Große Vorbehalte gegen Moschee-Pläne

Die islamisch-kurdische Gemeinde hat den ehemaligen Bunker an der Körnerstraße 94 (ehemals Schmidt im Bunker) erworben und plant dort die Einrichtung einer Moschee samt Kulturräumen und Café. Foto: Heuel
Die islamisch-kurdische Gemeinde hat den ehemaligen Bunker an der Körnerstraße 94 (ehemals Schmidt im Bunker) erworben und plant dort die Einrichtung einer Moschee samt Kulturräumen und Café. Foto: Heuel
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Hagen. Selbst wenn die Bevölkerung und die Politiker es wollten: Die beiden Minarette, mit denen die islamisch-kurdische Gemeinde ihre neue Moschee an der Körnerstraße 94 (ehemals Schmidt im Bunker) bekleiden will, könnten sie nicht verhindern.

Die Bauexperten der Stadtverwaltung gaben auf Anfrage unserer Zeitung gestern klar und deutlich Auskunft: Der geltende Bebauungsplan lässt den Bau von Minaretten im Bereich der Körnerstraße ohne besondere Genehmigungsverfahren zu. „Kirchtürme sind dort ja auch gestattet“, sagte ein Stadtsprecher. Mindestens so hoch wie das zu ihnen gehörende Gebäude dürfen die Gebetstürme sein; wenn keine umliegenden Immobilien gefährdet werden, lässt das Baurecht auch wesentlich größere Höhen zu.

Zwei Türme

Harun Sever, Vorsitzender der islamisch-kurdischen Gemeinde in Hagen und Motor des Moschee-Baus, hatte Anfang August angekündigt, das Gotteshaus mit zwei Minaretten auszustatten. Einen offiziellen Antrag im Rathaus hat er allerdings noch nicht eingereicht, dort liegen lediglich die Papiere zur Einrichtung der Moschee vor. In der Sitzung am 21. September wird die Bezirksvertretung Mitte über den Sachverhalt informiert. Die Vorlage hat ausschließlich erläuternden Charakter, mitentscheiden dürfen Hagens Kommunalpolitiker in der Sache nicht.

Dabei wird die Gründung einer weiteren Großmoschee in der Innenstadt durchaus von kritischen Stimmen begleitet. „Die Volksseele kocht“, hat Bezirksbürgermeister Jürgen Glaeser (CDU) ausgemacht. „Die Leute fragen sich, ob die Stadt islamisiert werden soll.“ In zahlreichen Gespräche versuche er, den Bürgern deutlich zu machen, dass die Religionsfreiheit im Grundgesetz verankert sei: „Und wenn im Baurecht nichts gegen eine Moschee spricht, dann können wir sie auch nicht ablehnen.“

Warnung vor Parallelgesellschaften

Andererseits wies Glaeser auf die Gefahr hin, dass sich in der Hagener City langfristig eine vor allem von Türken, aber auch anderen Nationalitäten dominierte Parallelgesellschaft etablieren könnte. Leider sei die Integration häufig ein einseitiger, lediglich von deutscher Seite betriebener Prozess, die Resonanz seitens der ausländischen Mitbürger tendiere leider gegen Null. So kenne er manche deutsche Frau, die mit einem türkischen Mann verheiratet sei, umgekehrt sei das aber nur äußerst selten der Fall: „Dass viele deutsche Hagener von dieser Entwicklung nicht erbaut sind, halte ich für nachvollziehbar.“

SPD-Fraktionschef Mark Krippner sieht dagegen gerade in dem neuen islamischen Gotteshaus im Bunker ein Beispiel für Integration: „In einem öffentlichen Gebäude ist eine Moschee allemal besser untergebracht als in einem Keller oder Hinterhof.“ Auch die Vielzahl der Moscheen stört Kripper nicht, es sei verständlich, dass jede Nationalität ihr eigenes Gotteshaus haben wolle: „Katholiken besuchen in der Regel ja auch keine evangelische Kirche.“

Noch nicht geklärt ist, ob in der Körnerstraße ein Muezzin zum Gebet aufrufen darf, was Sever ebenfalls erwogen hatte. Dies sei keine Frage des Baurechts, hieß es aus der Stadtverwaltung. Aber Glockengeläut könne in der Regel auch nicht ohne weiteres untersagt werden. . .

 
 

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