutter nach England, wo er zehn Jahre lang lebte. Dann kam er nach Hagen zurück und lebte und arbeitete als britischer Staatsbürger in der Volmestadt. Erst seit zwei Wochen besitzt er auch die deutsche Staatsbürgerschaft – eine Folge des Brexit: „Ich weiß ja nicht, ob die Freizügigkeit von Briten demnächst eingeschränkt wird. Und ich möchte auch nicht Dinge, die mir wichtig sind, etwa das Wahlrecht, wieder verlieren.“

Das Präsidium von terre des hommes ist ein ehrenamtliches Organ, entscheidet über die strategische Ausrichtung der Organisation und kontrolliert den hauptamtlichen Vorstand sowie die 70 Mitarbeiter starke Geschäftsstelle in Osnabrück. Das Hilfswerk unterhält keine eigenen Projekte, sondern unterstützt Helfer vor Ort. Marsh selbst weilte erst in diesem Frühjahr in Nepal, um sich über die Folgen des katastrophalen Erdbebens aus dem Jahr 2015, das mehr als 10 000 Tote forderte, zu informieren. Die Arbeit von terre des hommes, so seine Erkenntnis, leiste einen wichtigen Beitrag zum Wiederaufbau des gebeutelten Landes.