Hagen baut auf den Google-Werbeeffekt

Im vergangenen Jahr machte der Google-Wagen auch in Hagen solche Aufnahmen.
Im vergangenen Jahr machte der Google-Wagen auch in Hagen solche Aufnahmen.
Foto: WR

Hagen.. In der Debatte um den umstrittenen Internetdienst Google Street View schwenken deutsche Städte auf unterschiedliche Linien ein. Hagen glaubt von dem Angebot profitieren zu können. Bielefeld indes will städtische Gebäude verpixeln lassen.

Man dürfe bei aller Skepsis, sagt Stadtsprecher Thomas Bleicher, „nicht den touristischen Werbeeffekt außer acht lassen“, den ein virtueller Rundgang durch die Stadt biete. Hagen steht zwar nicht auf der Liste der Top 20 Städte, für die Google noch in diesem Jahr zum Online-Spaziergang einlädt. Doch bereits im Sommer des vergangenen Jahres hatte das US-Unternehmen die Volmestadt durchfahren und mit seinen 360-Grad-Aufnahmen jeden Winkel abgelichtet. Auf Nachfrage, wann der Dienst auch für Hagen verfügbar sein werde, gibt sich das Unternehmen betont bedeckt. „Wir arbeiten daran, weitere Standorte zur Verfügung zu stellen, doch haben wir derzeit diesbezüglich keine Ankündigung zu machen“, heißt es von einer Unternehmenssprecherin. Doch das Street View auch für Hagen kommt, steht wohl außer Zweifel.

Link auf der Internetseite der Stadt Hagen

Laut einem Bericht der „Berliner Zeitung“ hat Google bereits eine fünfstellige Zahl an Widersprüchen gegen die Veröffentlichung von Häusern bei Street View erhalten. Die Stadt Hagen hat jetzt wie bereits viele andere Kommunen auf ihrer Internetseite (www.hagen.de) für Bürger, die Widersprüche gegen die Veröffentlichung ihrer Häuseransichten einlegen wollen, einen Link zu einem entsprechenden Formular des Unternehmens hinterlegt. Eine weitere Frist für Widerspruchsmöglichkeiten wird es geben, wenn Hagen – vermutlich 2011 – ins Street View-Projekt aufgenommen wird.

Die Stadt Hagen selbst wird laut Stadtsprecher Bleicher keinen Vorstoß unternehmen, Widerspruch gegen die Veröffentlichung von stadteigenen Gebäuden einzulegen; ein entsprechender Antrag einer Ratsfraktion liege derzeit auch nicht vor. Im ostwestfälischen Bielefeld hatte sich bereits frühzeitig eine politische Front gegen Street View gebildet. Der Stadtrat hatte im Januar mehrheitlich beschlossen, dem Unternehmen zu untersagen die rund 1200 kommunalen Liegenschaften in Street View zu veröffentlichen. Die FDP-Fraktion in Hemer hat jetzt einen ähnlich lautenden Antrag gestellt.

In Bielefeld war der Vorstoß aber offenbar erfolglos. „Wir haben nach dem Ratsbeschluss bei Google offiziell Widerspruch gegen Veröffentlichung der Bilder eingelegt“, erläutert der Datenschutzbeauftragte der 325 000 Einwohner großen Stadt, Klaus-Dieter Girsch. Seitdem habe man von Google nichts mehr gehört – bis etwa vor 14 Tagen. „Da haben wir von Google die Nachricht bekommen: ‘Glückwunsch, sie sind unter den ersten 20 Städten in Deutschland, die online gehen.’“ Ob Google den städtischen Widerspruch zunächst einmal schlicht ignoriert, werde man wohl erst sehen, wenn der Dienst abrufbar sei. Ohnehin, so Girsch, sei der Ratsbeschluss innerhalb der Verwaltung umstritten. „Die Marketingabteilung unserer Stadt hat es als schweren Nachteil gesehen, dass sich unsere Stadt nicht präsentiert.“

Werbeeffekt nicht außer acht lassen

Ähnlich schätzt Hagens Stadtsprecher Thomas Bleicher die Situation ein: „Wir wollen keine unserer stadteigenen Gebäude verpixeln lassen.“ Für touristische Zwecke könne es vorteilhaft sein, wenn etwa das Wasserschloss Werdringen, das Theater oder das Kunstquartier bei einem Internetrundgang besichtigt werden können. „Den Werbeeffekt sollte man bei allen Bedenken nicht außer acht lassen“, so Bleicher. Ähnlich hatte sich im Gespräch mit unserer Zeitung vor einem dreiviertel Jahr das LWL-Freilichtmuseum geäußert.

Auch die Stadt Bonn hat Google und Unternehmen mit ähnlichen kommerziellen Zielen den Kampf angesagt. Die Bonner haben ihre Satzung zur Straßennutzung um einen Passus erweitert und verlangen künftig Sondernutzungsgebühren in Höhe von 20 Euro pro fotografierten oder gefilmten Straßenkilometer im Stadtgebiet. Für die Veröffentlichung der aktuellen Street-View-Aufnahmen habe das keine Konsequenzen, räumt eine Stadtsprecherin ein. Für die Zukunft wolle man aber die Möglichkeit haben, diese Gebühr erheben können. Auch eine solche Maßnahme, betont Bleicher, sei in Hagen kein Gegenstand von Überlegungen.

 
 

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