Gewinne der Unternehmen in Hagen brechen ein

Das Finanzamt an der Ecke Schürmannstraße/Märkischer Ring.
Das Finanzamt an der Ecke Schürmannstraße/Märkischer Ring.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Die Körperschaftssteuereinnahmen sind in Hagen auf ein historisch niedriges Niveau gesunken. Sie machten 2014 nur noch 20,7 Millionen Euro aus und lagen damit um 53,2 Prozent unter dem Vorjahr.

Hagen.. Manchmal sprechen nackte Zahlen Bände. Und ein scheinbar knochentrockener Bilanzbericht liefert verblüffende, erhellende Erkenntnisse zur Lebens- und Arbeitssituation in einer Stadt. So geschehen gestern auf der Jahrespressekonferenz des Hagener Finanzamtes.

Dabei kam heraus, dass die Körperschaftssteuereinnahmen in Hagen auf ein historisch niedriges Niveau gesunken sind. Sie machten 2014 nur noch 20,7 Millionen Euro aus und lagen damit um mehr als 23 Millionen Euro unter dem Vorjahresergebnis. Das entspricht einem Rückgang von 53,2 Prozent.

Negative Entwicklung

Da es sich um eine Unternehmenssteuer handelt, die sich nach dem Gewinn richtet (die Körperschaftssteuer beträgt 15 Prozent des Gewinns von Kapitalgesellschaften), lässt das natürlich Rückschlüsse auf die Situation der Hagener Wirtschaft zu, um deren Ertragslage es offenbar nicht zum Besten bestellt ist. „Das Ergebnis korrespondiert mit den gesunkenen Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Hagen“, kommentierte Wilhelm Brandt, Vorsteher des Finanzamtes, die negative Entwicklung.

Dennoch stecken die Betriebe nicht in einer Krise, wie das übrige Steueraufkommen belegt. Vor allem Lohn- und Umsatzsteuereinnahmen befinden sich auf dem Weg nach oben (siehe Grafik). Die Einnahmen aus der Umsatzsteuer sind sogar um 4,2 Prozent gestiegen, während sie landesweit um 0,44 Prozent zurückgingen. Und die Lohnsteuer ist in Hagen seit 2009 um 50 Millionen Euro in die Höhe geschnellt.

Zahlreiche Kleinbetriebe

Christoph Brünger, Experte für Standortpolitik bei der Industrie- und Handelskammer in Hagen, sieht ein Bündel von Gründen für die eingebrochenen Gewinne der Unternehmen: „Dazu gehört sicherlich, dass die Stadt Hagen vor zwei Jahren die Gewerbe- und Grundsteuer erhöht hat.“ Unternehmen mit mehreren Niederlassungen hätten darauf reagiert, indem sie ihre Gewinne durch interne Verrechnungen an anderen Standorten, wo weniger Steuer zu entrichten ist, auswiesen. Hinzu käme eine steigende Investitionstätigkeit in Hagen, die ein erhöhtes Abschreibungsvolumen mit sich bringe. Und schließlich seien die Gewinnmargen im globalen Wettbewerb rückläufig.

Die Zahl der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen in Hagen ist mit 8314 (2013: 8345) leicht, aber nicht dramatisch gesunken. Insgesamt gibt es derzeit rund 15.000 Betriebe in der Stadt, darunter zahlreiche Kleingewerbe, die weniger als 17.500 Euro im Jahr umsetzen und damit von der Umsatzsteuer befreit sind, aber auch keine Vorsteuer in Anspruch nehmen dürfen.

Fazit: Die Hagener Wirtschaft brummt weiterhin und der Export boomt, wenngleich die Stadt und das örtliche Finanzamt davon nicht profitieren.

EURE FAVORITEN