Geweke Gusstechnik in Hagen sucht weiter Investor

Ein Stück Hagener Industriegeschichte: Bei Geweke Gusstechnik steht der letzte Schmelztiegel der Stadt. Trotz der Insolvenz läuft der Betrieb weiter.
Ein Stück Hagener Industriegeschichte: Bei Geweke Gusstechnik steht der letzte Schmelztiegel der Stadt. Trotz der Insolvenz läuft der Betrieb weiter.
Foto: WP
  • Traditionsunternehmen seit Monaten in Insolvenz
  • Betrieb läuft derzeit problemlos weiter
  • Suche nach Geldgeber oder Käufer

Hagen.. Insolvenzverfahren – mit diesem Stempel muss das Hagener Traditionsunternehmen Geweke Gusstechnik (besser bekannt unter dem alten Namen Eisenwerk Geweke) nun schon seit Monaten leben. Doch es lebt so den Umständen entsprechend gut. Die Auftragslage ist zufriedenstellend, die Löhne werden wieder pünktlich gezahlt. Es bleibt allerdings die bittere Pille, dass 17 zum Teil langjährige Mitarbeiter gekündigt worden sind. Und dass immer noch ein Investor fehlt.

An diesem fehlenden Geldgeber liegt es auch, dass sich Geweke Gusstechnik mit seinen nun nur noch 54 Mitarbeitern noch immer im Insolvenzverfahren befindet. Allerdings in Eigenverwaltung. Das heißt: Es gibt keinen vom Amtsgericht bestellten Insolvenzverwalter, der die Geschäfte führt. Statt dessen ist der alte Geschäftsführer Lutz Graebe weiter im Amt, ihm steht der Wuppertaler Rechtsanwalt und Restrukturierungsexperte Stephan Ries zur Seite. Der Dortmunder Anwalt Thomas Thiel vertritt indes die Interessen der Gläubiger.

Fast 20 Gesellschafter

Die lassen Geweke Gusstechnik weiter die Luft, nach einem Investor zu suchen. Das ist auch das Ergebnis der jüngsten Gläubigerversammlung. „Es gibt weiter interessante Gespräche“, sagt Daniel Gläser aus dem Büro des Wuppertaler Rechtsanwaltes Ries. „Interessenten sind also vorhanden. Bislang ist es aber noch nicht zu einer Einigung gekommen.“

Sowohl ein Kapital-Investor, also ein reiner Geldgeber, sei willkommen als auch ein Käufer für das gesamte Werk, das sich derzeit noch in Besitz von fast 20 Gesellschaftern befindet, die alle Nachkommen der Firmengründer sind. Es liege sicherlich an einem insgesamt schwierigen Marktumfeld in der Stahlbranche, dass man bis jetzt noch nicht zu einem Ergebnis gekommen sei. Doch der Betrieb in der Geweke an sich laufe nun weitaus effektiver, die Auftragssituation sei gut.

Lob für Mitarbeiter

So sieht es auch Geschäftsführer Lutz Graebe: „Unsere Aufträge haben eine stabile Größenordnung. Und wir haben das Vertrauen der Kunden und Lieferanten halten können.“ Dass es trotz der Insolvenz nun relativ stabil weitergehe, sei auch den Mitarbeitern zu verdanken: „Die Mannschaft hat das super gemacht.“ Doch der Geschäftsführer weiß, dass das mit Härten verbunden war: „Wir mussten hier die Arbeitsabläufe neu sortieren.“

Dass ein Teil der Belegschaft hat gehen müssen, schmerzt den Betriebsratsvorsitzenden Fadi Al Ghabra: „Das waren ja nicht nur Arbeitskollegen, das sind Freunde.“ Der gelernte Modellbautechniker, hat an der Auswahl derer, die gekündigt wurden, mitwirken müssen. Die Stimmung in der Belegschaft sei auch noch verhalten. Froh stimmt ihn allerdings, dass nun die Zahlungen an die verbleibenden Mitarbeiter wieder problemlos fließen: „Es werden regelmäßig die Löhne gezahlt.“

Wie lange das Insolvenzverfahren noch laufen wird und damit die Suche nach einem Investor, der die Zukunft langfristig sichern soll, ist völlig unklar. „Es gibt zunächst einmal keine Frist“, sagt Daniel Gläser. So lang denn die Gläubiger mitmachen.

 
 

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