Hagen zahlt Wahnsinns-Preis für öffentliche Beleuchtung

In Hagen werden alte Leuchten mit herkömmlichen Leuchtmitteln gegen LED-Technik ausgetauscht.
In Hagen werden alte Leuchten mit herkömmlichen Leuchtmitteln gegen LED-Technik ausgetauscht.
Foto: Michael Kleinrensing
  • Hagen zahlt für seine öffentliche Beleuchtung einen Wahnsinns-Preis.
  • Das hat die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) ermittelt.
  • Die Anstalt empfielt eine Überprüfung der Verträge mit Versorger Enervie.

Hagen.. Keine andere kreisfreie Stadt in Nordrhein-Westfalen zahlt für den Strom seiner öffentlichen Beleuchtung einen derart hohen Preis wie Hagen. Das hat die Gemeindeprüfungsanstalt des Landes Nordrhein-Westfalen ermittelt. Während die Stadt 0,24 Euro pro Kilowattstunde an die Enervie überweist, zahlt die Kommune mit dem besten Tarif nur 0,11 Euro. Bezogen auf den NRW-Schnitt (0,18 Euro) sehen die Prüfer ein Einsparvolumen von 320.000 Euro.

Seit dem 1. Januar 1996 läuft der Vertrag der Stadt mit dem Versorger. Abgeschlossen wurde der Kontrakt noch mit den Stadtwerken Hagen zu einer Zeit, als es noch keinen liberalisierten Strommarkt gab. „Es ist davon auszugehen, dass die Vergabe damals wohl direkt erging“, so Stadtsprecher Michael Kaub. Geändert hat sich – obwohl der Vertrag mit halbjährlicher Frist immer zum Ende des Jahres gekündigt werden kann - nichts.

Neuorientierung dringend empfohlen

Eine „zwingende Neuorientierung“ empfiehlt die Gemeindeprüfungsanstalt der Stadt Hagen. Ein Vorschlag, der angesichts der desolaten Finanzsituation des Versorgers, an dem die Stadt Hagen als größter Anteilseigner 42,7 Prozent hält, durchaus zu einem Spagat werden kann.

So hält sich die Stadt auch noch bedeckt. „Natürlich haben wir das Thema auf dem Schirm“, so Michael Kaub, „wie wir damit umgehen, ist aber noch nicht entschieden.“ Da habe am Ende auch die Politik mitzureden. Eine Kündigung des Vertrages sei frühestens zum Ende des nächsten Jahres möglich. Bei einer eventuellen Neuausschreibung könnten sich dann sämtliche Versorger bewerben. Der günstigste bekäme den Zuschlag.

Kritisiert wird von der GPA auch, dass es in Hagen zu viele Laternen gibt. Bezogen auf jeweils 1000 Quadratmeter Verkehrsfläche stehen in der Stadt 3,16 Leuchten. Der Mittelwert der vergleichbaren NRW-Kommunen liegt bei 2,18. Im Visier haben die Prüfer vor allem ­Laternen, die auf freier Strecke außerhalb geschlossener Ortschaften leuchten. „An den Autobahnzubringern besteht z.B. keine Beleuchtungspflicht“, heißt es in dem Bericht. Die Stadt Hagen, so die Empfehlung, soll prüfen, ob diese Anlagen abgeschaltet werden können.

Spitzenplatz auch bei Gesamtaufwendungen

Allerdings gibt es in dem GPA-Heft zum Thema öffentliche Beleuchtung nicht nur Kritik. So sei der Stromverbrauch insgesamt in den letztem Jahren deutlich reduziert worden. „Erzielt wurde diese Verbesserung durch die Umrüstung auf stromsparende Technik, die durch Förderprogramme mitfinanziert wurde.“ So liegt der Stromverbrauch pro Laterne in Hagen nur noch bei 295 Kilowattstunden pro Jahr und unterschreitet den Durchschnitt von 360 Kilowattstunden deutlich. „Ökologisch“, so bescheinigt die GPA, „ist die Stadt Hagen beim Stromverbrauch der Straßenbeleuchtung sehr gut aufgestellt.“

Die Bilanz verhageln allerdings dieGesamtaufwendungen für die öffentliche Beleuchtung, bei denen die Stadt bezogen auf die einzelne Laterne als auch auf jeweils 1000 Quadratmeter Verkehrsfläche auf einem Spitzenplatz liegt.

Hauptursachen seien laut GPA-Gutachten neben hohen Energiekosten auch die hohen Abschreibungen.

 
 

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