Hagen ist mit Zuwanderung aus Südosteuropa überfordert

Im einsturzgefährdeten Haus an der Eugen-Richter-Straße 98 wohnten viele Rumänen.
Im einsturzgefährdeten Haus an der Eugen-Richter-Straße 98 wohnten viele Rumänen.
Foto: Michael Kleinrensing
Der Zustrom aus Südosteuropa überfordert die Systeme der Stadt Hagen zunehmend. Bis zum Jahresende werden 2200 weitere Zuwanderer erwartet.

Hagen. Die Zuwanderung aus Südosteuropa überfordert die Systeme der Stadt Hagen zunehmend. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Setzt sich der Zustrom im Laufe des Jahres so fort wie in den ersten drei Monaten, so werden nach Prognosen der Stadt 2015 2200 Rumänen neu nach Hagen kommen. Weil immer wieder Menschen die Stadt in Richtung ihres Herkunftslandes verlassen, werden im Saldo Ende des Jahres 1800 Rumänen mehr in Hagen leben als noch Anfang Januar.

„Zuwanderung aus EU-Ländern“ lautete der Tagesordnungspunkt im Sozialausschuss. Die Diskussion konzentrierte sich allerdings schnell auf jene Menschen, die aus Südosteuropa – aus Rumänien und aus Bulgarien – in die Stadt strömen. 4469 EU-Bürger zogen in den letzten fünf Jahren nach Hagen. Davon waren 1114 Rumänen und 565 Bulgaren. Viele kamen erst in jüngster Vergangenheit. Zum Teil auch aus benachbarten Städten.

Beratung nicht vorbereitet

„Von dem Zuzug aus diesen Ländern waren wir im Vergleich zu anderen Städten wie Duisburg oder Dortmund bislang kaum betroffen“, so Reinhard Goldbach, Leiter des Fachbereichs Jugend und Soziales. „Jetzt merken wir die Zuwanderung spürbar in unseren sozialen Systemen.“ Dabei sei die Beratung einem derart hohen Zustrom nicht gewachsen. Das betreffe auch die Sprachkompetenz der Sozialarbeiter. Große Probleme bereite darüber hinaus der Krankenversicherungsschutz. Akutbehandlungen finden statt. „Wer aber die Kosten dafür übernimmt, ist völlig offen“, so Goldbach.

Das aber ist lange nicht die einzige Baustelle: „Die Vielzahl der Probleme überfordert uns“, so Sozialdezernentin Margarita Kaufmann, „man muss sehr vorsichtig sein, was Vorurteile angeht. Aber leider bestätigen sich viele unserer Befürchtungen.“ Hinter dem enormen Zuwanderungsstrom stecken nach Erkenntnissen der Verantwortlichen bei der Stadt organisierte Schlepperbanden, die sich „eine goldene Nase“ verdienen. „Das beginnt damit, dass in den Herkunftsländern mit dem vermeintlichen Schlaraffenland BRD geworben wird“, so Kaufmann.

Über fingierte Arbeitsverträge, die Voraussetzung für den dauerhaften Aufenthalt sind, werde versucht, den Zuwanderern Zugang zu den Sozialsystemen zu verschaffen. Dafür wiederum müssten die Migranten dann einen Teil der Leistungen an die Schlepper zahlen.

Menschen arbeitswillig

Rainer Levien, stellvertretender Leiter des Jobcenters Hagen, bestätigt einen „deutlichen Anstieg der Sozialleistungen“, der im Zusammenhang mit der Zuwanderung aus Südosteuropa steht. Scheinarbeitsverhältnisse aufzudecken, bereitet der Behörde enorme Probleme – was auch mit der engen Personaldecke zu tun habe. „Das Risiko, dass Menschen Leistungen erhalten, die ihnen eigentlich gar nicht zustehen, ist groß“, so Levien. Dabei seien die Zuwanderer durchaus willig, Arbeit aufzunehmen. Die immensen Sprachprobleme allerdings stehen dem oft im Wege.

So haben im Zeitraum von November 2013 bis November 2014 500 EU-Bürger zusätzlich Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II bekommen. Mehr als 400 von ihnen stammen aus Rumänien und Bulgarien. Demgegenüber stehen 300 EU-Bürger, die in Hagen zwischen Juni 2013 und Juni 2014 eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen haben. Darunter sind nur 72 Rumänen und Bulgaren.

 
 

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