Grünkohl weiter nur in Maßen essen

Dortmund.  Vier Jahre lang, zwischen 2006 und 2010, hat die Skandalfirma Envio laut Saatsanwaltschaft Dortmund mit dem Schadstoff PCB Mitarbeiter, Leiharbeiter und auch die Umwelt vergiftet. Der Prozess läuft, 3300 Tonnen mit zum Teil PCB-verseuchtem Material müssen vom Gelände entfernt werden, dem Unternehmen wird Körperverletzung in 51 Fällen vorgeworfen. Und auch die Kleingärtner beschäftigt das Thema weiterhin, sie dürfen Grünkohl auch heute noch nur in gewissen Mengen verzehren.

Es dürfte wenig Grünkohl geben, der engmaschiger untersucht wird, als der, der in sechs Gärten in drei Kleingartenanlagen im Hafengebiet untersucht wird. Der Grund liegt auf der Hand: PCB steht für Polychlorierte Biphenyle, giftige und krebsauslösende organische Chlorverbindungen. Seit 2011 ist ihr Einsatz weltweit verboten, dennoch ist PCB inzwischen überall nachweisbar und wird auch nicht wieder verschwinden. Die akute Giftigkeit von PCB ist gering, es sind die Langzeitwirkungen, die den Stoff zu einem gesundheitlichen Sprengstoff machen.

Eine Portion pro Woche

Zwar hat die Belastung der Pflanzen mit der Schließung von Envio abgenommen, Anfang 2011 war eine generelle Verzichtsempfehlung für Blattgemüse aufgehoben worden.

Doch weiterhin gelten Verzehrempfehlungen des Landesumweltamtes (Lanuv). Jetzt teilte die Bezirksregierung Arnsberg mit, dass diese Verzehrempfehlung sich erneut geändert habe: Während für die Kleingartenanlagen Hobertsburg und Hafenwiese weiterhin der Verzehr von zwei Portionen (zusammen 500 Gramm) selbstangebauten Grünkohls pro Woche aus gesundheitlicher Sicht tolerabel sei, solle der Grünkohl aus der Kleingartenanlage Westerholz nur einmal pro Woche (eine Portion von 250 Gramm) verzehrt werden.

Auffällig an diesen Erhebungen ist, das bis 2014 die PCB-Werte an allen Messstellen kontinuierlich sanken, 2015 aber wieder teilweise angestiegen sind. Das Landesumweltamt hat 2015 wie im Vorjahr die Auswirkungen der PCB-Belastungen im Hafen-Umfeld in den Kleingartenanlagen Hafenwiese, Westerholz und Hobertsburg ermittelt. Zum Vergleich wurde ein Garten in Eving entsprechend untersucht.

Dazu wurden Grünkohlpflanzen am 13. August 2015 ausgepflanzt und am 11. November 2015 geerntet. Der Grünkohl wurde küchenfertig vorbereitet und anschließend als Mischprobe je Messpunkt auf Dioxine/ Furane und PCB untersucht.

Auch 2016 sollen die Untersuchungen fortgesetzt werden. Damit, so der Bericht des Landesumweltamtes, soll auch geklärt werden, „inwieweit mit den anstehenden Sanierungsmaßnahmen auf dem Gelände der Firma Envio gegebenenfalls zusätzlich Einträge von Schadstoffen in den Nahrungspflanzen nachgewiesen werden können“.