Hagen und Lüdenscheid erwarten Bereitschaft zur Einigung

Hagen..  Angesichts der anhaltenden Liquiditätskrise der Enervie rückt auf verschiedenen politischen Ebenen das schwindende Vertrauen zum Unternehmensvorstand in den Mittelpunkt der Diskussion. Zuletzt wurde nach Informationen dieser Zeitung in der jüngsten Sitzung des Konsortialrates – hier sitzen die politischen Vertreter der beiden größten Anteilseigner, also Hagen und Lüdenscheid, am Tisch – deutlich, dass dort in weiten Teilen das „uneingeschränkte Vertrauen“, so die in der Runde gebrauchte Vokabel, vor allem zu Vorstandssprecher Ivo Grünhagen nicht mehr gegeben erscheint.

Differenzen im Finanzausschuss

Eine Stimmungs-Momentaufnahme, die der Enervie-Aufsichtsratsvorsitzende, Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz, dem Vorstand inzwischen auch überbracht hat. Außerdem formulierte er an die Unternehmensführung die Erwartung, dass man für die richtungsweisende Aufsichtsratssitzung am Montag ein klares Diskussionsergebnis aus dem Finanzausschuss erwarte.

Dessen letztes Zusammenkommen war nach heftigen inhaltlichen Disputen vom Vorsitzenden Christoph Köther (HVG-Geschäftsführer) nach fast sechsstündiger Sitzung abgebrochen worden, weil die Differenzen zwischen Vorstand, Wirtschaftsberatern und den dort vertretenen Anteilseignern an diesem Tag nicht mehr lösbar erschienen. Im Mittelpunkt der Kontroverse stand erneut der Jahresabschluss 2014 und die vom Vorstand favorisierte Radikalität der Bilanzierung in Form eines Jahres der Bereinigung. Der Diskurs soll jetzt bei einem für heute terminierten Anschlusstermin zu einem abgestimmten Ergebnis führen, um dann am Montag im Aufsichtsrat endlich richtungsweisende Beschlüsse fassen zu können.

OB Schulz machte während einer etwa 100-minütigen Aussprache des Konsortialrates – ausdrücklich ohne den Vorstand – deutlich, dass es für den künftigen Enervie-Kurs einer klaren Haltung des Aufsichtsrates gegenüber dem Vorstand bedürfe. Während der ebenfalls kriselnde Energieriese RWE Anfang März ganz bewusst und offensiv den Vertrag mit Vorstandschef Peter Terium bis 2021 verlängerte, um an dieser Schlüsselstelle in einer dramatischen Umbauphase Kontinuität und Verlässlichkeit an der Spitze zu haben, fehlt aktuell bei Enervie ein solch klares Bekenntnis völlig. Stattdessen laufen seit den zuletzt heftigen Debatten im Finanzausschuss nach Informationen dieser Zeitung hinter den Kulissen die telefonischen Abfragen unter den Aufsichtsratsmitgliedern an, wie sich die einzelnen Vertreter beim Stellen der Vertrauensfrage wohl zu den Vorständen positionieren würden.

Zweifel aus Lüdenscheid

Vor allem die Lüdenscheider Vertreter im Konsortialrat, allen voran deren Bürgermeister Dieter Dzewas, machten nach Informationen dieser Zeitung kein Hehl daraus, dass in ihren Reihen uneingeschränktes Vertrauen zum Vorstand nicht mehr vorhanden sei und ebenfalls bei den kleineren Anteilseignern aus dem Märkischen Kreis der Ruf nach einem Neustart immer lauter werde. Eine Positionierung, zu der Dzewas auf Anfrage kein öffentliches Statement abgeben wollte.

 
 

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